Mehr Züge und mehr Wagen – damit will die Bahn dem erhöhten Fahrgastaufkommen auf der RE1-Strecke zwischen Berlin und Frankfurt gerecht werden. Eine bessere Verbindung zwischen Beeskow und Fürstenwalde ist in absehbarer Zeit aber nicht zu erwarten.
Wie öffentlicher Nahverkehr in Zukunft funktioniert war ein Thema der Veranstaltung „VBB im Dialog“ am Donnerstag in Fürstenwalde. Beeskows Bürgermeister Frank Steffen mahnte dabei grundsätzliche Änderungen an: „Ich möchte um einen Perspektivwechsel bitten. Wir sind nicht ,da draußen‘, wir sind mittendrin. Beim Neubau von Wohngebieten werden wir in Beeskow immer gefragt, wenn man denn von Berlin hier her kommen kann. Für uns ins Beeskow ist es ein Großer Einschnitt, dass die Direktverbindung nach Fürstenwalde weggefallen ist. Auch psychologisch ist es unattraktiv, über Königs Wusterhausen nach Berlin zu gelangen. Von Beeskow nach Lieberose gibt es gar keine ÖPNV-Verbindung. Perspektivisch sollte man nicht nur in den bereits vorhandenen Linien denken.“ Man müsse „größer denken“, pflichtete Thomas Dill, Bereichsleiter für Nahverkehrs- und Quliätsmanagement beim VVB bei.
Für 2080 gebe er einer Linie  Beeskow – Fürstenwalde wieder eine Chance, sagte Jürgen-Peter Hiller vom Infrastrukturministerium des Landes. Über diesen Zeitrahmen gab es Gelächter im Saal. So lustig wie das jetzt klinge, sei sie gar nicht, ergänzte Christfried Tschepe, im Fürstenwalder Rathaus für die Stadtentwicklung zuständig. „Wenn die Trassen wieder entwickelt werden sollen, müssen wir heute die Weichen stellen und dürfen sie nicht mit Häusern verbauen.“
Storkows Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig bedauerte, dass die RE36-Linie, die Beeskow und Storkow in Richtung Berlin anbinde, die einzige sei, die nicht bis an das Berliner Ostkreuz führe.. „Das war noch das Ziel des vorhergehenden Plans. Wie sieht es in Zukunft aus?“, fragte sie. Ob der Umstieg in Königs Wusterhausen denn wirklich so eine Zumutung sei, fragte Jürgen-Peter Hiller vom Infrastrukturministerium zurück. In KW sei der Takt dicht.
Vor allem um Kapazitätsfragen ging es bei der RE1-Linie. Warum hängt die Bahn nicht einfach einen Wagen mehr an den Zug, mag sich manch ein Fahrgast fragen, wenn er eingequetscht zwischen Menschen, Fahrrädern und Taschen im Abteil steht. Doch so einfach ist es nicht. „Auf der RE1-Strecke haben wir kurze Bahnhöfe“, erklärt Thomas Dill, Bereichsleiter für Nahverkehrs- und Qualitätsmanagement der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH. Fünf Wagen können dort maximal stehen. Das entspricht 600 Sitzplätzen. Es soll sich ändern.
800 Sitzplätze nennt Dill als Ziel. Dafür müssen etliche Bahnsteige von 140 auf 210 Meter verlängert werden. Fangschleuse, Hangelsberg, Berkenbrück, Briesen, Jacobsdorf, Pilgram und Frankfurt (Rosengarten) sind in Dills Präsentation entsprechend gekennzeichnet. Die Verlängerung sei „nicht trivial“. Die Führung der Gleise müsse verändert, Signale müssen versetzt werden. Dennoch habe man Einvernehmlichkeit mit dem Land erzielt, in einer ersten Tranche die Bahnhöfe bis Eisenhüttenstadt zu verlängern. „Spätestens im Dezember 2025“, kündigte Dill an, sollen längere Züge fahren.
Bereits ab Dezember 2022 will die Bahn drei statt zwei Züge je Stunde zwischen Berlin und Frankfurt fahren lassen – wobei der zusätzliche Zug nur in Fürstenwalde und Erkner hält und nur in den Hauptverkehrszeiten unterwegs ist. Er sei „bekümmert“, dass der 20-Minuten-Takt nur bis Frankfurt gehen soll, sagte Eisenhüttenstadts Bürgermeister Frank Balzer.
Auch Erkner bereitet die Taktverdichtung Sorge – aus einem anderen Grund. „Wir stehen vor dem großen Problem, die Pendlerströme zu bewältigen“, sagte Karla Kosche aus der Stadtverwaltung. „Die Buslinien müssen nachziehen, damit wir als Kommune nicht zusammenbrechen.“