Die Stadt Friedland möchte dem Betreiber der Leißnitzer Fähre den Ausstieg aus dem Pachtvertrag anbieten und ihm gegebenenfalls auch eine außerordentliche Kündigung androhen. Damit reagiert sie als Eigentümerin der Fähre auf die gehäuften Beschwerden.
Die Friedländer Stadtverordneten haben sich während ihrer jüngsten Sitzung mit der Leißnitzer Personenfähre beschäftigt. Den Anstoß der Debatte, die teils im öffentlichen, teils im nichtöffentlichen Teil der Sitzung geführt wurde, gaben Beschwerden über den Betreiber der Leißnitzer Personenfähre. Die Liste der Vorwürfe gegen Michael Grabarz, die das ganze Jahr über von Tourismusverbänden, Fahrradfahrern, Wanderern, Wassersportlern, Dorfbewohnern, Gastronomen und Pensionsinhabern geäußert wurden, ist lang.
Sie reicht von gelegentlichen Unfreundlichkeiten des Fährpersonals über grobe Unpünktlichkeiten im Fahrplan bis hin zu unangekündigten Totalausfällen. Immer wieder klagten in dieser Saison Kunden über scheinbar willkürliche Wartezeiten. Auf das Bimmeln am Ranziger Ufer werde häufig nicht reagiert. „Der Fährmann verändert die Fährzeiten, ohne dies anzukündigen. Damit verstößt er eindeutig gegen die Pflichten, die im Pachtvertrag stehen“, sagt Friedlands Bürgermeister Thomas Hähle, der nur einen Steinwurf vom Fähranleger entfernt wohnt. Vor wenigen Wochen wurde die Seilwinde des Wasserfahrzeugs beschädigt. Die Urheber des Schadens konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.
Michael Grabarz hält sich gegenüber der MOZ bedeckt. Eine Stellungnahme zur Fähre lehnt er kategorisch ab. Da offensichtlich auch die Stadt als Eigentümerin des Wasserfahrzeugs auf wenig Kooperationsbereitschaft stößt, will sie den Betreiber zunächst einvernehmlich dazu bewegen, den Pachtvertrag aufzulösen. „Wir bereiten jetzt ein entsprechendes Angebot vor“, teilte Hähle nach der Stadtverordnetenversammlung mit. Falls Grabarz darauf nicht eingeht, wolle die Stadt prüfen, eine außerordentliche Kündigung zu erreichen. Als Begründung wurde eine Verletzung der im Pachtvertrag verankerten Pflichten genannt. Wie der Vorsitzende des Friedländer Tourismusvereins, Lutz-Bodo Knöfel, dem Stadtparlament mitteilte, sei der Fährmann inzwischen aus dem Tourismusverein ausgetreten.
Die Stadt Friedland hatte das Objekt, zu dem auch ein Imbissstand sowie ein Bootsverleih gehören, 2005 an die Familie Grabarz verpachtet. Für den Ausbau des alten Fährbüros zum Imbissstand samt Bootsverleih flossen Fördermittel. Seit 1999 versieht die Fähre, die bis zum Brückenbau in Fürstenberg/Oder über den Oder-Spree-Kanal schipperte, zwischen Leißnitz und Ranzig ihren Dienst. Viel Geld floss Ende der 1990er-Jahre in die Wiedereinrichtung der Fähre und den Bau der Fährtaschen.
Die Fähre ist ein Verbindungsstück zwischen dem Spreeradweg, der am Ranziger Seeufer vorbeiführt, und den Radwegen Beeskow-Sulecin sowie „Tour Brandenburg“, die auf Friedländer Territorium verlaufen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Knotenfunktion betonen die Tourismusverbände, wie wichtig eine zuverlässige Fährverbindung für die Region ist.