Rund 60 Leute werden am Wochenende erwartet, aus Brandenburg und Berlin, Sachsen, Thüringen bis Hannover. Besucher sind willkommen. Corona-Abstandsregeln müssen eingehalten werden, Desinfektionsmittel steht bereit. Und aufgrund der bestehenden Waldbrandgefahr gibt es Feuerlöscher und stehen vor jedem Zelt gefüllte Wassereimer bereit.

Authentisch soll alles sein

Auf dem Lagerplatz hat Daniel Barteska das Sagen, aktuell im Kostüm eines hessischen Jägers, die am Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 beteiligt waren. Ihm gefällt die Vielfalt an dem historischen Hobby, das Hineinversetzen in eine andere Zeit. "Die Waffen waren damals Alltagsgegenstände, teils überlebenswichtig", so Barteska. "Wir wollen alles so authentisch wie möglich gestalten." Gewehre werden selbst oder aus Bausätzen gebaut, ergänzt Sportwart Horst Schwede, bekannt als "Old Trappenhaus". Er habe schon im Kinderwagen mit Pfeil und Bogen geschossen, lacht er.
Schwarzpulvertage 2020 in Lieberose

Bildergalerie Schwarzpulvertage 2020 in Lieberose

Auch zwei Familien aus dem sächsischen Radebeul, vom Indianistik-Verein "Indian- und Westernclub Old Manitou", sind zum zweiten Mal vor Ort. "Uns gefällt die Romantik und die Möglichkeit, aus dem jetzigen hektischen Computerleben, das nicht gesund ist, abzutauchen", erklärt Wolfgang Bytomski, gekleidet als adliger Plantagenbesitzer in den Südstaaten um 1750. Er schneidert die Kostüme selbst und ist mit Gattin Sylvia sowie Enkel und "Zuaven-Südstaatensoldat" Florian in Lieberose.
Die meisten begannen als Indianer, erzählt die Truppe, mit der Zeit wuchs ihre Materialsammlung, neue Erkenntnisse, Rollen und Themen kamen hinzu, die sie gern Besuchern präsentieren wollen. In ihr Hobby integrieren sie ihre handwerklichen Talente wie Schmieden, Nähen, Schnitzen sowie die gesamte Familie. Bei den Treffen kennt man sich, so auch in Lieberose. "Wir sind eine große Familie", ist Sylvia Bytomski begeistert.
Nicht nur Karl-May-Bücher lockten sie in der Kindheit, auch die Lederstrumpf-Erzählungen sowie die Geschichten von Liselotte Welskopf-Henrich, mit Gojko Mitić verfilmt, zogen sie damals in ihren Bann. "Zu ‚Die Söhne der großen Bärin‘ war ich zum ersten Mal im Kino", erinnert sich Achim Benkert, heute hier Südstaatenoffizier. "Es war immer mein Traum, das zu leben." Auch die Träume von Pferd und Schützenverein hat er sich erfüllt.

"Krieg ist Horror"

Dabei ist das Schießen nicht das Zentrum des Hobbys. "Wir wollen herausfinden, wie die Menschen damals lebten", betont Wolfgang Bytomski. Und mit Irrtümern wollen sie aufräumen: So werde ihm oft vorgeworfen, Kriege zu verherrlichen. "Aber wir zeigen, dass das Kriegsspiel gar nicht toll ist und das Schwarzpulverschießen nicht zur Romantik gehört!" Und auch Bytomskis Verkleidung verweist auf ein wichtiges Thema, denn Plantagenbesitzer waren zu jener Zeit oft Sklavenhalter. "Aber Rassenhass und Diskriminierung lehnen wir ganz klar ab", betont Bytomski. Gerne hätte seine Truppe auch Menschen anderer Hautfarben dabei. Zumal ihr Verein unter Nachwuchsmangel leide. "Mit Rassismus haben wir nichts zu tun und Schwarze würden sogar gut dazu passen", meint auch seine Frau Sylvia. René Schusters Vater war als ehemaliger GI in Deutschland geblieben, seine halbe Familie lebt noch in Missouri. So kam er zum Hobby. Auch er sagt klar: "Krieg ist Horror."
Info: Bis 18. August können sich Besucher selbst ein Bild machen.