"Produktion" heißt Zerlegung
Nun will Nammo seine Aktivität in Bugk ausbauen. In diesem Jahr wurde der Sitz des Unternehmens, das in Deutschland an drei Standorten tätig ist, dort hin verlegt. Nammo will nicht wie bisher Munition nur lagern, sondern auch in die "Produktion" einsteigen. In diesem Fall ist damit nicht die Herstellung gemeint, sondern die maschinelle Zerlegung der Munition. "Es geht dabei um Material, bei dem entweder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, das aufgrund von Systemwechseln nicht mehr benötigt wird oder das einem Bann unterliegt", sagt Rüssel. Nach Abschluss der Arbeiten gehe von der Munition dann keine Gefahr mehr aus.
Obwohl Nammo darauf verweist, der Betrieb in Storkow laufe schon seit 20 Jahren, und durch den geplanten Ausbau entstünden auch Arbeitsplätze, wird das Vorhaben in Storkow kritisch gesehen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte bereits im Mai gegen das Vorhaben, dessen Genehmigung Sache des Landesamtes für Umwelt ist. Dort läuft gegenwärtig noch das Verfahren. Dieses ist schwer durchschaubar. Wunsch von Nammo war auch, die Stadt möge ihren Flächennutzungsplan ändern. Das Betriebsgelände ist dort noch immer als "Sonderbaufläche von der Bundeswehr genutzt" deklariert – obwohl die Bundeswehr dort seit 1995 nicht mehr tätig ist. Nammo wollte, dass es zur Gewerbefläche wird.
Der Stadtverordnetenversammlung unterlief bei ihrem Beschluss zum Genehmigungsverfahren offenbar ein Missgeschick. Denn abgelehnt wurde auch der Textabschnitt "Die Fläche soll weiterhin als Sonderbaufläche (...) ausgewiesen bleiben." Gemeint war das offenbar anders, aber nach dem Wortlaut müsste nun eigentlich eine Änderung des Flächennutzungsplanes folgen. Inwieweit das alles Einfluss auf das Genehmigungsverfahren hat, ist unklar.
Nammo verweist unterdessen auf umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Die Munition befinde sich in Bunkern, die mindestens einen Meter hoch mit Erde bedeckt sind. Gebe es die Genehmigung, würden mehrere Bunker modernisiert. In der Umgebung gebe es vor allem militärisches Gebiet. "Bis zur nächsten Wohnbebauung in Bugk besteht ein Abstand von fast 1000 Metern", sagt Betriebsleiter Ingo Voigt. Auch ein rechtlich gar nicht bindender Leitfaden der Kommission für Anlagensicherheit beim Bundesumweltministerium werde eingehalten. Der Transport der Munition nach Storkow erfolge mit Spezial-Lkw.
Und wenn es keine Genehmigung gibt? "Dann machen wir hier mit der Lagerung weiter", sagt Rüssel. Mit einer Entscheidung des Landesamtes für Umwelt rechnet er erst im neuen Jahr.