„Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, die Fähre im Verbandsgebiet und auch überregional bekannt zu machen, da gehen Öffnungszeiten bis 17 oder bis 19 Uhr gar nicht.“ Ellen Rußig, die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Märkisch Seenland, ist sauer auf den Leißnitzer Fährmann Michael Grabarz. Denn in den Tourismusinformationen der Region häufen sich die Beschwerden über den Leißnitzer Fährmann. Neben den betroffenen Radfahrern, die abends nicht mehr das andere Ufer erreichen, hätten sich auch Pensionsbetreiber und Gaststätteninhaber über die neue Regelung beschwert.
Seit diesem Jahr hat Michael Grabarz den Betrieb von Brandenburgs einzigartiger Handseilzugfähre an feste Öffnungszeiten gekoppelt: Unter der Woche ermöglicht der Fährmann die Passage zwischen dem Leißnitzer Fähranleger und der Ranziger Uferseite von 10 bis 17 Uhr, an den Wochenenden und Feiertagen öffnet er bis 19 Uhr. Montags ist Ruhetag. „Das ist in der Saison eindeutig zu wenig“, findet Lutz-Bodo Knöfel. Wie der Vorsitzende des Friedländer Tourismusvereins zu berichten weiß, seien ihm auch schon Klagen wegen angeblicher Unfreundlichkeit des Fährmannes zu Ohren gekommen.
Ellen Rußig argumentiert mit der Bedeutung der Fähre, die an einem Knotenpunkt wichtiger Radfernwege liegt. Vor allem der Ruhetag sei „nicht akzeptabel“ in der Hochsaison: „Das können wir in einer Tourismusregion niemandem vermitteln.“ Neben den Öffnungszeiten kritisiert die Geschäftsführerin auch die Wartezeiten am Ranziger Seeufer. Besucher müssten häufig unnötig lange ausharren, ehe das Wasserfahrzeug sie abhole.
Michael Grabarz verteidigt die Öffnungszeiten: Da er von der Fähre allein nicht leben könne, sei er gezwungen, das Angebot zeitlich einzugrenzen: „Ich bin Selbstständiger und arbeite 12 Stunden und mehr pro Tag.“ Nach der täglichen Fährzeit habe er noch beruflich zu tun. „Außerdem kommt ab 18 Uhr sowieso kaum noch ein Kunde an der Fähre an.“
Die Stadt Friedland, die Eigentümerin der Fähre ist, hat das Objekt, zu dem auch ein Imbissstand sowie ein Bootsverleih gehört, 2005 an die Familie Grabarz verpachtet. Für den Ausbau des alten Fährbüros zum Imbissstand samt Bootsverleih flossen Fördermittel. Das Fahrzeug setzte bis voriges Jahr montags bis sonntags bis zum Sonnenuntergang über. Bevor die Familie Grabarz die Fähre übernahm, erledigte Fährmann Bernd Breiert den Dienst. Wie aktuell, hatte die Fähre damals feste Öffnungszeiten und montags geschlossen.
Friedlands Bürgermeister Thomas Hähle zeigt sich verärgert über die neuen Fährzeiten in diesem Jahr. Im Pachtvertrag sei die Absicherung des Saisonbetriebs festgeschrieben. Allerdings seien in dem Vertrag keine Öffnungszeiten geregelt. Über die Betreiberfamilie ist Hähle enttäuscht: „Die haben 2005 einen sehr motivierten Eindruck gemacht und die Fähre zwei, drei Jahre lang engagiert betrieben.“
Erst in den letzten Jahren, der Fährbetrieb wurde mittlerweile auf Michael Grabarz übertragen, habe das Engagement deutlich nachgelassen, so der Bürgermeister, der privat nur einen Steinwurf vom Fähranleger entfernt wohnt. Hähle kündigt an, nach Saisonende mit dem Betreiber nach Lösungen zu suchen, denn: „Das touristische Potential dieser Attraktion ist im Moment bei weitem nicht ausgeschöpft.“
Seit 1999 versieht die Fähre, die bis zum Brückenbau in Fürstenberg (Oder) über den Oder-Spree-Kanal schipperte, zwischen Leißnitz und Ranzig ihren Dienst. Am 1. April hatte die damalige Fährfrau Christel Messing die handgezogene Personenfähre zur Jungfernfahrt übergeholt. Viel Geld floss Ende der 90er-Jahre in die Wiedereinrichtung der Fähre und den Bau der Fährtaschen. Die verkürzte Verbindung zwischen Friedland und der Gemeinde Tauche ist bei Wanderern und Radfahrern beliebt. Die Fähre kürzt aber nicht nur ab, sondern vervollständigt auch das touristische Angebot, indem sie den Radwanderweg um den Schwielochsee komplett macht.