Der Landkreis Oder-Spree hat die Erarbeitung eines neuen Nahverkehrsplans in Auftrag gegeben.
Darüber informierte die für die Entwicklung des ländlichen Raums zuständige Beigeordnete Gundula Teltewskaja. Sie hatte zu einer Beratung über Mobilitätskonzepte eingeladen. Eine knappe Stunde sprach Christoph Gipp, Mobilitätsexperte des Berliner Iges-Instituts, über Möglichkeiten dieser Planung. Er wäre gern mit den Öffentlichen nach Beeskow gekommen, begann er seinen Vortrag. Das hätte auch hervorragend geklappt. Am Ende habe er sich aber doch entschieden, von Berlin aus einen Leihwagen zu nehmen, weil er sonst erst weit nach Mitternacht wieder nach Hause gekommen wäre. Man brauche auch bis in die späten Abendstunden mindestens einen Stundentakt nach Berlin, alles darunter sei kein Verkehrstakt, so Gipp.

Nahverkehr darf nicht an Kreisgrenze stoppen

Deutliche Kritik äußerte er auch an dem Verfahren, Nahverkehrsplanung an Grenzen festzumachen. Die Bürger von Schenkendöbern im Kreis Spree-Neiße hätten erklärt, dass sie gern mit dem Bus nach Eisenhüttenstadt ins Krankenhaus und zum Einkauf fahren wollen. Das funktioniere aber nicht, weil es ein Bus über die Kreisgrenzen wäre. Der Bus fährt nur im Kreis, also nach Guben oder Forst, das sei weiter und teurer und von den Bürgern nicht gewollt.
Der Vortrag von Gipp machte den knapp 50 Teilnehmern der Runde Mut, eigene sehr konkrete Ideen zu äußern. Mehrfach wurde die Wiederbelebung der Bahnlinie Fürstenwalde-Bad Saarow-Beeskow gefordert. Auch die Verbindung der Kreisstadt nach Eisenhüttenstadt sei verbesserungswürdig.

W-LAN und Steckdosen im Bus gefordert

Erkneraner Gymnasiasten forderten nicht nur mehr Busse im Schülerverkehr, sondern auch qualitative Verbesserungen: eine Steckdose, um Smartphone oder Tablet aufladen zu können, W-LAN im Bus für die Erledigung der Hausaufgaben sollen es sein. Fahrscheinautomaten im Bus, an denen man auch mit Karte bezahlen kann, sollten ebenfalls zum Standard gehören. Experte Gipp unterstrich diese Forderungen: Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass man nach Kleingeld für den Busschein kramen müsse. Überhaupt würden gute Mobilitätsangebote auch Investitionen in die digitale Infrastruktur erfordern. „Wenn Sie einen Rufbus ordern wollen, brauchen Sie wenigstens ein Netz“, machte er deutlich.

Querverkehr nach Neuenhagen

Bedenken äußerte er gegen eine ebenfalls vorgeschlagene regionale Mobilitäts-App. Damit erreiche man beispielsweise Touristen nicht. Wenn das jede Region machen würde, gebe es hunderte solcher regionaler Apps.
Der Kreistagsabgeordnete Achim Schneider schloss an das Schenkendöbern-Beispiel an. Der Speckgürtel am Berliner Rand sei zwar verkehrstechnisch gut an die Hauptstadt angebunden, aber die Querverbindungen fehlten. Wer von Schöneiche nach Neuenhagen will, brauche eineinhalb Stunden, da er erst mit der S-Bahn bis ins Berliner Zentrum fahren müsse. Dabei seien die Orte keine zehn Kilometer voneinander entfernt.
Ein wichtiger Punkt der Debatte war die Barrierefreiheit. Die meine nicht nur technische Voraussetzungen an Fahrzeugen und Haltestellen, um mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen in den Bus zu kommen. Auch Fahrkartenautomaten müssten einfach zu bedienen, die Fahrpreisstruktur leicht verständlich sein.

Rufbusprojekt für Storkow geplant

Mittelfristig, auch da gab es in der Runde keinen Widerspruch, müsse man auch von festen Fahrplänen und Busrouten wegkommen. Gundula Teltewskaja äußerte die Hoffnung, in Sachen Flexibilität des Nahverkehrs schnell voranzukommen. Für die Region Storkow habe der Kreis die Förderung eines Pilotprojekts für einen linienunabhängigen Rufbus beantragt. Sie kündigte weitere öffentliche Debatten über die Verkehrsplanung an und wünschte sich noch mehr, auch vielleicht utopische Ideen. Über den Nahverkehrsplan des Kreises wird am Donnerstag wieder gesprochen. Dann im Ausschuss für ländliche Entwicklung und Kreisentwicklung, der ab 18 Uhr im Atrium des Landratsamtes tagt.