Die Evangelische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch legt großen Wert auf die Zusammenführung von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Bis zum 4. Januar findet hier ein deutsch-polnisches Esperanto-Treffen mit 200 Teilnehmern aus 30 Ländern statt.
Nur etwa 40 der Gäste, die über den Jahreswechsel in Hirschluch weilten, sprechen als Muttersprache Deutsch. Wenn sie aber nach der Mahlzeit ihr Geschirr wegbringen wollen, suchen sie nicht nach dem Abstellplatz für Teller und Tassen, sondern orientieren sich wie alle anderen nach Schildchen, wie „tasoj“, das sind die Tassen, oder „teleroj“ die Teller. Und es klappt ausgezeichnet. „Wir haben keine Verständigungsschwierigkeiten“, schmunzelt Michaela Stegmaier, die Vorsitzende des ausrichtenden Vereins Esperanto, der seinen Sitz für die über einhundert deutschen Mitglieder in Berlin hat. Von hier aus werden drei Treffen im Jahr durchgeführt und  die Teilnahme an Treffen mit anderen Esperanto-Organisationen koordiniert.
Die Begegnung immer über Silvester ist das Haupttreffen und findet seit zehn Jahren immer im Wechsel zusammen mit der polnischen Esperanto-Jugend statt. Im vorigen Jahr wurde es in Stettin ausgerichtet, vor zwei Jahren in der Nähe von Kiel. Über das Internet werden die Termine weltweit bekannt gegeben. Diesmal kamen die Gäste vor allem aus Nord- und Südamerika, Asien und aus ganz Europa.
Bei der Quartiersuche, so die Vorsitzende, komme es darauf an, dass Orte gewählt werden, die von den Teilnehmern „sonst nicht unbedingt besucht werden und möglichst dicht an der polnischen Grenze liegen“. Für Hirschluch habe zunächst einmal die Nähe zu Berlin gesprochen, aber auch, „dass wir das ganze Objekt für uns haben“. Barbara Hink, die Heimleiterin, freut sich über solche Gäste ganz besonders, denn Völkerverständigung gehöre zur Aufgabe des Hauses: „Wir unterstützen alle Begegnungen junger Menschen, damit gar nicht erst Vorurteile gegen andere Kulturen aufkommen“, sagt sie. Eigentlich war Hirschluch durch seine Stammgäste ausgebucht. „Sie waren über die Absage traurig, hatten aber Verständnis und wollen nächstes Jahr wiederkommen“, so Barbara Hink.
Eigentlich kann man mit Englisch und Französisch auch schon gut um die Welt kommen. Warum sollte man also Esperanto lernen? David Mamsch aus Leipzig, der zum Vorstand des Vereins gehört, erklärt das so: „Man muss nicht die Sprache des anderen lernen, sondern trifft sich in der Mitte. Dazu ist es einfach zu lernen, denn der Wortschatz lehnt sich an romanische und germanische Sprachen an, und es gibt keine eigene Grammatik und keine Ausnahmeregeln.“ Etwa drei Monate dauere es, Esperanto zu erlernen, wenn man sich täglich in Kursen mit Lehrern, im Internet oder im Selbststudium nach Büchern damit beschäftigt.
Das Treffen zum Jahreswechsel ist kein Lerntreffen. Es sind zwar drei Lehrer dabei, die für täglich eine Stunde Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten, aber die Freizeit mit Menschen aus vielen Ländern steht im Vordergrund. Dabei werden auch ältere Esperanto-Freunde nicht ausgeschlossen. „Es sind ganze Familien in drei Generationen dabei“, weiß Barbara Hink. Gemeinsam ging es in die Saarow-Therme, und man konnte an einem Berlin-Besuch und einer Fahrt nach Frankfurt (Oder) teilnehmen, beides mit Stadtführung auf Esperanto. Bei einem Treffen die Sprache nicht anzuwenden, ist verpönt. „Auch die Anfänger versuchen schon, sich nur mit Esperanto zu verständigen“, erklärt Michaela. „Dabei bringt jeder seine eigene Sprachmelodie und die sprachlichen Eigenheiten seiner Muttersprache ein Stück weit mit“, hat David Mamsch zufrieden beobachtet.
Die Deutsche Esperanto-Jugend freue sich immer über neue Mitglieder, so die Vorsitzende. Der Mitgliederbeitrag ist nach Alter gestaffelt, beträgt aber höchstens 50 Euro im Jahr.