Das soll nun geändert werden. Die Verwaltung rechnet damit, dass die Catering-Unternehmen in absehbarer Zeit ihre Preise erhöhen müssen. Coronabedingte Einnahmeausfälle und steigende Lohnkosten sind nur zwei Gründe dafür. Nach der derzeitigen Richtlinie müssten die Eltern der Kinder die Mehrkosten tragen.
Die Stadtverwaltung hat nun vorgeschlagen, dass die Kommune künftig 50 Prozent der Kosten je Mittagsmahlzeit trägt, wenn das Anbot DGE-zertifiziert ist. Bei gleichbleibenden Preisen würde sich damit praktisch nichts ändern, mögliche Preissteigerungen würden von Eltern und Stadt je zur Hälfte getragen. Das Vorgehen hat einen sozialen, aber auch einen rechtlichen Grund. Der Elternbeitrag für das Mittagessen darf nämlich nicht höher werden als die Ersparnis ist, die sich daraus ergibt, dass man zu Hause nicht selbst kocht. Der errechnete Wert liegt derzeit bei rund 1,80 Euro pro Essen, ist aber ebenfalls veränderlich.
Die neu formulierte Richtlinie fand im Sozial- und Bildungsausschuss der Stadt überwiegend Zustimmung, auch wenn klar ist, dass der städtische Haushalt stärker belastet wird. Konkrete Zahlen dafür gibt es aber noch nicht. Mehrere Abgeordnete haben zudem vorgeschlagen, dass die aktuell geltende DGE-Zertifizierung gestrichen werden soll. Mittlerweile gebe es Anbieter ohne Zertifizierung, die auch besondere Leistungen, beispielsweise vegetarisches oder veganes Essen, anbieten würden, hieß es als Begründung. Und am Ende sei es so, dass das Essen den Kindern schmecken müsse.
Nicht abgerückt werden soll von der Verfahrensweise, dass die Kitas selbst entscheiden, welchen Caterer sie zur Versorgung wählen.

Zertifizierung als Richtschnur beim Mittagessen

Generell gibt es in den Beeskower Kindereinrichtungen derzeit keine Schwierigkeiten bei der Mittagsversorgung. Die Kita Benjamin Blümchen beispielsweise lässt das Essen von Fair Catering aus Frankfurt liefern. Man könne bei der Gestaltung des Speiseplans mitreden, erklärt Kita-Chefin Sylvia Görsdorf. Nur Hering sei bei den Kindern nicht so beliebt. "Nudeln gehen immer", sagt sie aus Erfahrung. Die Lebenshilfe-Kita nebenan will demnächst den Anbieter wechseln. Die Firma Dussmann habe auch zu Corona-Zeiten geliefert, sei mittlerweile DGE-zertifiziert und soll nun Vertragspartner werden, so Ilona Röhl, die Leiterin der Spreespatzen. Auch ihr ist es wichtig, beim Speiseplan mitreden zu können. Fisch und Geflügel sollen oft auf den Tisch, das Essen dürfe nicht zu fad schmecken. Schweinefleisch gebe es in der Kita aus gesundheitlichen Gründen generell nicht mehr.
Die DGE-Zertifizierung hält auch Daniela Warnack, Leiterin der Kita Biene Maja, für durchaus sinnvoll. Es sei gut, wenn man Anhaltspunkte erhält, wie man die Versorgung der Kinder organisiert. Auch ihre Kita wird von Fair Catering beliefert auch hier war es so, dass die Mitarbeiter und Elternvertreter in Abstimmung mit dem Kita-Träger gemeinsam über den Anbieter entschieden haben.
Den Beeskower Eltern ist eine ordentliche Versorgung ihrer Kinder sehr wichtig. Aus allen Häuser hieß es, dass praktisch alle Mädchen und Jungen am Mittagessen teilnehmen. Auch in der Grundschule an der Stadtmauer. "Bis hoch in die 6. Klasse", sagt die stellvertretende Schulleiterin Britt Henning. Da sei es wichtig, dass es schmecke. Drei Wahlessen und der stetige Kontakt zum Caterer sorgen dafür, dass das auch funktioniert. Die neue Richtlinie soll vor der endgültigen Beschlussfassung auch mit Vertretern der betroffenen Einrichtungen diskutiert werden.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung


Die DGE-Zertifizierung soll garantieren, dass die Caterer eine vollwertige und gesundheitsfördernde Verpflegung anbieten. Dazu bewertet die Gesellschaft die verwendeten Lebensmittel, Speiseplanung und -herstellung, die Essatmosphäre. Für eine Premium-Zertifizierung muss anhand berechneter Rezepte auch eine Nährstoff-Optimierung im Speiseplan erfolgen.

Die Zertifizierung erfolgt durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Dabei handelt es sich um eine unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaft. Diese fördert und publiziert ernährungswissenschaftliche Forschungen und Ernährungsberatung. Ziel ist es, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Eine vegane Lebensweise sieht die Gesellschaft kritisch, eine vegetarische Lebensweise für möglich. red