Erst vor etwa zwei Jahren wirbelte ein prunkvoller Zinnsarg aus der Schenkendorfer Kirche Staub auf, weil ein Metallrestaurator diesen mit einem Trennschleifer aufgeschnitten – was gar nicht nötig war – und stark beschädigt hatte. In diesem Sarg, den kleine Löwen tragen, soll Louise von Burgsdorf, verehelichte von Loeben ruhen. Ursprünglich sollte nur die Gruft saniert werden. Dafür hatte die  Stiftung Preußisches Kulturerbe 2016 eine Summe von 40 000 Euro zur Verfügung gestellt. Später wurde auch Geld für die Särge eingeräumt.
Erst Schimmel beseitigen
Als im Sommer 2019 die Ausschreibung zur Sanierung der Kirchengruft und der Särge lief, bewarb sich Claudia Laue und bekam den Zuschlag. Insgesamt fünf Särge – drei Innen- und fünf Außensärge – kamen somit zur Aufarbeitung in das Atelier der Fachfrau und sorgten für ungewohnte Enge. Dem Prunksarg ist anzusehen, dass die Bedingungen in der Gruft nicht optimal waren. Im unteren Bereich sind Schrift und Farbe deutlich schlechter als im oberen. Und an der Seite, mit der der Sarg an der Wand stand, fehlt die Farbe ganz. Die Restauratorin zeigt auf die im Laufe der Zeit verblassten goldenen Schriftzeichen: "Es handelt sich dabei um Bibelsprüche und Apokryphen aus der Johannesoffenbarung", erklärt die 49-Jährige.
Sie habe beispielsweise dafür gesorgt, dass die noch vorhandenen Schriftzeichen erhalten bleiben und dass die Beschläge und Griffe wieder fest sitzen: "Ziel ist es, den Sarg so zu erhalten, wie er ist, also authentisch", so Laue. "An der Farbe ist gut erkennbar, dass schon einmal nachgearbeitet wurde." Mit der Hand streicht sie über das Holz: "Die glänzende Oberfläche ist noch original, aber hier, wo sich das Holz etwas stumpf anfühlt, wurde in den 80er Jahren die Farbe aufgefrischt." Zum Erhalt der goldenen Schriftzeichen benutzt Claudia Laue eine Art Kleber und ein kleines handliches Bügeleisen mit weichem Schutzüberzug. Beim gleiten der Bügeleisenfläche über die Schriftzeichen verschmelzen diese mit der Sargoberfläche.
Dem angenehmen Beginn der Arbeiten im Atelier gingen allerdings weit weniger erbauliche Tätigkeiten voraus: "In der Gruft mussten zunächst die Särge von einem Zentimeter dicken Schimmelrasen befreit werden", erzählt die Fachfrau rückblickend. Das funktioniere nur, wenn eine Vollschutz-Montur angelegt wird: "Die Schimmelsporen dürfen nicht eingeatmet werden, das ist gesundheitsschädlich." Alles sei nass gewesen und die klimatischen Bedingungen in der Gruft überhaupt sehr schlecht.
Die Textilien in den Särgen waren vergangen, lediglich ein Samtmantel mit einem Johanniteremblem war erhalten. Irgendwann seien die Lüftungsöffnungen verschlossen worden, genauso wie teilweise die Zuwegung zur Gruft: "Das war eine Zitterpartie. Zu viert haben wir den Sarg getragen. Es war so eng und die Stiege erst", sagt Claudia Laue rückblickend.
Inzwischen neigt sich die Sanierung der Gruft dem Ende entgegen. Wenn die Särge dann in ihrem authentischen Zustand in Schenkendorf stehen, werden auch die Bestattungen wieder hineingegeben, die in Situ (originaler Lage) belassen, dokumentiert und anthropologisch untersucht wurden.  "Noch ist nicht abschließend geklärt, welche Person in welchem Sarg lag", so Laue. Es soll sich bei den Verstorbenen um Louise von Burgsdorf verehelichte von Loeben, den Johanniterritter Adolph Maximilian Freiherr von Loeben und eine weitere Frau und einen Mann handeln.
Zurück in die Kirche
Die Familie von Loeben erwarb 1657 Schenkendorf, sanierte fünf Jahre später die etwa um 1500 gebaute Feldsteinkirche und errichtete 1669 die Gruft. Im Februar wird die Restauration beziehungsweise Konservierung des Prunksarges abgeschlossen sein und am 8. Februar wird das Stück zurück in die Gruft der Kreuzkirche in Schenkendorf, Mittenwalde transportiert.
Diplomrestaurateurin Claudia Laue hat in Potsdam studiert, kommt aus Berlin, lebt und arbeitet seit 2015 in Beeskow. In ihrem "Woltersdorfer Restaurierungsatelier" führt sie unter anderem Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an Kulturgütern aus Holz wie Möbeln, Skulpturen und Rahmen aus und widmet sich besonders gern historischen Oberflächen. Darüber hinaus betreibt die Fachfrau eine Rahmenmanufaktur zur Rahmenherstellung sowie konservatorischer Rahmung von Grafiken und Gemälden.