Als besonders gewöhnungsbedürftig empfindet Darius Selke das Tragen einer Atemschutzmaske. "Meine Freundin hat mir bereits ein Zehnerpack davon geschenkt", erzählt der Görziger. Diesen werde er in Wuhan, wohin er für einen sechsmonatigen Aufenthalt am Sonntag fliegt, auch gut gebrauchen können. Die Feinstaubelastung in der ostchinesischen Metropole mit rund 9,8 Millionen Einwohnern übersteigt fast täglich den internationalen Richtwert. Für den 19-Jährigen ist das jedoch nicht die einzige Herausforderung. So verspricht seine Tätigkeit als Junior-Botschafter an einer lokalen Schule, eine lehrreiche Zeit zu werden. "Dort stehe ich dann vor rund 30 Schülern in der Klasse und helfe ihnen beim Deutsch lernen", sagt der Abiturient.
Ende 2013 hatte er sich für den internationalen Jugendfreiwilligendienst im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik namens "kulturweit" beworben. Drei Phasen musste er dabei in einem Auswahlverfahren durchlaufen. Zuletzt gab es ein Telefongespräch mit der Partnerinstitution, die den Görziger in Wuhan betreuen wird. "Das Goethe-Institut rief mich überraschend an. Die Verbindung war jedoch sehr schlecht, sodass ich im Nachhinein schlecht einschätzen konnte, ob es nun geklappt hatte oder nicht", erinnert sich Darius Selke. Einen Monat später kam dann die Zusage und die Vorbereitungen für die Reise begannen.
Häppchenweise erfuhr der Görziger, was ihn konkret in China erwarten wird. "Mit jeder E-Mail von kulturweit bekam ich mehr Infos zum Projekt", sagt der junge Mann, den es zum ersten Mal nach Fernost verschlägt. Dass er sich China als Reiseziel ausgesucht hat, liege schlichtweg daran, dass er dort schon immer mal hinwollte. Die Wahl mit "kulturweit" diesen Wunsch zu erfüllen, erschien ihm verlockend. "Dieser Austausch ist ein Projekt der deutschen UNESCO-Kommission in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und wird auch finanziell unterstützt", erklärt der 19-Jährige. So gilt sein Einsatz in Wuhan als Freiwilliges Soziales Jahr, wobei er die Unterkunft inklusive eines Taschengeldes bezahlt bekommt. "Auch eine Reise zur Chinesischen Mauer ist geplant", fügt Darius Selke hinzu.
Für den Abiturienten steht während seines Auslandaufenthalts vor allem der kulturelle Austausch im Vordergrund. So plant er ein Video-Projekt mit den Schülern zu realisieren, in dem die Sichtweisen der Jugendlichen auf die deutsche Kultur festgehalten werden sollen. Im Umkehrschluss bringt er den Teenagern auch etwas aus seiner Heimat mit. "Im Gepäck habe ich einige Fotos, die ich ihnen zeigen möchte. Die Landschaft, wie sie hier in Brandenburg ist, kennt man in Wuhan wohl kaum", vermutet er. Dass er bei seiner Arbeit möglicherweise auch gewissen politisch motivierten Einschränkungen unterlegen ist, dessen ist sich der Görziger bewusst. "Bei einem Workshop seitens der Organisatoren werden wir darauf schon vorbereitet und für die Besonderheiten vor Ort sensibilisiert", sagt Darius Selke mit Gelassenheit in der Stimme.
Vieles hat er bereits von ehemaligen Freiwilligen gehört. So auch, dass es in den Parks von Wuhan nicht untypisch ist, sich trotz belasteter Luft mit Meditations- und Gymnastikübungen à la Tai-Chi auf den Tag vorzubereiten. In einem Internet-Blog auf der Seite der Organisation sowie im Rahmen einer Kolumne in der Märkischen Oderzeitung will Darius Selke seine Eindrücke in den kommenden sechs Monaten festhalten. Darunter auch seine Erfahrungen, die chinesische Sprache zu erlernen. "Mal gucken, wie das funktionieren wird."
Dort geht es hin: Darius Selke verbringt ein halbes Jahr als Freiwilliger in China. Dort wird er als Junior-Botschafter für das Goethe-Institut in der Metropole Wuhan arbeiten. Was genau ihn im Reich der Mitte erwarten wird, weiß er noch nicht so genau. Spannend wird es in jedem Fall, ist sich der 19-Jährige sicher.Foto: MOZ/Jörn Tornow
Darius Selke geht für sechs Monate als Junior-Botschafter nach Wuhan / Er wird dort Schülern beim Deutsch lernen helfen