Nach jahrelanger Sanierung ist das Schloss Groß Rietz nun fertig. Im August soll der neue Mieter, die Berliner Industrie- und Marketingagentur no.nonsense einziehen.
Über ihre Nutzungspläne wollte sich Geschäftsführerin Kathleen Wegenstein gestern nicht äußern. "Im August wird es eine Pressemitteilung geben", ließ sie kurz verlauten. Nach Angaben der Brandenburgischen Schlösser GmbH ist eine öffentliche Einweihung vorgesehen, zu der auch das Volk in die sanierten Schlossgemächer schauen darf. Am Mittwoch war Stefan Karner, Architekt bei der Schlösser GmbH, vor Ort, um die Arbeit der zahlreichen Handwerker abzunehmen. Wunderbar nach Befunden restauriert wurden die aus Eichenholz gefertigte dreiarmige Treppenanlage, die beiden Gartensäle mit ihren einzigartigen, frei modellierten Stuckdecken und die großzügigen Appartements im Obergeschoss. Einen heftigen, aber gewollten Kontrast bieten die zwei modernen Bäder, die für ein Wohnen im Schloss unverzichtbar sind.
In den Keller eingebaut wurden eine moderne Toilettenanlage. Ihr Vorhandensein ermöglicht Events mit größeren Besucherzahlen.
Erhaltenswertes wurde erhalten, Neues harmonisch eingefügt. Restaurierte Türen verfügen über aufgearbeitete eiserne Kastenschlösser wie über moderne Messing-Türklinken. Auch der Holzfußboden musste großflächig erneuert werden, aber im leicht schräg abgesackten, frisch geölten Treppenhaus atmet die Vergangenheit. Wie im Original durchzieht ein altrosa Streifen die ansonsten farblich individuell gestalteten Wände.
Für Karner ist das Schloss Groß Rietz wie "Versailles, nur viel, viel kleiner." Es sei eine barocke Insel in Brandenburg. Der symmetrisch angelegte prunkvolle Bau inmitten der Schlichtheit des Dorfes wurde zwischen 1693 und 1700 für Hans Georg von der Marwitz nach Plänen von Cornelius Ryckwaert erbaut. Sein Enkel verkaufte das Barockschloss an den preußischen Staatsminister Johann Christoph von Wöllner (1732-1800), verheiratet mit einer Gräfin von Itzenplitz. Als Ratgeber König Friedrich Wilhelms II. übte er großen Einfluss aus und war der Verfasser des Religionsedikts von 1788. In Groß Rietz widmete er sich der ökonomischen wie auch ökologischen Entwicklung in der Landwirtschaft. 1861 gelangten Gut und Schloss wieder in den Besitz der Familie von der Marwitz, wo es bis zur Enteignung 1945 verblieb. Nach 1990 übernahm die Brandenburgische Schlösser GmbH das Objekt und sanierte es.
Nach ihren Angaben beträgt die Nutzfläche 1100 Quadratmeter. Die Miete von 5,50 Euro pro Quadratmeter erscheint günstig, da die Sanierungskosten nicht umgelegt werden. Die Heizkosten (Gas) dürften jedoch erheblich sein. Warm wird es jedenfalls hinter den ehrwürdigen Mauern, das wurde gestern bei der Bauabnahme, die sich noch bis nächste Woche hinzieht, erfolgreich getestet.
Bauabnahme: Stefan Karner von der Brandenburgischen Schlösser GmbH vor der edlen Freitreppe.
Eine Augenweide: Im August sollen in das von innen und außen sanierte Groß Rietzer Schloss Mieter einziehen.
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