Was haben Schloss und Maulbeerbaum gemeinsam? Das Schloss befand sich im Besitz des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I., und das war genau derjenige, der 1714 die Pflanzung von Maulbeerbäumen an Mauern, Gräben und Wegen in Brandenburg angeordnet hatte. Auf seinen Sohn Friedrich II. geht die Anlage von über 250000 "Laubbaren" Maulbeerbäumen für die Seidenraupenproduktion zurück. Das geht aus einer Informationstafel hervor, die Gunnar Heyne, der Leiter des Naturparks Dahme-Heideseen, und Thomas Mertke, der Gebietsleiter Naturwacht, mitgebracht hatten.
Kossenblatt ist der südöstlichste Punkt des knapp 600 Quadratkilometer großen Naturparks. "Die Weiße Maulbeere Morus alba ist ein Stück unserer Kulturgeschichte", erläuterte Gunnar Heyne. Es gibt hier noch einige aus den verschiedenen Anpflanzperioden, vor allem auf Kirchhöfen, vor Schulen und auch einzelne, die von Hecken übriggeblieben sind." Seit 2010 haben die Mitarbeiter des Naturparks über 55 gefunden. Der älteste dieser Bäume steht in Birkholz bei Beeskow und wurde 1790 gepflanzt. "Die Morus alba hat ein ganz saftiges, helles Grün. Wenn man das einmal vor dem inneren Auge hat, sieht man die Bäume auch, wenn man durch die Orte fährt", schwärmt Gunnar Heyne.
Seit vielen Jahren wird immer zum Tag des offenen Denkmals im Naturpark ein großer Maulbeerbaum gepflanzt, der durch den Verkauf von kleinen Exemplaren mitfinanziert wird. Im Teil des Naturparks, der zum Landkreis Oder-Spree gehört, profitierten davon schon Kummersdorf und Limsdorf. "Wir wollen mit den Bäumen an diesen Teil der Kulturgeschichte erinnern, weil es eine schöne Pflanze ist und man ihre Früchte essen kann", so der Naturparkleiter.
Über Letzteres freuen sich auch Angelika Truppel und Saskia Krampitz aus Kossenblatt. Sie wohnen am Görsdorfer Weg, an dem noch Maulbeerbäume stehen. "Wir und die ganze Nachbarschaft sammeln die Früchte zum Gleichessen oder zum Marmeladekochen.
Für die Schlossbesichtigung hatten Dan Weiss und Anne Fiebig, die seit etwa einem Jahr die Besitzer sind, drei Führungen mit maximal 30 Gästen eingeplant. Vier zusätzliche Halbstunden-Rundgänge musste Dan Weiss schließlich durchführen. Manche Leute brachten zur Besichtigung die vom Freundeskreis Schlösser und Gärten 2003 herausgegebene Broschüre mit, andere hatten Stift und Zettel für Notizen in der Hand. Siegfried Hollatz, der mit Ehefrau Ingrid aus Tauche gekommen war, kennt das Schloss, seit er als Flüchtling im Alter von zehn Jahren für einige Tage in ihm untergebracht war. "Wir haben mit Decken auf dem Fußboden geschlafen, denn das Schloss war geplündert. Es sieht heute noch genauso aus", stellt er fest und staunt, "dass sich die breite Holztreppe überhaupt nicht abgenutzt hat". Für angemeldete Gruppen zwischen zehn bis dreißig Leuten besteht weiterhin die Möglichkeit der Schlossbesichtigung, sagt Anne Fiebig.
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