Schon von weitem ist die buntbemalte Telefonzelle in Pfaffendorf zu sehen. Öffnet man die Türe, öffnet sich eine ganz eigene Welt: Hier steht Lektüre in allen Formen und Farben für alle Altersklassen. Schnulzen wie „Ich kämpfe um dein Herz“ und  „Es zählt nur die Liebe“ stehen neben einem Sachbuch mit Trendsportarten aus Fernost.
Seit knapp zwei Jahren betreibt der Pfaffendorfer Heimatverein diese Bücherbox. „Das Angebot wird richtig gut angenommen“, sagt Wilfried Witzke, der sich regelmäßig um die Box kümmert. Die Regale seien immer gut gefüllt, nur ganz selten müsse mal etwas Unpassendes aussortiert werden. „Die Box wird absolut nicht als Müllhalde missbraucht.“ Die Bücher seien in gutem Zustand.
Das Prinzip funktioniert ganz einfach: Wer hinkommt und sich ein Buch mitnimmt, sollte wenn möglich dafür eines abgeben. Sind die Regale voll, können die Bücher in einem Korb auf dem Boden abgelegt werden. Kinderbücher sollen in die unteren Regale gestellt werden, damit die Kleinen dort leichter herankommen.
Momentan seien so viele Bücher da, dass ein Teil sogar beim Heimatverein zwischengelagert werden müsse, sagt Witzke. Er betont, dass die Bücher nicht „nur“ geliehen werden. Das heißt: Wer sein Buch in die Tauschbox stellt, gibt sein Recht auf Besitz ab. Darauf weist auch ein Zettel an der Eingangstür hin.
Ein vergleichbares Angebot gibt es auch in Sarkow bei Leißnitz. Dort steht ein Bücherregal in einer ehemaligen Bushaltestelle am Straßenrand. Anwohnerin Nadine Friedrich hat es dort Anfang 2017 aufgebaut. Ihr Vater, Ronald Bolte, leiht sich dort regelmäßig Lektüre aus: „Hier gibt es schon Stammgäste, die immer wieder etwas bringen und nehmen“, sagt er. Auch Leißnitzer Feriengäste würden Bücher entnehmen.
In dem Sarkower Regal sind einige Klassiker zu finden, wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Aber auch ein alter Schnittmusterkatalog zum Nähen oder Ratgeberliteratur ist dabei. Nadine Friedrich hatte ein solches Regal schon andernorts gesehen und die Idee nach Sarkow mitgebracht.
Auch die Pfaffendorfer haben sich von anderen Orten inspirieren lassen. „Wir haben das zum Beispiel in Diensdorf-Radlow gesehen“, sagt Wilfried Witzke vom Heimatverein. Die gebrauchte Telefonzelle habe der Verein bei einer Michendorfer Firma erworben und dann die künstlerische Gestaltung übernommen. „Wir wollten, dass das ein Hingucker ist“, sagt der Pfaffendorfer.
Auch in Beeskow gibt es bald ein vergleichbares Angebot. Das Ehrenamtszentrum Hüfnerhaus möchte spätestens Anfang des kommenden Jahres draußen eine Telefonzelle für Bücher aufstellen. Das Häuschen sei bereits geordert. „Uns geht es darum, unseren Besuchern das Lesen näher zu bringen“, sagt Barbara Burke vom Hüfnerhaus.
Außerdem finde sie den Tauschgedanken schön. Man wolle damit in keinem Fall in Konkurrenz zur Bibliothek stehen, sondern parallel auf das Angebot der Bücherei aufmerksam machen.
In etwas abgewandelter Form bietet der Jugendtreff Pier 13 in Beeskow ein Tauschangebot: In einer „Give-Box“ (dt.: Gabebox) können Bücher, aber auch Klamotten oder andere Alltagsgegenstände wie DVDs und CDs entnommen werden. „Dafür sollte aber auch wieder etwas hineingelegt werden“, sagt Tobias Urban vom Jugendteam. Der entnommene Gegenstand dürfe behalten werden. Die Tauschbox steht seit circa sechs Monaten im Jugendtreff. Zuvor wurde sie von Gymnasiasten während einer Projektwoche gestaltet.