Eine Künstlergruppe glaubt, den Ort gefunden zu haben, an dem der Forscher Ludwig Leichhardt gestorben ist. Das bestätigt Kai-Uwe Kohlschmidt, Musiker in der Cottbuser Band Sandow, der an einer Expedition durch Australien teilgenommen hat. Das Ergebnis der Reise will er allerdings erst im nächsten Jahr in einem Beitrag für den Deutschlandfunk und in einem Film offenlegen.
Die Expedition diente dem Ziel, das rätselhafte Verschwinden von Ludwig Leichhardt zu beleuchten, wie Kai-Uwe Kohlschmidt berichtet. Vier Mitglieder der Künstlergruppe Mangan 25 legten dafür eine Strecke von 2500 Kilometern entlang des Randes der Simpsonwüste zurück. Irgendwo dort müsste Ludwig Leichhardt zu Tode gekommen sein. So hatte zumindest bisher der vage Stand der Forschung gelautet. Der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz konstatiert: "Leichhardts zweite Expedition, eine geplante Durchquerung des Kontinents von Ost nach West, begonnen im Dezember 1846, endete nach fünf Monaten mit einem Misserfolg." Deshalb sei er am 5. April 1848 von der Viehstation McPherson erneut aufgebrochen, um dieses Ziel zu erreichen. Seitdem fehle von ihm und seiner Gruppe jede Spur.
Hilfe von einem Missionar
Nun könnte es also passieren, dass die Expedition der Künstlergruppe die Forschung um Ludwig Leichhardt erneut befeuert. Unterwegs erhielten die Reisenden Einlass zu einer Siedlung von Aborigines. Dabei half ihnen ein deutscher Missionar. Dort empfingen die vier Stammesältesten die Expedition. Kai-Uwe Kohlschmidt sagt: "Einer von ihnen hielt uns einen Zettel entgegen, auf dem der Name Ludwig Leichhardt stand." Auf Englisch hätten die Stammesältesten gefragt, ob sie diesen Mann suchen.
Als die Gäste zustimmten, erzählten ihnen die Aborigines von einer mündlichen Überlieferung, über Generationen in die Gegenwart getragen. Demnach befindet sich der westlichste Ort Australiens, den Ludwig Leichhardt erreichte, bei Alice Springs. "Die Details klangen sehr schlüssig", sagt Kai-Uwe Kohlschmidt. "Dann erfuhren wir vom Ort, an dem er gestorben sein soll, und das war eine absolute Neuigkeit für uns."
Die genaue Stelle will er derzeit  noch nicht öffentlich preisgeben. Das behält er sich für den Beitrag vor, den der Deutschlandfunk voraussichtlich im Juni 2020 ausstrahlen wird. Er gibt zu bedenken: "Wir können nur weitergeben, was uns die Aborigines erzählt haben." Im Unterschied zu vielen anderen Stämmen seien sie relativ unbehelligt in die Neuzeit gekommen. "Wenn dort ein weißer Mann mit Ochsen auftauchte, war das schon ein denkwürdiges Ereignis, von dem sich spätere Generationen erzählten." Auch einen Film wollen die vier Reisenden produzieren, der von ihrer Expedition erzählt. Neben Kai-Uwe Kohlschmidt zählen die Schauspielerinnen Momo Kohlschmidt und Arta ­Adler sowie der Bildhauer Peter Adler dazu.
Körperliche Beschwerden
Darüber hinaus komponiert Kai-Uwe Kohlschmidt derzeit die Filmmusiken für einen Rostocker Polizeiruf, den die ARD im Dezember zeigen wird.
Neben neuen Erkenntnissen über Ludwig Leichhardt hat der Cottbuser allerdings auch körperliche Beschwerden von Australien in die Cottbuser Heimat mitgebracht. Der Sand verdichtet sich nach seinen Worten in der Wüste zu unzähligen kleinen Bodenwellen, deren Vibrationen das Auto und somit die Insassen erschütterten. Das führte zu einem Bandscheibenvorfall, den Kai-Uwe Kohlschmidt nun zu Hause auskuriert.

Leichhardt – von Cottbus in die weite Welt

In Cottbus wurde im Juni 2019 auf dem Oberkirchplatz ein Ludwig-Leichhardt-Denkmal eingeweiht. Als Modell für die Skulptur diente der Ururgroßneffe des Forschers. Nach Angaben des Stadtmuseums besuchte Ludwig Leichhardt im Jahr 1829 das Cottbuser Gymnasium. Später reiste er für geologische Untersuchungen nach Frankreich, Italien und in die Schweiz. Im Jahr 1841 brach er erstmals nach Australien auf. Bei zwei weiteren Expeditionen versuchte er, den australischen Kontinent von Ost nach West zu durchqueren. Ein Brief an seinem Freund Lynd in Sydney aus dem Jahr 1848 gilt als letztes Lebenszeichen von ihm. Leichhardts Todesumstände sind ungeklärt.