Oftmals gilt: Des einen Freud ist des anderen Leid. Bei Gewässern in der Region ist es nichts anderes. Während sich Badende darüber freuen, mehr als ihre eigenen Hände unter Wasser zu sehen, gestaltet sich die Lage für Berufsfischer anders. Als Olaf Zahl Anfang 2015 den Großen und den Kleinen Kossenblatter See gepachtet hat, betrug die Sichttiefe in beiden gerade einmal zehn Zentimeter. Ein Jahr später war es bereits ein Meter und in diesem Jahr kann er den Grund sehen - in drei Meter Tiefe.
Das Phänomen der immer klarer werdenden Gewässer ist auch an anderen Flüssen und Seen in Oder-Spree zu beobachten. Wie Michael Jänisch von der Unteren Fischereibehörde bestätigt, wird das Wasser auch im Spreeverlauf und im Scharmützelsee immer klarer. Selbst im Schwielochsee, der immer Probleme mit den Sichttiefen hatte, und im Sommer zur Veralgung neigt, sei eine leichte Aufklarung festzustellen. Jänisch vermutet, dass die Verbesserung der Wasserqualität ein Effekt der Maßnahmen sei, die aus der europäischen Wasserrahmenrichtinie abgeleitet wurden. Die Richtlinie ist seit 2000 in Kraft. Im Rahmen des Gewässerentwicklungskonzepts, das für den Schwielochsee entwickelt wurde, wird eine Reduzierung der Nährstoffeinträge angestrebt. Dies geschieht in den Einzugsgewässern des Schwielochsees durch ein ganzes Maßnahmenbündel. Dazu zählt die Wiedervernässung von Niedermooren und die Strukturverbesserung der Fließgewässer.
Für die Fischerei habe die Verbesserung der Wasserqualität auch eine Kehrseite, so Jänisch. Denn höherer Lichteinfall begünstigt in Flachgewässern das Wachstum der Wasserpflanzen, was zu Verkrautung führen kann. Solche Effekte seien beispielsweise in den Rüdersdorfer Gewässern bei Grünheide zu beobachten - oder eben auch in den beiden Kossenblatter Seen. "Der Fisch ist ja da, ich komme nur nicht ran", klagt Olaf Zahl sein Leid. Er präsentiert Zahlen. 1,6 Tonnen Zander hat er 2015 gefangen, ein Jahr später waren es nur noch 300 Kilogramm. Für das laufende Jahr kommt er bislang auf 220 Kilogramm. Bis Mitte der 1990er-Jahre seien es bis zu sechs Tonnen jährlich gewesen. Das Problem des Fischers ist: Er kann einen Teil seiner Fanggeräte wegen Verkrautung nicht ins Wasser einsetzen. Und die Wasserpflanzen einfach zu entfernen? Im klaren Wasser würden sie in nur wenigen Wochen wieder nachwachsen, meint Olaf Zahl. "Das einzige, was helfen würde, wäre eine Schlammentfernung."
Über Jahre hat sich eine dicke Schicht am Grund der beiden Seen abgesetzt. "Mindestens zwei bis drei Meter könnten problemlos entfernt werden", sagt Olaf Zahl. Einen solchen Eingriff müsste die Gemeinde Tauche als Eigentümerin der beiden Seen finanzieren. Im Moment habe man nicht vor, den Schlamm auszubaggern, heißt es aus dem Rathaus von Bürgermeister Gerd Mai. Stattdessen verweist er auf eine Projektidee des Wasser- und Bodenverbandes Mittlere Spree. Dort gibt es Überlegungen, die bestehenden Stau- und Regulierungsbauwerke an den Seen zu ertüchtigen. Es betrifft drei Bauwerke: Eine am Auslaufbereich des Giesensdorfer Sees, eine zwischen dem Großen und dem Kleinen Kossenblatter See und eine kleine Staustufe zwischen dem Kleinen Kossenblatter See und der Ortslage Kossenblatt.
Mit der Regulierung der Wasserstände würde sich der Durchfluss in den Kossenblatter Seen ändern und möglicherweise das Problem der Verkrautung beheben. Ein anderes bleibt: Der Kormoran. Er macht Silvio Klemm aus Trebatsch das Leben auf dem Schwielochsee schwer. "Beim Zander haben wir einen sehr starken Rückgang", sagt Ehefrau Michaela Klemm. Der Fisch lebt nämlich - gut sichtbar für den Vogel - im Freiwasser.
Einige Betriebe stellen sich auf das klarere Wasser ein und Fischarten um. Die Storkower Fisch Genossenschaft beispielsweise setzt inzwischen Maränen ein.