Auf Schatzsuche können diese Woche die Nutzer des kreislichen Bücherbusses gehen. Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“ sind zwischen den Regalen Päckchen mit zwei Büchern versteckt: eins zum Ausleihen und eins zum Behalten.
In Buchholz wurdeam Montag Marie-Christin Lüdke fündig, die 10-Jährige ist Stammleserin und leiht regelmäßig im Bücherbus aus. Am Dienstag kann in Fünfeichen, Bremsdorf, Dammendorf, Grunow, Krügersdorf, Weichensdorf und Gün-?thersdorf gesucht werden, denn heute macht hier der Bücherbus Station. „In jedem Ort kann man einen Schatz finden, speziell für Erwachsene und Kinder“, lädt Gerlinde Abraham, verantwortlich beim Kreis für das Lese- und Medienzentrum, ein. Auf diese Weise beteiligt sich auch der Kreis an der bundesweiten Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“. Angesichts des ständig breiter werdenden Marktes der Bildung und Unterhaltung müsse das Buch immer wieder mit besonderen Aktionen beworben werden. Es gelänge damit vor allem Kinder zu gewinnen, sagt Gerlinde Abraham. Eine Krise des Buches sieht sie aber nicht. Sowohl die elf hauptberuflichen und elf nebenberuflich arbeitenden Bibliotheken im Landkreis verzeichneten keine abnehmenden Nutzer, auch beim Bücherbus sei eine solche Tendenz nicht zu erkennen. Wenn Orte wegen mangelnder Leser, wie jetzt zum Beispiel Krügersdorf, nicht mehr angefahren werden, würden andere neu hinzukommen. Ab Januar soll der Bücherbus auch in Groß Muckrow, Kieselwitz und Möllendorf Halt machen. „Das ist der ausdrückliche Wunsch der Dorfbewoher dort“, freut sich Gerlinde Abraham.
67 Gemeinden steuert der Bücherbus nach einem festgelegten Tourenplan zurzeit an, viel mehr sei technisch gar nicht möglich. Es gebe keine Bestrebungen, die Fahrbibliothek abzuschaffen. Im Gegenteil: Mit Susann Klose bildet der Kreis eine junge Frau als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste aus, die gleichzeitig auch den Bus steuern kann. Bestückt wird die fahrende Bibliothek vom kreislichen Medienzentrum, wo rund 50 000 Bücher, CDs und Hörbücher lagern. Für rund 10 000 Euro werden sie alljährlich ergänzt. An diesem Fundus können sich auch die Bibliotheken in den Gemeinden bedienen. ?E-Books (elektronische Bücher) findet man in den Bibliotheken noch nicht. „Aber es wird dran gearbeitet“, sagt Marina Aurich, Leiterin des kreislichen Archivs, Medien- und Lesezentrums. Die Anschaffung sei noch zu teuer. Während ein Buch zwischen acht und 18 Euro kostet, muss für ein ?E-Book mehr als das Doppelte bezahlt werden.
Bücher sind für die beiden Frauen auch privat wichtige Begleiter. Gerlinde Abraham kann sich für die italienische Schriftstellerin Natalia Ginzburg begeistern. „Sie ist meine Lieblingsschriftstellerin.“ Momentan liest sie gerade „Heimkehr“ von Bernhard Schlink. Marina Aurich outet sich als „altmodisch“, weil sie Klassiker mag, kennt aber auch alle sieben Folgen von Harry Potter, zwei davon hat sie sogar in Englisch gelesen. Beide Frauen gestehen, nie im Bett zu lesen, sich aber immer die Muße für ein Buch zu nehmen. Da unterscheiden sie sich auch von denen, die gern in der Badewanne schmökern. „Das sehen wir an den durchgeweichten Büchern, die ersetzt werden müssen“, sagt Gerlinde Abraham.
Das Argument, dass zum Lesen die Zeit fehle, lässt sie nicht gelten. Die Zeit zum Fernsehgucken nehme man sich ja schließlich auch.