Dass der Freitag kein ganz normaler Schultag am Rouanet-Gymnasium werden sollte, wurde bereits vor Beginn des Unterrichts deutlich: Der Haupteingang war verschlossen, er wurde von drei "Göttern" bewacht. Nur der Nebeneingang aus Richtung Penny-Parkplatz bot Einlass. Auch dort ein Empfangskomittee mit griechischen Hochgeborenen, denn das Motto des diesjährigen Abistreichs lautete "Abilympia - auch Götter müssen einmal gehen". Jeder Schüler musste zunächst durch einen Reifen steigen. Anschließend galt es, eine Aufgabe zu erledigen: Kniebeuge, Lied singen, eine Minute im Kreis drehen. Dann ging es ersteinmal regulär in den Unterricht.
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Um 11 Uhr stürmten die Abiturienten mit Tröten durch das Schulhaus und holten ihre Mitschüler und Lehrer aus den Klassenzimmern. Auch Schulleiter Jürgen Teichert musste mitkommen. Die Schüler umstellten das Basketballfeld, das zur olympischen Arena erklärt wurde. Abiturient Florian Dahlitz nahm als Moderator des Abistreichs das Mikrofon in die Hand, dann mussten die Lehrer Aufgaben lösen: Einkaufswagenrennen, Primzahlen aufsagen, Motive aus der griechischen Sagenwelt zeichnen, Gedichte formulieren. Anschließend wurden die Lehrkräfte aufgefordert, Feuer-Wasser-Sturm zu spielen. Der Höhepunkt des Abistreichs war eine riesige Polonaise, die vom Basketballfeld aus einmal quer durchs Schulhaus führte und wider auf den Schulhof endete.
Dort fielen sich viele Schüler um den Hals, man sah so manches Tränchen. Denn der Freitag war der letzte Tag, an dem sich die Abiturienten zum regulären Unterricht trafen. Nach den Osterferien beginnen die schriftlichen Prüfungen, anschließend die mündlichen. Die Zeugnisausgabe ist am 30. Juni.
"Am Anfang meiner Schulzeit hier am Rouanet dachte ich, bis zum Abi, das dauert ewig. Aber rückblickend ging doch alles viel zu schnell", bedauert Amely Kislat. Der regelmäßige Aufenthalt am Gymnasium werde ihr fehlen. Christoph Gräser bezeichnet seine Gymnasialzeit als "super-entspannt". Das nahende Ende betrachte er mit Wehmut: Man war schon lange zusammen, mit manchen sogar 12 Jahre lang." Der junge Mann möchte gerne Schulpsychologe werden. "Dann bin ich vielleicht wieder hier."
Dorothea Löffler kommentiert ihren nahen Abiabschluss so: "Es hat ein gutes Ende genommen!" Im Anschluss an die Schulzeit möchte sie gerne Stadt- und Regionalplanung studieren.
Schulleiter Jürgen Teichert lobte nach dem Abischerz das Verantwortungsgefühl der Absolventen. Im Abistreich seien die Lehrer mit Respekt behandelt worden. Alle Aktionen seien gemäß der Absprachen erfolgt. "Die Schüler haben einen niveauvollen Streich hingelegt."
Bereits früh am Morgen hatten die Abiturienten den Flur im ersten Stock mit Topfpflanzen zugestellt und die Fenster verdunkelt. Hinterher halfen die Schüler der Reinigungskraft Marita Chriske beim Aufräumen. Die zeigte sich im Gegenzug verständnisvoll: "Wenn das einmal im Jahr passiert und zu so einem Anlass, ist das in Ordnung."