Am Sonnabend begibt sich der Beeskower Geher Hagen Pohle zusammen mit der Deutschen Nationalmannschaft in einer Maschine der Deutschen Lufthansa in Richtung Peking. Schließlich steht am 23. August um 8.30 Uhr Ortszeit sein Start bei der Weltmeisterschaft im 20-Kilometer-Gehen an. Zuvor gibt es ab Sonntag bis zum 19. August ein Trainingslager in Südkorea. "Das ist zum Akklimatisieren. Die Temperatur ist zwar ähnlich wie bei uns, doch ist in Peking die Luftfeuchte wesentlich höher", erklärt Hagen Pohle. Eigentlich mag es der Beeskower, der als Sportschüler in Potsdam vor acht Jahren mit dem Geher-Sport begonnen hatte, etwas kühler. So wie wahrscheinlich beim Schlaubetal-Marathon im Oktober in Eisenhüttenstadt, wo er wieder die Halbmarathondistanz bestreiten will. Doch das ist noch weit weg und ohnehin mehr eine freudbetonte Auflockerung des Trainings. Der Fokus des national für den SC Potsdam startenden Athleten ist ganz auf die 20 Kilometer in Peking ausgerichtet. "Ein Platz unter den Top 14 wäre schön, das ist wahrscheinlich die Olympia-Norm. Das wäre vor allem vom Kopf her eine Entlastung, wenn man die Qualifikation ein Jahr vorher geschafft hätte. Aber auch ein Platz unter den ersten 20 wäre in Ordnung", sagt der Polizei-Vollzugsbeamte.
Schließlich ist auch durch die ungewohnten äußeren Bedingungen die Konkurrenz schwer einzuschätzen. Da der nationale Verband wegen zahlreicher Doping-Vergehen vorläufig die ansonsten favorisierten russischen Geher sperrte, rechnet Pohle vor allem mit den japanischen und wegen des Heimvorteils chinesischen Athleten. "Ich denke, die werden von Anbeginn aufs Tempo drücken." Die Deutschen sind mit den von Ronald Weigel trainierten Potsdamern Hagen Pohle, Christopher Linke und Nils Brembach am Start, die einer Trainingsgruppe angehören. "Wir sind nicht so stark, um in Peking zu Dritt das Tempo zu bestimmen. Jeder muss auf sich schauen", erklärt der EM-15. des Vorjahres. Derzeit Bester des deutschen Trios ist der hochaufgeschossene gertenschlanke Christopher Linke, im Vorjahr EM-Fünfter. "An ihm komme ich noch nicht ran. Er ist ja auch fünf Jahre älter." Brembach hingegen ist etwa so schnell wie Pohle. Doch Wettkampf-Form hin und her - gerade das Gehen ist schlecht ausrechenbar.
Beispielsweise, inwieweit tolerieren die Wettkampfrichter einen unsauberen Stil? Pohle: "Man kann durch unsauberes Gehen einige Kraft sparen. In Deutschland achten die Kampfrichter recht streng auf eine saubere Ausführung, international geht da schon viel durch." Obwohl Pohle und auch die Deutschen insgesamt ob ihrer korrekten Gangart international einen guten Ruf bei den Kampfrichtern genießen, sieht Pohle die nicht einheitliche Beurteilung auf internationaler Bühne eher als Nachteil für die Deutschen. "Auch das unsaubere Gehen müsste man extra trainieren, um daraus richtig einen Vorteil zu ziehen. Es bleibt die Frage, ob man überhaupt unsauber gehen will?" Allerdings ist er gegenüber den regelmäßigen Zeitlupen-Aufnahmen im Fernsehen, die das unsaubere Gehen aufzeigen, eher skeptisch. "Man muss dabei berücksichtigen, dass bei Verstößen nur das Betrachten durch das menschliche Auge ohne Hilfsmittel zählt, die Gehrichter keine Zeitlupen-Aufnahmen heranziehen. Insgesamt jedoch müssen wir Geher um den guten Ruf unserer Sportart kämpfen und dafür ist das saubere Gehen unerlässlich." Das will das Potsdamer Trio auch in Peking. Da gilt es, die Schrittlänge beziehungsweise die Schrittfrequenz möglichst über die gesamte Distanz groß beziehungsweise hoch zu halten. Eine entscheidende Kraftfrage könnten dabei die beiden Wenden auf dem Ein-Kilometer-Pendelkurs sein. "Durch den recht großen Radius kann man zwar viel Tempo mitnehmen, dennoch muss man immer wieder beschleunigen. Das kostet viel Kraft."
Insgesamt ist Hagen Pohle zuversichtlich. Die Norm hatte er bereits zu Saisonbeginn in der Tasche, er kam verletzungsfrei durch die Vorbereitung und mit 63 Kilogramm hat der 1,78 Meter große Athlet bereits sein optimales Wettkampfgewicht erreicht.