Birgit Licht steht aufmerksam am Rande des Reitplatzes der "Pferdefreunde Klein Schauen" und gibt Kommandos: "Ganze Bahn!", "Auf dem Zirkel geritten", "Aus dem Zirkel wechseln", "Volte reiten" oder "Slalom". Je nachdem, wie viel Reiterfahrungen die fünf Mädchen im Alter von neun bis elf Jahren vor ihr auf dem Platz haben, malen deren Pferde mehr oder weniger genau Bahnfiguren in den märkischen Sand. Vormittags ist Trainingszeit für die je zehn Ferienkinder bei insgesamt sechs Durchgängen. Wenn die erste Gruppe nach etwa einer Stunde fertig ist, kommt die zweite an die Reihe. "Die Kinder lernen als Anfänger, das Pferd selbstständig zu kontrollieren", erklärt Birgit Licht. "Und das erfordert ihre volle Konzentration." Es kommt darauf an zu wissen, was man machen muss, dass das Pferd überhaupt losläuft, was, damit es auf Wunsch anhält, und wie man es lenkt. Die Zügel müssen richtig gehalten werden, damit das Pferdemaul nicht beeinträchtigt wird, und auf die richtige Körperhaltung kommt es an. Das heißt: gerader Rücken. "Damit ein Pferd dem Reiter gehorcht, setzt er die Wirkungsweise der Zügel, Schenkel und seines Kreuzes ein", so die 45-Jährige, die in Klein Köris quasi mit Pferden aufgewachsen ist.
Für die Fortgeschrittenen unter den Ferienkindern, die hier übernachten können oder als Tageskinder von 9 bis 19 Uhr auf dem Hof sind, veranstaltet Birgit Licht Reiterspiele, "um das Ganze aufzulockern". Dazu gehören das Stuhlreiten ähnlich dem Stuhltanz und Geschicklichkeitsspiele, etwas während des Reitens Wassertröge tragen oder Handschuhe anziehen. Zu ihrem Lern- beziehungsweise Übungsprogramm haben auch das Galoppreiten und das Springen einen festen Platz. Der Höhepunkt für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen ist das Geländereiten, eine Rundtour von etwas vier bis fünf Kilometern durch viel Wald in Richtung Kummersdorf und Wolzig. Die Pferde der Anfänger werden dabei am Führstrick geleitet. Aber auch reine Arbeit gehört zum Vormittag mit den Pferden, denn diese müssen von den Kindern gezäumt, gesattelt, gestriegelt und bei Bedarf auch geduscht werden. Wer sich traut, kratzt auch die Hufe aus.
Der Nachmittag sieht aus wie in anderen Ferienlagern: Baden im See, Spielen auf dem Gelände der Pferdefreunde oder im IRRLANDIA, Rodeln in Petersdorf, Ausfahrten mit der Kutsche, Grillen, Lagerfeuer und vieles mehr.
Birgit Lichts Vater war Kutsch- und Kremserfahrer, und von ihm stehen in der Scheune noch eine weiße Hochzeitskutsche, Baujahr 1930, und ein Kremser. Auf dem Pferd saß sie schon mit drei, vier Jahren. "Für mich gab es nie etwas anderes als Reiten. Es war mein größtes Hobby und immer mein Wunsch, etwas mit Pferden zu machen", denkt sie zurück. Vom Gestüt Prieros wurde sie zur Lehre nach Zöthen bei Jena geschickt, wo über 400 Pferde gehalten wurden. In Prieros zurück, arbeitete sie vorwiegend im Zuchtbereich. Pro Jahr kamen hier etwa 50 Fohlen zur Welt. Nebenbei ritt sie im Verein. Am 1. Juni 2004 eröffnete Birgit Licht ihr Unternehmen "Pferdefreunde Klein Schauen", das reines Freizeitreiten anbietet, dazu Kutsch- und Kremserfahrten, geführte Ausritte und Reitunterricht.
Die Ferienkinder kommen aus der Region einschließlich Berlin vor allem durch Mundpropaganda und das Internet. "Viele sind jedes Jahr hier, auch im Frühjahr und Herbst, wenn es je zwei Durchgänge gibt", freut sich Birgit Licht.