Der Marmorfußboden im Haus des Falkenberger Ortsvorstehers Rudolf Heger liegt immer noch. Heger hatte ihn in den 1980er Jahren in Dresden erstanden. 50 DDR-Mark Bestechungsgeld aus der rechten Jackett-Tasche haben beim Baustoffgroßhändler gereicht. Der vorsorglich in der linken Tasche bereitgehaltene Hunderter blieb in Hegers Besitz. Zwei Stunden hatte er nach der Bestechung, die knapp zwei Tonnen Gestein auf den Trabi und dessen Anhänger zu verteilen und vom Betriebsgelände zu verschwinden.
Er habe gedacht, dass damit das Schlimmste überstanden sei, erzählt Heger im Trebatscher Leichhardt-Museum. Dort war er mit anderen Porträtierten des Kreiskalenders Oder-Spree zu Gast, wurde von Professor Steffen  Schumann, der sein Nachbar ist und das Heger-Porträt geschrieben hat, vorgestellt. Die Marmorstory erzählte er, weil Moderator Andreas Batke wissen wollte, was  "Materialbeschaffungskleinkriminalität" zu DDR-Zeiten gewesen sei.
Auch die Trabi-Rückfahrt von Dresden nach Falkenberg erscheint aus heutiger Sicht kriminell. Der so zuverlässige, aber völlig überladene Zweitakter habe die Steigung der Autobahnauffahrt nur geschafft, weil er die gesamte Fahrbahn in Schlängellinien genutzt habe. Als es später bergab ging, sei schließlich die Tachonadel weggeflogen, so schnell sei sein Auto geworden. Bremsen ging wegen des schweren Hängers nicht, berichtet Heger. Aber wie gesagt, die Platten liegen noch heute in seinem Haus.
Ein Abend der kleinen Episoden
Vielleicht lag es an der kleinen Runde, knapp 40 Leute wollten die Kalendergeschichten in Trebatsch hören, dass neben den Buchtexten so persönliche Episoden erzählt wurden.
Kalenderfotograf, Autor und Moderator Batke begrüßte seinen früheren Lehrer André Parade, der über den jetzt aus dem Amt scheidenden Trebatscher Ortsvorsteher Hans-Joachim Bochwitz, dem er mittlerweile freundschaftlich verbunden ist. Das sei am Anfang gar nicht so gewesen, erinnert sich Parade. Da habe er gedacht, der redet nur, was man alles machen müsste, aber packe nicht selber an. Deshalb habe er ihn angesprochen und zur Kandidatur für den Ortsbeirat aufgefordert. "Und er hat auch gleich ja gesagt".
Eine Schweigeminute gab es bei der sechsten und letzten Kalenderpräsentation für den Fischer Jürgen Zschimmer. Er starb wenige Wochen, nachdem er seine Geschichte erzählt hatte. Sie war aufgeschrieben, aber noch nicht gedruckt. Am kommenden Wochenende, wenn in der Alten Försterei in Briescht der erste Trödelmarkt des Jahres stattfinde, werden viele Besucher den Fischer vermissen, ist sich Kai-Uwe Rettig sicher. Er ist Betreiber der Alten Försterei, er hat das Leben von Fischer Zschimmer für den Kalender aufgeschrieben.
Neues konnte der von Gabriele Weitzel vorgestellte   Thorsten Lemke berichten. Er führt seit 2016 Besucher durch das Lindenberger Wettermuseum. Nach vielen Jahren Arbeitslosigkeit hat der frühere Abrissspezialist dort eine neue Aufgabe gefunden. Der Verein, der das Wettermuseum betriebt, hat nun einen Weg gefunden, dass Lemke weiter bleiben kann. Eigentlich war die geförderte Stelle ausgelaufen.
Andreas Batke stellte seinen Freund, den Naturranger Raphael Günther aus Storkow vor. Der junge Mann berichtete begeistert von seinem Hobby, der Imkerei. Wer Bienen und anderen Insekten helfen wolle, solle mehr Obstbäume in seinen Garten pflanzen und die Butterblumen auf der Wiese nicht alle ausstechen, ist sein Rat.

Verkaufsstellen des Kreiskalenders


Der Kreiskalender Oder-Spree ist in einer Auflage von insgesamt 3000 Exemplaren erschienen. Er porträtiert 25 Menschen, die für 25 Jahre Landkreis Oder-Spree stehen. die Fotos stammen von Andreas Batke. Der Kalender ist für zehn Euro in diversen Buchhandlungen, Museen, zahlreichen Touristinformationen,Kultureinrichtungen, Ämtern und Gemeindeverwaltungen erhältlich. (gar)