Der Landkreis will künftig bei der Verwirklichung großer Bauvorhaben nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Nachhaltigkeit schauen. Wie das genau gehen kann, wird derzeit in den Ausschüssen diskutiert. Stanley Fuls, in der Kreisverwaltung zuständig für Infrastruktur und Immobilienmanagement, stellt dazu die Überlegungen der Verwaltung vor. Die Anregung zu der Debatte kam von der Fraktion Die Linke.Piraten. Im Januar hatte sie einen Beschlussvorschlag vorgelegt, der beinhaltet, dass bei der Auftragsvergabe auch ökologische, soziale und ökonomische Auswirkungen auf die Region berücksichtigt werden sollen.

Verwaltung erarbeitet Strategie

Die Verwaltung schlägt nun vor, eine generelle Nachhaltigkeitsstrategie für den Kreis zu entwerfen. Darin würde dann sogar geklärt, welches Druckerpapier im Landratsamt verwendet wird, wie man die Fahrzeugflotte des Kreises betankt, ob Videokonferenzen künftige Sitzungen mit Anwesenheit ablösen.
Doch zunächst geht es Fuls um das Bauen. Aus guten Grund. Die Bauwirtschaft, so der Amtsleiter zuletzt vor den Mitgliedern des Bildungsausschusses, verursache in Deutschland 50 Prozent des Materialverbrauchs und sei auch für die Hälfte es Energieverbrauchs verantwortlich. Am Abfallaufkommen sei die Branche mit 60 Prozent (des Gewichts) noch stärker beteiligt. Dort auf Nachhaltigkeit zu achten, habe also besonders starke Effekte.
Der Bund hat dafür auch schon Maßstäbe festgelegt und ein Zertifizierungssystem entwickelt. Danach soll ökonomisch und ökologisch gebaut werden, sollen die Gebäude am Ende über eine hohe funktionale Qualität verfügen. Die Liste der zu beachtenden Faktoren füllt Seiten, selbst Kunst am Bau ist ein Kriterium, das beachtet werden muss.

Kosten steigen um ein Prozent

Die Verpflichtung zu Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Neben den zusätzlichen Planungsleistungen ist mit erhöhten Baukosten zu rechnen. Dem, so Fuls, stünden aber Einsparungen während der Gebäudenutzung gegenüber. Er nannte geringere Betriebskosten, niedrigere Instandsetzungs und Umbaukosten und auch eine preiswerte Entsorgung, wenn das Haus einmal abgerissen werden muss. Am Ende, so die Schätzung von Fuls, müsse man bei einer Bausumme von 10 Millionen Euro mit einem Prozent Mehrkosten rechnen. Bei kleineren Bauprojekten könnten die Mehrkosten auf 1,5 Prozent steigen.

Schulneubau im Fokus

Im Bildungsausschuss hat Stanley Fuls das Projekt vorgestellt, weil das Projekt „Nachhaltiges Bauen“, wenn sich der Kreistag dazu entscheidet, vor allem bei Schulneubauten zum Tragen kommen wird. Der Leitfaden nachhaltiges Bauen und die Zertifizierung im zweithöchsten Qualitätsstandard Silber, so der Beschlussvorschlag, sollen künftig für alle Hochbauvorhaben ab einer Bausumme von 1,5 Millionen Euro verbindlich sein. Bei Bauvorhaben ab 500 000 Euro soll dies auch gelten, aber auf die Zertifizierung verzichtet werden.
Im Bildungsausschuss war eine große Mehrheit für das Projekt. Warnend hatte sich nur Philip Zeschmann (BVB/Freie Wähler) geäußert. Wegen der corona-bedingt wohl auf Jahre angespannten Haushaltslage plädierte er dafür, die Nachhaltigkeitsdebatte in die Haushaltsdebatte zu integrieren. Vor allem Vertreter der Linken und der SPD sprachen sich dagegen aus. Man müsse jetzt mal anfangen, so der Tenor.
Keinen Einfluss hat die jetzige Vorlage auf Straßenbauvorhaben. Aber auch dafür will die Kreisverwaltung eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. Eine entsprechende Vorlage kündigte Fuls für das 1. Quartal des kommenden Jahres an.