Tonnenschweres Baugerät und zwei Dutzend Fachleute vor Ort. Und Wasserpumpen, die auch Schwerstarbeit leisten müssen: Auf der Baustelle Wehr und Schleuse Neubrück/Spree geht es sichtbar voran.
Rolf Lindemann war beeindruckt. Lothar Kirmes, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Mittlere Spree, hatte den Landrat auf die Großbaustelle Wehr und Schleuse Neubrück/Spree eingeladen.  Kirmes steuert das, wie er sagt, "nicht unter 15 Millionen Euro liegende Projekt" im Auftrag des Landesamtes für Umwelt. Es sei die wichtigste wasserwirtschaftliche Maßnahme im Land Brandenburg, informiert der Geschäftsführer stolz.
Bau- und Betriebshürden
Die Arbeiten sind nicht einfach. Durch die Umprojektierung der Fischaufstiegs-Anlage, auch Fischpass genannt, von 66 auf jetzt 109 Meter werde sich die eigentliche Inbetriebnahme der Wasserregulierung der Spree durch zwei zusätzliche Wehrfelder um ein halbes Jahr verzögern. "Eigentlich wären wir kommenden Monat, also im Juni, fertig. Jetzt wird daraus der Herbst – zu spät für die Saison der Wassersportler", weiß Kirmes. Er rechnet im kommenden Jahr mit 7000 Booten, die von Anfang April bis Ende Oktober die beeindruckende Schleuse und damit den Spree-Abschnitt von Neubrück bis Drahendorf mit einer Länge von knapp elf Kilometern frequentieren werden. Die Schleuse, wie auch jene in Kossenblatt und Beeskow, werde dann per Kameras beobachtet und vom Wasser- und Bodenverband mit Sitz in Beeskow elektronisch bedient. Alle Schleusen können von den Nutzern kostenlos passiert werden.
Warum die Bau-Verzögerungen, Lothar Kirmes? "Die einzelnen Felder im sechs Meter breiten Fischpass wurden verlängert, damit auch laichreife Störe die Spree bei Neubrück passieren können." Projektleiter Ralf Reichert ergänzt: "Diese Fischaufstiegsanlage ist die Längste, Breiteste und Tiefste aller Fließgewässer des Landes Brandenburg."
Doch durch die geforderte Tiefe des Fischpasses seien die Bauleute beim 1904 eingeweihten Wehr auf Baugrundstörungen gestoßen, von den Fachleuten Mudde, also Seeschlamm genannt. "Zum Glück half uns Frank Jurisch mit seiner Firma TWB Boblitz", lobt Kirmes in Präsenz von Landrat Rolf Lindemann. Die Tief- und Wasserbau GmbH aus der Spreewald-Gemeinde Boblitz, berichtet Jurisch, könne auf eine lange und erfahrungsreiche Tradition seit 1963 zurückblicken. Er betont: "Unsere umweltbewusste und ökologisch nachhaltige Unternehmensphilosophie basiert auf einer starken Beziehung zur Natur. Sie ist dadurch geprägt, dass die Verantwortung, umweltschonend zu bauen, gerade in unserer Nachbarschaft extrem hoch ist. Wir haben gelernt, die Infrastruktur zu verbessern, ohne Landschaften zu beschädigen."
Überraschungen am Wehr
Jurisch und seine Experten waren technisch in der Lage, die bis zu vier Meter tiefe Sohle innerhalb von fünf Monaten zu betonieren. 67 exakt neun Meter lange Manschetten-Rohre aus Edelstahl wurden in den Betonkanal versenkt. Hinzu kamen T-Elemente mit einer Höhe von drei Metern, die auf der Sohle befestigt wurden. "Ich kann vor  der TWB Boblitz nur den Hut ziehen", sagt Lothar Kirmes respektvoll.
Was auffällt: Neben den Wegen zu den Bootsanlegestellen am Wehr entstehen Bienen-Wiesen. Gräser können am Uferrand wachsen und laden Insekten wie Wasservögeln zum Verweilen ein. Eine schöne Idee, die wohl auch jeden Tierfreund zufrieden stimmt.