Eingeladen waren etwa 60 Familien, die jetzt im nahe der Schule gelegenen Storkower Stormviertel leben und aus anderen Ländern zugezogen sind – Flüchtlinge, aber auch Menschen, die ein anderer Grund zur Einwanderung nach Deutschland bewegt hatte. „Dort leben Menschen aus Afghanistan, Syrien und Tschetschenien, aber auch aus Albanien, Bulgarien und Polen“, erläuterte Sabine Schmelz, Jugendkoordinatorin der Stadt. Gastgeber war aber nicht nur die Storkower Jugendkoordination, auch viele andere soziale Akteure machten mit: die Europaschule, Sozialarbeiter Ingo Wolf vom Heureka-Projekt der Caritas, die Johanniter und der Verein Bumerang. „Dass wir so viele unterschiedliche Träger dabei haben, ist schon ein Erfolg“, sagte Sabine Schmelz.
Die Gäste verteilten sich dann auf verschiedene Klassenzimmer in der Europaschule, um dort mit Hilfe von Dolmetschern in ihren Muttersprachen eine Art Unterricht zu bekommen. Unterstützt von grafischen Präsentationen ging es um Rechte und Pflichten von Erwachsenen und Kindern. Zwei der Schwerpunkte waren die Mülltrennung und die Schulpflicht.
Der Leiter der Europaschule, Ingolf Knobloch, hatte vor der Veranstaltung von Problemen in diesem Zusammenhang berichtet. „Die Zahl der Schulverweigerer war bei uns in den vergangenen Jahren eigentlich zurückgegangen. Aber jetzt haben wir leider wieder eine Handvoll davon.“ Die Kinder und Jugendlichen, die der Schule fern bleiben, seien zwischen 12 und 14 Jahren alt und stammten sämtlich aus Flüchtlingsfamilien. In solchen Fällen gebe es disziplinarische Maßnahmen, vor allem aber suche er das Gespräch mit den Eltern – was nicht immer einfach sei, manchmal wegen der Sprachbarriere, manchmal aber auch, weil ein Gesprächsangebot gar nicht erst angenommen werde.
Eine geübte Praxis, die Schüler wieder zu integrieren, seien temporäre Lerngruppen, so Knobloch. Die Schüler werden dabei aus dem regulären Unterricht herausgenommen, um in Förderkursen praktisch zu arbeiten, vor allem aber auch, um Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache zu machen. Allerdings müsse diese Maßnahme immer zeitlich befristet sein auf einige Wochen. „Sonst verlieren die Schüler den Kontakt zu ihren Klassenkameraden“, erläuterte er.
In die Veranstaltung am Mittwoch setzte der Schulleiter im Vorfeld einige Hoffnung, vor allem wegen der Dolmetscher in verschiedene Sprachen, die den „Unterricht“ begleiteten. Außerdem sei es wichtig, sich kennen zu lernen, wie er bei der Begrüßung in Richtung der Gäste sagte. Ein Teil seiner Zuversicht wurde allerdings enttäuscht. Von den Eltern der Schulverweigerer war niemand erschienen.