Die Schule reagierte. "Wir haben Elternkonferenzen veranstaltet, Briefe an alle Eltern von Schülern ab der 6. Klasse verschickt und darauf hingewiesen, dass der Besitz von Kinderpornografie eine Straftat ist", so Knobloch. Die Eltern hätten sich per Unterschrift verpflichten müssen, regelmäßig die Inhalte der Smartphones ihrer Kinder zu kontrollieren. Es habe aber auch Eltern gegeben, die diese Unterschrift verweigerten.
Die Nutzung von Handys ist an der Europaschule nur in den Pausen erlaubt. Bei Verstößen wird den Schülern ihr Handy abgenommen. "Selber kontrollieren dürfen wir die Inhalte aber nicht", sagt Knobloch.
Ein Einzelfall ist das Vorkommnis aus Storkow nicht. "Das kommt leider immer wieder mal vor", sagt Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß.
Erfahrungen andernorts
Auch an der  Albert-Schweitzer-Oberschule in Beeskow sind solche Fälle vorgekommen. Solange es privat sei und den Schulbetrieb nicht störe, so Schulleiter Frank Boywitt, würden die Eltern informiert und darüber beraten, dass sie die Polizei einschalten könnten. Mit den Jugendlichen beschäftige sich dann eine Schulsozialarbeiterin und Medienpädagogin. Informationsveranstaltungen zum Thema seien in den Unterricht integriert.
Wenn das Lernen gestört werde, gäbe es strengere Maßnahmen, so bei Verbreitung kinderpornografischen Materials in Klassenchats oder sozialen Netzwerken. Dann wird zuerst mit Opfern sowie Tätern gesprochen, wenn sie denn bekannt sind. Und der Fall angezeigt: "Das kann ich auch machen. Nicht nur Eltern oder Betroffene, sondern jeder", betont Boywitt.
Vor etwa fünf Jahren war an der Schule ein besonders schwerer Fall geschehen: Eine Schülerin hatte selbst von sich Nacktbilder gemacht, an ihren damaligen Freund geschickt. Der verteilte sie per Messenger an der Schule. Eine Anzeige gab es hier nicht, aber Gespräche mit allen Beteiligten. Am Ende nahmen die Eltern das junge Mädchen von der Schule, weil sie sich nicht mehr zum Unterricht traute.
In einem jüngeren Fall, vor zwei Jahren passiert, ist es sofort zur Anzeige gekommen. Zwei Jungs hatten Mädchen im Bus unter die Röcke und in den Ausschnitt fotografiert und diese Bilder verbreitet. Als das gemeldet worden war, rief die Schule sofort die Polizei, erstattete Anzeige. Die Beamten nahmen die Handys zur Datensicherung mit. Auch ein ursprünglich unbeteiligter Junge, dem die Bilder nur geschickt worden waren, erhielt eine Anzeige: "Denn schon der Besitz solcher Bilder ist strafbar", so Boywitt, "auch darüber informieren wir Schüler und Eltern."
Der neuen Schulleiterin des Beeskower Rouanet-Gymnasium,  Ariane Haß, ist ein Fall von Kinderpornografie an ihrer Einrichtung nicht bekannt. Sie ist seit August letzten Jahres an der Schule und verweist auf Schulsozialarbeit und den Handlungsplan "Hinschauen, handeln, helfen" des Bildungsministeriums von 2017. Darin geht es auch um Prävention.
Maßnahmen zur Vorsorge
Mit Vorbeugung will sich nun auch die Storkower Europaschule beschäftigen. Im Februar soll laut Schulleiter Knobloch eine große Präventionsveranstaltung für die Oberschüler stattfinden. Das Sozialraumteam der Stadt suche noch nach einem kompetenten Experten von außen.

Kommentar: Aufklärung dringend nötig


Es geht gar nicht nur um Pornografie im eigentlichen Sinn dieses Begriffs. Auch Jugendliche, die ihre Mitschüler leicht bekleidet oder nackt fotografieren oder gar filmen, vielleicht sogar noch heimlich, und dieses Material dann womöglich auch noch verbreiten, brechen ein Tabu. Unsere heutige digitale Welt bringt es mit sich, dass eine Datei, wenn sie einmal an andere weitergegeben wurde, nicht mehr kontrollierbar ist.

Kinder und auch Jugendliche können aber nicht automatisch alles von alleine wissen und richtig einschätzen. Deswegen ist Prävention so wichtig. Aufklärung über den Konsum von Drogen gibt es zum Glück schon lange. Aufklärung über die Gefahren, die im Digitalzeitalter drohen, ist mittlerweile ebenso notwendig. Die seelischen Verletzungen, die entstehen können bei einem Missbrauch, sind nicht geringer einzustufen als die körperlichen Schäden durch den Konsum von Drogen. Es ist gut, dass viele Schulen dies bereits erkannt haben und entsprechend handeln. Hundertprozentig verhindern kann man den Missbrauch von Fotos und Filmen nie – aber das Risiko minimieren, ganz ähnlich wie bei Drogen. Bernhard Schwiete