Als neues Koordinierungsgremium für sämtliche Akteure rund um Gesundheitsvorsorge und Krankheitsprävention wird im Landkreis Oder-Spree eine übergreifende Gesundheitskonferenz etabliert. Grundlage dafür ist die Förderung durch ein Programm des GKV-Bündnisses für Gesundheit der Gesetzlichen Krankenkassen.

Konferenz statt Beirat in Oder-Spree

Aus diesem Grund ist auch der Antrag der Fraktion Die Linke.Piraten für einen Gesundheitsbeirat im Landkreis Oder-Spree im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Migration am 1. September im Atrium des Beeskower Landratsamtes wieder zurückgezogen, der Punkt von der Tagesordnung gestrichen worden. Man wolle der Arbeit der neu eingerichteten Stelle zur Koordinierung der Gesundheitsprävention im Landkreis nicht „hineingrätschen“, betonte die Ausschussvorsitzende Rita-Sybille Heinrich (Linke). Bei Bedarf werde man zu einem späteren Zeitpunkt auf den Vorschlag zurückkommen.
Ein Gesundheitsbeirat aus 15 Personen, zu je einem Drittel Mediziner und Pflegekräfte, Verwaltungsvertreter und Kreistagsabgeordnete, hätte laut Beschlussvorlage den Kreistag fachlich unterstützen sollen. So sollten akute aktuelle Probleme besser bewältigt und eine strategische Ausrichtung der Gesundheitspolitik im Kreis befördert werden.
Stattdessen hat die Arbeit an einer regionalen Gesundheitskonferenz begonnen. Coronabedingt wurde der Programmstart und Arbeitsbeginn von Ramona Krüger aus dem Gesundheitsamt, die die Koordinationsstelle für die Gesundheitskonferenz begleitet, von Mai auf September verlegt. Pünktlich zum Start stellte sie gleich selbst das Programm und die Ziele der geplanten Konferenz im Ausschuss vor. Fördergelder gingen durch die Verschiebung nicht verloren, erklärte sie sogleich.

Netzwerk bilden statt Lücken füllen

Landesgesundheitskonferenzen entstanden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 1998 zuerst in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, inzwischen gibt es sie in fünf Bundesländern. Solche Gremien auf regionaler Ebene sind oder werden in 14 Bundesländern etabliert. In Brandenburg fand die erste ihrer Art 2013 im Havelland statt. Ein Jahr später etablierte sie auch der Landkreis Märkisch Oderland.
Und nun also auch in Oder-Spree: Im März hatte der Kreis den positiven Förderbescheid von der BZgA erhalten, erklärte Ramona Krüger im Ausschuss. Insgesamt hatte das „GKV-Bündnis für Gesundheit“ – eine Initiative aller gesetzlichen Krankenkassen - ein bundesweites Förderprogramm für sozial schwache Kommunen aufgelegt. Mit insgesamt etwa 40 Millionen Euro es in den nächsten fünf Jahren den bundesweiten Aufbau von kommunalen Strukturen, um Angebote zur Gesundheitsförderung in jenen Kommunen zu etablieren, die bisher noch keine oder nur wenige Steuerungselemente wie z. B. Gesundheitskonferenzen haben. Voraussetzung war die Einrichtung der Personalstelle.
Um langfristig und nachhaltig Strukturen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention vor Ort zu stärken, ist es nun Krügers Aufgabe, Vertreter der Kommunen und Landkreis-Ressorts Jugend-, Gesundheits- und Sozialamt sowie Sozialversicherungsträger, der Ärzteschaft und Apothekerverbands, von Vereinen und Hochschulen zusammenzubringen. „Natürlich kann ich es in Person nicht leisten, die Lücken des Ärztemangels zu füllen“, erklärte Krüger auf Nachfrage. Aber die medizinische Versorgung sei zunächst auch gar nicht vorrangiges Thema für die Gesundheitskonferenz, sondern eben die Förderung des Gesundbleibens vor Erkrankungen, ein Netzwerk für Prävention.

Entwicklung gemeinsam mit Akteuren in Oder-Spree

Einmal jährlich soll sich das neue Gremium treffen und Handlungsempfehlungen und strategische Maßnahmen entwickeln, die die Teilnehmenden per Selbstverpflichtung dann mit in die Praxis nehmen. „Die Gestaltung der Konferenz und der Geschäftsordnung ist aber noch ganz offen“, so Krüger. Diese werde im Austausch mit den Akteuren entwickelt. Mit dem Gesundheitsamt des Kreises habe die Konferenz dann nichts zu tun: Vertreter sollten dabei sein, aber das Gremium werde nicht ans Amt angegliedert.