Zum Schluss hatte Hagen Pohle am ganzen Körper gezittert - doch schließlich unterbot der 23-jährige Beeskower bei den Deutschen Titelkämpfen im 50-Kilometer-Gehen die Verbandsnorm von 3:52:00 Minuten für die Olympischen Spiele. 3:51:18 Stunden schaffte Pohle. Damit war der für den SC Potsdam startende diesjährige WM-18. über 20 Kilometer Zweiter hinter Carl Dohmann vom SCL Heel Baden-Baden, der sich diesen nationalen Titel bereits vor zwei Jahren geholt hatte.
"Ich hatte während des Wettkampfes wohl zu wenig getrunken und war auf den letzten fünf Kilometer völlig am Ende. Doch wichtig ist, dass ich erst einmal die Norm geschafft habe und mich langfristig auf Olympia vorbereiten kann", erklärte Hagen Pohle eine Tag später. Da war er schon wieder etwas euphorisch ob seines gelungenen Debüts auf dieser Distanz. "Wenn mich jemand gleich nach dem Wettkampf gefragt hätte, dann hätte ich wohl gesagt, ich mache nie wieder einen Fünfziger, doch jetzt habe ich mich wieder etwas erholt."
Einige Zeit hatte es sogar nach dem Meistertitel für Hagen Pohle ausgesehen. Aus einer siebenköpfige Spitzengruppe, zu der als Gäste auch ein Pole und ein Italiener gehörten, hatten sich jeweils immer zwei Athleten für fünf Kilometer um das Tempo mit Kurs auf 3:50 Minuten bemüht. Zwischen Kilometer 30 und 40 brach dann die zunächst kompakte Gruppe völlig auseinander, Hagen Pohle führte von Kilometer 33 bis Kilometer 40 sogar das Feld an.
Vom deutschen Quintett strich zuerst Pohles Trainingskamerad Nils Gloger die Segel, der im Vorfeld wegen einer Erkältung im Training hatte kürzer treten müssen und Magenprobleme bekam. Bei Kilometer 35 gab aus ähnlichen Gründen der potentiell stärkste Deutsche Christopher Linke (Bestzeit 3:47:33 h) auf und dann bekam auch Nils Brembach muskuläre Probleme, der bei Kilometer 30 mit 2:17:59 Stunden sich wenigstens noch den Titel der U23 gesichert hatte.
So war Pohle ab Kilometer 40 das letzte Ass aus dem vom Bundestrainer Ronald Weigel trainierten Potsdamer Quartett, das noch stach. Zu diesem Zeitpunkt hatten der 25-jährige Carl Dohmann, Deutschlands einziger Vertreter über diese Distanz bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Peking, sowie der Italiener Federico Tontodonati, wieder zu Pohle aufgeschlossen. Fünf Kilometer vor dem Ziel setzte sich der EM-15. von Zürich ab und erreichte schließlich hinter dem Italiener Tontodonati als bester Deutscher das Ziel (3:50:12 h). Hagen Pohle belegte in der internationalen Wertung den dritten Rang, Bronze im deutschen Titelrennen sicherte sich der 32-jährige Andreas Janker (LG Röthenbach/Pegnitz/4:17:40).
Anfang kommenden Monat beginnt für Hagen Pohle die Olympia-Vorbereitung. Während seine Potsdamer Teamkollegen sich noch mit dem Rücksack der noch nicht erfüllten Norm herumschleppen müssen, kann der Beeskower hinter dieser Aufgabe erst einmal einen Haken machen. Doch selbst für Pohle ist Olympia noch nicht richtig sicher. "Theoretisch haben wir fünf Leute, die die Olympia-Norm schaffen könnten", muss er die Resultate der anderen bei weiteren Qualifikationen abwarten. Im Frühjahr will Pohle die Norm für die 20 Kilometer in Angriff nehmen. Als bester Deutscher bei der WM in Peking hatte er diese sowohl von der Zeit (1:21:56) als auch von der Platzierung als 18. nur knapp verpasst. Gefordert dafür sind entweder 1:21:15 Stunden oder der 16. WM-Rang.
Ob Pohle sich auf eine Distanz konzentriert, weiß er nicht. "Beim Fünfziger wird es hinten heraus ganz hart. Mir tat im Ziel alles weh. Erstaunlich war für mich, dass ich bereits zur Hälfte meine Arme spürte, obwohl ich diese beim Gehen ja eher passiv einsetze. Für den Fünfziger muss man seinen Körper gut einschätzen können, schließlich könnte man anfangs deutlich schneller gehen."
Obwohl sich die deutschen Auswahl-Geher nun zwei Wochen von ihren Strapazen im rheinischen Andernach erholen dürfen, können die Eisenhüttenstädter Hagen Pohle bereits in einer Woche hautnah in einem Wettbewerb erleben. Der Beeskower will dann im Rahmen des Schlaubetal-Marathons den 21,1-Kilometer-Wettbewerb bestreiten. "Wie schnell ich sein kann, weiß ich noch nicht. Ich muss schauen, wie fit ich dann bin." Sein Hauptkonkurrent um den Gesamtsieg dürfte nach dem derzeitigen Stand der Frankfurter Hannes Hähnel sein. Vorjahressieger Felix Ledwig, der Pohle im vergangenen Jahr vier Minuten abgenommen hatte, meldete bislang noch nicht.