Neuen Wohnraum soll es in Wendisch Rietz künftig geben. Für die Kinder und Jugendlichen, die in der Gemeinde leben, sollen Ganzjahresangebote geschaffen werden. Und auch ein neues Hotel soll gebaut werden. Diese drei Punkte – und noch viele weitere mehr – stehen im neuen Ortsentwicklungskonzept, das die Gemeindevertretung am Mittwochabend bei ihrer Sitzung im Haus des Gastes einstimmig beschlossen hat. Insgesamt nennt das Papier auf 64 Seiten mehr als 60 einzelne Maßnahmen, in unterschiedlicher Gewichtung und drei verschiedenen Prioritäten-Kategorien.

Verwaltung erarbeitet Abfolge von Maßnahmen

Unter anderem dies veranlasste Bürgermeister Siegward Wiesner dazu, eine Ergänzung für den Beschlusstext vorzuschlagen. „Die Verwaltung wird beauftragt, eine Terminkette als Handlungsrichtlinie zu erarbeiten“, heißt es darin nun auch. Das sei nötig, damit nach dieser Abfolge von der Kämmerei die künftigen Haushaltsentwürfe erstellt werden können, so Wiesner. Damit wurde auch noch einmal klar: Was laut dem Konzept angestrebt wird, kostet meist auch Geld. Anderes wiederum hat die Gemeinde nicht komplett in eigenen Händen. Für das Gesundheits- oder Kneipp-Hotel etwa ist ein privater Investor nötig. Andreas Lorenz, Geschäftsführer der Beratungsagentur Tourismus Plan B, die das Konzept im Auftrag und nach den Wünschen der Gemeinde erstellt hatte, bezeichnete den Bau eines solchen Hotels in der Sitzung als „ganz wichtigen Baustein“.
Mit der Agentur aus Berlin hatte auch die Gemeinde Bad Saarow bei ihrem Ortsentwicklungskonzept zusammengearbeitet. Das Prozedere in Wendisch Rietz hatte sich zuletzt wegen der Pandemie verzögert. Die ersten öffentlichen Workshops, bei denen die Einwohner Ideen vorbringen konnten, die dann Eingang in das Konzept fanden, hatten bereits im Sommer und Herbst vergangenen Jahres stattgefunden. Ein Workshop für Kinder und Jugendliche, der für März dieses Jahres angesetzt war, konnte wegen Corona erst Mitte Juli stattfinden.

Kneipp-Kurort Wendisch Rietz

Als Ziel formuliert das Konzept, Wendisch Rietz solle ein familienfreundlicher Wohn-, Urlaubs- und Kurort werden. Das Ansinnen, sich als Kneipp-Kurort klassifizieren zu lassen, steht also nach wie vor im Raum. Aufgelistet werden auch Schwächen, die diagnostiziert wurden. Das Bettenangebot etwa sei mit den vielen Ferienhäusern zu einseitig; für Wanderer und Radfahrer gebe es kaum Übernachtungsmöglichkeiten. Im Winter gebe es ein unterdurchschnittliches Angebot an Veranstaltungen – hier wäre eine Verbesserung nötig, um eine Ganzjahressaison zu etablieren. Insgesamt soll der Tourismus das „Schwungrad für die Daseinsvorsorge“ sein, Wendisch Rietz soll sich als das „Familienreiseziel Nummer eins“ in Brandenburg etablieren. Dafür dringend benötigt werde ein professionelles Tourismusmanagement. Über einen Dienstleistungsvertrag könnte das der Tourismusverein Scharmützelsee übernehmen, lautet eine Überlegung. Das Amt jedenfalls könne das nicht leisten.
Das Konzept beschäftigt sich aber natürlich auch mit den Einheimischen. Ganzjährige Freizeitangebote sollen entwickelt werden. An einem Treffpunkt für Jugendliche bestehe dringender Bedarf. Beantworten müsse die Gemeindevertretung noch die Frage, wie viel neuer Wohnraum erwünscht sei und welche Wohnformen es dabei geben soll.

Bibliothek bekommt neuen Namen

Eine weitere Idee lautet, Co-Working-Spaces zu schaffen – Schreibtische in öffentlichen Einrichtungen, an denen Menschen ihrer Arbeit nachgehen können. In Storkow gibt es so etwas seit einiger Zeit in der Stadtbibliothek. In Wendisch Rietz könnte es ähnlich ablaufen. Der Vorraum der Bibliothek im Haus des Gastes könnte diesen Verwendungszweck bekommen, lautet die Idee. Sie wurde im weiteren Verlauf der Sitzung noch einmal aufgegriffen – als es um einen neuen Namen für die Bibliothek ging, die derzeit geschlossen ist und künftig vom Tourismusverein betrieben wird, wenn auch nicht im Stil einer klassischen Bibliothek. Auch hier ging Bürgermeister Wiesner mit einem Vorschlag voran. „Bücher und mehr ...“ fand bei den Gemeindevertretern einhellige Zustimmung.