Es ging zu wie bei einer Versteigerung, wenn auch ohne Hammer. Monika Witte stand an einem Garderobenständer und pries ihren Gästen wortgewandt und mit Humor Hosen, Shirts, Pullover, Jacken, Kleider und Blusen an, die sie aus ihrem eigenen Kleiderschrank aussortiert hatte. Sie lobte Schnitt und Material, nannte die Größe und den Zweck, der schon mal bei einem Top zwischen Nachthemd und Freizeitshirt schwanken konnte. Ein Kleid wurde durch eine Storkowerin beigesteuert, ein edles Stück aus feinen Stoffen in feiner Verarbeitung. "Damit kann man in Storkow in den Burg-Salon gehen", warb Monika Witte.
Nach den "Klamotten" wurden diverse Kartons ausgepackt. Drinnen waren Büro- und Computerartikel, Lehrbücher, Kalender, sogar zwei dekorative Acrylgemälde von Laienkünstlerinnen. Auch zwei Bürostühle, Drehstühle von Ikea, bot sie wie warme Semmeln an, und eine Tasse. "Ach, die ist schon angeschlagen. Wer geht zum Polterabend?", scherzte die Hausherrin. Dieses und jenes Stück wurde dankbar angenommen, manchmal auch für die nicht anwesende Tochter oder eine Bekannte. Zum Würfeln bei mehreren Interessenten kam es diesmal nicht.
Die Idee solch einer Verschenkeparty hatte Monika Witte von ihrer 30-jährigen Tochter Tina aus Berlin. Sie hatte das schon verschiedentlich praktiziert. "Jeder hat Sac hen, die er scho n lange nicht getragen oder verwendet hat und die zu schade sind zum Wegwerfen", weiß sie. "Ich möchte die nicht an Wildfremde abgeben. Beim Verschenken weiß ich, dass es in gute Hände kommt, was beim Altkleidercontainer zum Beispiel nicht garantiert ist, und ich kann zu manchem Stück auch noch eine Geschichte erzählen." Sie sammelt das ganze Jahr über in Kartons alle die Sachen, die ihr in ihrem Haushalt als überflüssig in die Hände kommen.
Wichtig ist Mutter und Tochter, dass es keine Tauschbörse ist, sondern dass ausdrücklich verschenkt wird ohne die Erwartung einer Gegengabe. Kommen kann jeder, auch der, der nichts zum Verschenken mitbringt. Eine einzige Bedingung besteht jedoch: zur Party etwas Ess- oder Trinkbares beizusteuern. Das kann ein Kuchen sein, ein Salat oder auch nur eine Flasche Wasser.
Diesmal waren nur vier Damen und zwei Herren zu Gast, und es blieb viel übrig. Für Monika Witte ist das nicht entmutigend. Sie will, nachdem die Leute alle ihren Frühjahrsputz mit Entrümpelungen gemacht haben, noch einmal zur Verschenkeparty einladen und nun sehen, was sie von den Sachen noch der Storkower Tafel oder der Kleiderkammer des Roten Kreuzes in Storkow geben kann. Auch Lothar Scholz als Gast war zufrieden, denn "unterm Strich hat jeder von uns seine Beute gemacht".