Beim Neujahrsempfang der Stadt Storkow und der Bundeswehr waren Regimentskommandeur Oberst Frank Schlösser und der neue Besitzer von Schloss Hubertushöhe, Rainer Opolka, ins Gespräch gekommen und hatten sich mit ihren Positionen in Sachen Bundeswehr einen ganz schönen Schlagabtausch geliefert. Anlass für Frank Schlösser, die nächste Veranstaltung in der Reihe Wintervortrag mal als Podiumsdiskussion durchzuführen. Die öffentlichen Wintervorträge gibt es schon seit einigen Jahren, sie sind eine Gemeinschaftsaktion des Bildungswerkes Potsdam der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Storkower Führungsunterstützungsregimentes 38. Gewöhnlich tritt da aber ein Referent auf und beantwortet anschließend Fragen.
"Es ist hier heute also eine Premiere", betonte der Regimentskommandeur. "Ich freue mich, dass sich vier Mutige für das Podium gefunden haben und möchte auch die Gäste im Saal ermuntern, sich zu beteiligen, das Thema gibt es her." Neben ihm hatten Platz genommen: Soziologin Meike Wanner vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Moderator Stephan Raabe von der Adenauer-Stiftung, die Storkower Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig sowie der Unternehmer Rainer Opolka aus Wendisch Rietz.
Zum Einstieg erinnerte Oberst Frank Schlösser an die Worte von Ministerpräsident Matthias Platzeck auf dem Verabschiedungsappell der Soldaten nach Afghanistan kürzlich in Storkow. Platzeck hatte sehr großen Respekt geäußert für das, was die Soldaten leisten, aber auch gesagt, dass dieser Einsatz sehr kontrovers zu diskutieren sei. "Das trifft die Situation, in der wir uns befinden", konstatierte der Regimentskommandeur.
Und wie ist es nun bestellt um das Ansehen der Bundeswehr in der Bevölkerung? Meike Wanner konnte dazu ganz aktuelle Daten einer repräsentativen Befragung liefern. "Die Bürger haben mehrheitlich eine positive Einstellung zur Bundeswehr, neun von zehn Personen meinen, dass die Bundeswehr wichtig für Deutschland ist, die Bundeswehr genießt ein hohes Ansehen", fasste sie zusammen. Die detaillierten Fakten sind auf der web-Seite der Adenauer-Stiftung nachzulesen.
Die Storkower fühlten sich der Bundeswehr eng verbunden, betonte auch Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig und zählte dafür verschiedene Beispiele auf. Unternehmer Rainer Opolka, der viele Jahre in der Friedensbewegung aktiv gewesen ist, sieht eine Mischung von Ansehen der Bundeswehr in der Bevölkerung und einer Ablehnung von Krieg und Waffen. Seinen eigenen Zwiespalt beschreibt er so: "Ich bin bis ins Innere friedensbewegt, aber ich weiß doch, dass es auf diesem Planeten noch gravierende Probleme gibt. Und ich habe da Klarheit genug, dass man die oft nur mit Waffen lösen kann."
Diese Beobachtung sei völlig auf den Punkt getroffen, betonte Oberst Schlösser: "Es gibt das freundliche Interesse, aber die kritische Distanz zu dem, was die Bundeswehr im Kern tut." Er wünsche sich, "dass diese Diskussion Platz in der Gesellschaft findet und uns auch ein echtes Interesse an unserer Arbeit entgegen gebracht wird."
Lebhaft diskutiert wurden auf der Veranstaltung unter anderem auch die Aussetzung der Wehrpflicht, die Notwendigkeit einer Bundeswehr als Parlamentsarmee und die Bedeutung eines zivilen Engagementes in Afghanistan, das sich nicht gegenseitig Konkurrenz macht. Rainer Opolka lud abschließend die Soldaten, die jetzt in Afghanistan Dienst tun, zu einem Abend auf Schloss Hubertushöhe ein. Das Fazit von Oberst Frank Schlösser: "Solche Gespräche wie heute sind auch eine Form von Wertschätzung für die Bundeswehr, und die würde ich mir in Zukunft öfter wünschen."