Skiunterwäsche, Thermosocken, zwei Pullover übereinander und als krönender Abschluss: der leuchtend-rote Polar-Overall sowie Mütze und Schal: So gerüstet kann es rausgehen auf die Eisscholle. Wenn sich Julika Zinke für ihre Arbeit fertigmacht, muss sie sich kräftig einmummeln:  Draußen, das bedeutet irgendwo auf dem arktischen Meer, herrschen Temperaturen von Minus 25 Grad. Wind und andere Umstände lassen es aber weitaus kälter anfühlen.
So erinnert sich die 24-Jährige  aus Beeskow. Vor wenigen Tagen ist die junge Wissenschaftlerin aus dem – hoffentlich noch lange stabilen "ewigen" Eis – über den norwegischen Hafen Tromsø nach Stockholm zurückgekehrt. Sie hat als Doktorandin der Universität Stockholm an der Mosaic-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) teilgenommen. Zu diesem Zweck war sie sechs Wochen lang auf der "Akademik Fedorov" mitgefahren. Dabei handelt es sich um einen russischen Eisbrecher, der das deutsche AWI-Forschungsschiff "Polarstern" eine Zeitlang begleitete.
Die Akademik Fedorov war es denn auch, die die inzwischen legendäre Eisscholle "Festung" entdeckte. Das Naturgebilde ist etwa 3 bis 5 Kilometer im Durchmesser und dick genug, um darauf  ein Netzwerk von Messgeräten zu platzieren. Bei diesen Tätigkeiten auf der Scholle half Julika Zinke tatkräftig mit. Dabei mussten die Teams immer höllisch aufpassen, denn gelegentlich gab es interessanten, aber gefährlichen Besuch: "Eine Eisbärenmutter mit Jungtier tauchte mehrmals in der Nähe auf." Vier Eisbär-Wachen mit Karabiner und zusätzliche Fernglas-Wachen auf der Brücke sicherten die Forscher, die das Eis meist von der Gangway der Polarstern aus betraten, ab. Bei den Fernglas-Wachen hat Julika Zinke ebenfalls mitgemacht.
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Wie es bei Seeleuten und Arktisforschern üblich ist, gibt es während der Expedition bestimmte Rituale. Julika Zinke schmunzelt heute noch in Erinnerung an den "Whiskey-on the Rocks" mit Originaleis aus der ersten Eiskernbohrung.
Überhaupt wird man an Bord der Forschungsschiffe gut versorgt. Mindestens zweimal pro Tag steht Fleisch auf dem Essensplan. Für die meisten ihrer Kollegen sei es die Jahresration gewesen. "Bei meinem geringen Fleischkonsum habe ich meine Ration für ein ganzes Jahrzehnt intus!", so die junge Forscherin.
Ein bisschen wehmütig ist sie schon, dass jetzt, nach mehr als sechs Wochen, alles vorbei ist. Julika Zinke schwärmt von den Polarlichtern, sowie von den "wunderschönen Farben der Sonnenuntergänge."
Dabei gab es nicht nur auf der Eisscholle und auf der Brücke des Schiffs viel zu sehen und zu erleben, sondern auch an Bord. Julika Zinke bereitete sich während der Fahrt auf  der Akademik Fedorov unter anderem auf die sogenannten "Outreach-Projekte" vor. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, die das Ziel haben, den Klimawandel als Thema weiterzutragen, um damit die Reichweite (engl. Outreach) der Erörterung zu erhöhen.

Whiskey mit Eis aus der Bohrung

Die Beeskowerin will dabei ihre Heimatstadt nicht vergessen, im Gegenteil: Am 27. Dezember wird Julika Zinke in der Alten Schule über ihre Teilnahme an der Expedition aus erster Hand in Wort und (Bewegt-) Bild in einem öffentlichen Vortrag berichten. Zusätzlich will sie zum Thema Klimawandel an den Beeskower Schulen berichten.  Dabei wird sie sicherlich die "Mosaic-Jacke" tragen, die sie sich als Erinnerung an die Expedition beschafft hat.
Julika Zinke hatte 2013 ihr Abitur am Rouanet-Gymansium Beeskow abgelegt. An der Uni Stockholm hat sie im Sommer dieses Jahres ihren Master in Meteorologie erhalten. Die Beeskowerin engagierte sich als Schülerin in der Jugendredaktion des Oder-Spree Journals.