Was am Freitagabend bei der Eröffnung noch einigermaßen optimistisch begann, löste sich am Sonnabend total in Regen auf. Nicht eine Minute hatte der Himmel ein Einsehen. Die Händler, Handwerker und Künstler um Veranstalter Henri Bibow, Geschäftsführer der Firma "Sündentreu" aus Torgau, hielten bis zum Abend durch, die Musikanten gaben ihr Bestes, um die wenigen Gäste bei Laune zu halten. Auch am Sonntag, wo der Markt sich nach dem Altstadtlauf füllte, ging es mit Musik und guter Versorgung weiter. Am wohl weitesten gereist war Wolfgang Ponner, der mit der Firma "Sau-saugut" bis aus Bad Münster in das 800 Kilometer entfernte Beeskow gekommen war und "Sau am Spieß" verkaufte. "Beeskow hat Potenzial", sagte er. "Und wenn das Wetter schöner wäre, wäre der Markt voll." Dessen war sich auch Markus Völlmer aus Friedrichroda sicher, der mit besonderen Zimmermannsarbeiten die Gäste anlockte. Über seinen handgedrechselten Bikini aus Holz - Anfertigungspreis 250 Euro - kam er mit den Damen und Herren immer schnell ins Gespräch. Der Markt "Anno 1900" hatte nicht nur ausgewählten Schmuck, gut riechende Parfümerieartikel, besonderes Holzspielzeug oder kuschlige Fellartikel zu bieten, auch für Gaumenfreuden war ausreichend gesorgt, unter anderem mit Erzgebirgischen Backwaren oder leckeren Fladenbroten. Auf dem Kirchplatz hielten die Händler mit handwerklichen Sachen und Blumen nur bis zum Sonnabendnachmittags aus. "Es kommen kaum Kunden, wir muntern uns schon gegenseitig auf", sagte regenverhüllt Viola Mruk, die wie alle anderen ihren Stand schon mit Folie abgedeckt hatte.
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Das große Chorsingen konnte zum Glück in die Marienkirche verlegt werden. Es war gut besucht, dennoch sagt Organisator Günter Fürst vom Beeskower Männerchor: "Bei schönem Wetter wären viel mehr Leute gekommen." Noch vor zwei Jahren, erinnert er sich, war eine enorme Hitze auf dem Kirchplatz gewesen, die Menschen hätten sich schattenspendende Plätze gesucht. Eineinhalb Stunden erfreuten vier Chöre, der Männerchor und der Stadtchor Beeskow, der Conbrio-Chor aus Fürstenwalde und der Zeuthener Männerchor, die Besucher mit ihrem Gesang. Das große Kaffeetrinken mit dem Kuchen, der die Sängefrauen traditionell backen, fand in der Alten Schule statt.
Ein harter Kern vergnügte sich am Sonnabendabend noch auf dem Kirchplatz bei Live-Musik und Fußball-Viewing unterm tropfenden Zeltdach.
"Das ist alles sehr, sehr schade", gibt Volker Schulze die Meinung vieler Gäste wieder. "Nach vielen Jahren ist das Stadtfest mal wieder anders, stilvoller gestaltet worden. Es tut mir leid für die Besucher und auch für die Organisatoren."
Trotzten dem Wetter: Die Spielleute aus dem Norden Tancredo (Bass) und Lother (Akkordeon) wurden nicht müde, die Laune der Gäste aufzubessern und suchten selbst immer ein regensicheres Plätzchen unterm Tavernendach.Fotos (4): MOZ/Jörn Tornow
Ohne Schirm ging Sonnabend nichts: Nadine Schulz (32) schaut mit Söhnchen Robin dem Jongleur zu.
Veranstalter hielten trotz Kälte und Nässe durch / Chorsänger flüchteten in Marienkirche