Uwe Mannl schwenkt das Steuerhorn seiner Cessna leicht nach links. Unter dem Seitenfenster ziehen die Furchen der ehemaligen Schießbahn vorbei, am Horizont erscheinen die Schlote und Kühltürme des Kraftwerks Jänschwalde. Aus den Kabinenlautsprechern ertönen die Kommentare von Jörg Mannl,  wie bei einer Busfahrt mit Reiseleitung. Anschnallen musste sich niemand, denn der Flug wurde in Wirklichkeit vom Computer berechnet. Präsentiert wurde die Simulation von dem Pinnower IT-Büro Mannl.
Der simulierte Flug über die Lieberoser Heide, bei der 15- bis 20 Jahre alte Satellitenbilder zum Einsatz kamen, war einer der Höhepunkte des Lieberose-Tags, zu dem der Förderverein Nationalpark Lieberoser Heide, der Förderverein Lieberose und die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg eingeladen hatte. Mit etwa 90 Teilnehmern war die Veranstaltung in der Lieberoser Darre am Sonntag gut besucht.
Vormittags ging es in den Fachvorträgen vor allem um die geplante Internationale Naturausstellung Lieberoser Heide (INA). Bernd Boschan, Vorsitzender des neu gegründeten Beirats zur INA-GmbH, und Stiftungs-Mitarbeiterin Annemarie Kaiser stellten den aktuellen Stand des Projekts vor. Die Teilnehmer  hatten im Anschluss die Gelegenheit, ihre Ideen zu der ab frühestens 2020 geplanten Großveranstaltung zu zwei Themenkomplexen  mitzuteilen: So wurden Vorschläge für neue Wanderwege, die die umliegenden Ortschaften künftig mit dem Ausstellungsgelände verbinden sollen, gesammelt. Ein Vorschlag sieht vor, die ehemalige Kleinbahntrasse zwischen der Station „Rampe  6“ und dem Lieberoser Stadtrand zu einem Radweg zu ertüchtigen. Edelbert Jakubick, der Ideenlieferant, zeigte den Teilnehmer des Lieberose-Tags anhand einer großen Karte den Verlauf. Mit seinem Vorschlag stieß der Spreewälder auf breite Zustimmung im Publikum.  Die „Arbeitsgemeinschaft Tourismus“, eine von der Lieberoser Stadtverordnetenversammlung berufene Kommission, stellte eine neue Wanderwegekarte vor, die die AG in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Lieberose produziert hat.
Der zweite Bestandteil des Ideenwettbewerbs hatte zum Ziel, Lieblingsplätze in der Lieberoser Heide zu identifizieren. Dabei wurden teils bekannte, teils aber auch bisher unentdeckte Juwelen in wilder Natur genannt. Paul Jarick aus Werben schlug den Ort „An der Schafbrücke“, der sich im nördlichen Bereich des Butzener Bagens befindet, als seinen Lieblingsplatz in der Lieberoser Heide vor. Vor Ort befindet sich eine  Bank, die einen Ausblick auf das wiedervernässte Moorgebiet ermöglicht. Im Blick gratis dabei: Totholz mit Dutzenden von Spechten.
Axel Becker von der Oberförsterei Lieberose referierte über das Phänomen, wie rasant und spektakulär sich die Natur das durch einen Großbrand im Sommer 2017 zerstörte Waldgebiet in der Lieberoser Heide zurückerobert. Ina Martin vom Thünen-Institut für Waldökosysteme Eberswalde, referierte über die immer regelmäßiger werdenden Besuche von Elchen in der Region. Sie appellierte, Elchsichtungen dem zuständigen Forstamt mitzuteilen.
Am Ende der Veranstaltung zog Isabell Hiekel vom Förderverein Nationalpark Lieberoser Heide eine positive Bilanz. Es sei deutlich geworden, dass die INA wichtige Impulse zum Naturschutz, aber auch zur Regionalentwicklung, setzen kann. In den Referaten und Gesprächen sei zudem die Erwartung geäußert worden, dass sich die Landesregierung entschiedener als bisher ideell wie auch finanziell zu dem Großprojekt INA bekennt.