Was die Bertholdinin, die mit bürgerlichen Namen Paula Herold heißt, als erste Geschichte zum besten gab, löste Ratlosigkeit in den Gesichtern der Zuhörer aus, weil sie nichts verstanden. Sie war aus dem frühmittelalterlichen Versepos "Heliand", das in altsächsischer beziehungsweise althochdeutscher Sprache verfasst ist. Auch Proben des schon bruchstückweise verständlichen Mittelhochdeutschs brachte sie zu Gehör, indem sie Walther von der Vogelweide zitierte. Mit dabei saß ihr Lebensgefährte Piers Ford, ein gebürtiger Kanadier, der schon seit vierzig Jahren in Deutschland lebt. Er spielte auf einem Nachbau der Wartburg-Harfe, einer kleinen Bauernharfe, Musik der Zeit und sang bisweilen dazu.
Nicht nur Unterhaltung
Kein Zweifel, man befand sich im Mittelalter, während an einem Tisch an der Seite der Bühne in einem modernen Elektrokocher das Wasser brodelte. Auch die Sonnenbrille auf dem Kopf der Erzählerin sorgte dafür, nicht zu tief in Illusionen zu versinken. Es ging ja schließlich nicht nur um Unterhaltung, sondern um die Vermittlung von Kenntnissen, wie es auch auf solch einer Burg wie die der Herren von Strehle in Beeskow zugegangen sein könnte. Mit Augenzwinkern flocht die Mimin Ortsbestimmungen wie Beeskow und Ranzig in ihre Erzählungen mit ein. Eine über Jaroslav, der in Beeskow durch ein Fenster eine Hexe beobachtet hatte, wie sie sich für den Flug zum Hexensabbat auf dem Blocksberg vorbereitete, sollte übermitteln, wie mancher heidnischer Mythos damals waltete und sich bis heute teilweise erhalten hat. Zu dem Märchen  "Frau Holle" war zu erfahren, dass dieser Familienname wie auch der Stadtname Beeskow von Holunder abgeleitet ist und was für eine Symbolik hinter ihm steckt. Der Holunder spielte eine besondere Rolle in der Inszenierung, war er doch vom Publikum auch zu verkosten als ein Minzholundergetränk, Holunderwasser mit Rosenwasser und ein Holunderschaum auf einem Stück Kuchen. Diese Idee fand nicht nur André Parade aus Trebatsch zauberhaft.
Als die "schönste, jemals in Beeskow gesehene Frau" entpuppte sich ein altes Hutzelweiblein in der erfundenen Geschichte vom jüngsten Bruder der Herren von Strehle, dem Ritter Johannes. Hier brillierte die Erzählerin gesten- und mimikreich, indem sie ganze Dialoge darstellte.
Roland Granitza und seine Frau Iris aus Jacobsdorf waren gekommen, um einmal etwas nicht Alltägliches erleben zu dürfen. Sie freuten sich, wie gut die beiden Künstler ihr Programm umgesetzt haben.