Fast wäre die Bescherung am Strand schon zum dritten Mal ausgefallen. 2020 und 2021 waren wegen Corona Menschenansammlungen verboten, in diesem Jahr hatten die bösen Viren den Weihnachtsmann erwischt. Eine Vertretung zu bekommen, war nicht ganz einfach, wie man hört, auch in der Branche scheint der Fachkräftemangel akut.
Doch Ralf Müller schlüpfte in den roten Mantel, zeigte ein Herz für Kinder und auch die Erwachsenen, die sich gern am Nachmittag vor dem Fest am See zu einem Glühwein treffen und den Kindern zuschauen, wenn sie brav Gedichte aufsagen und Lieder singen, um dann das ersehnte Geschenk zu bekommen.

Weihnachtsmann beschenkt in Diensdorf-Radlow 47 Kinder

Alle haben es gut gemacht, manche besonders gut, wie Niklas Trettenbach. Der Sechsjährige hatte gestikulierend und mit klarer Stimme das Gedicht „Wann ist wohl Weihnachtszeit“ vorgetragen. Der Erstklässler hat es in der Schule gelernt. „Niemals hätte ich mich das getraut“, bekennt sein Vater Sven Schulze. Er habe sich als Kind lange vor dem Weihnachtsmann gefürchtet, weil dieser immer so eine schreckliche Maske getragen hätte. Niklas Mutter sagt, sie habe sich gern selbst als Weihnachtsmann verkleidet. Das Spielen scheint ihr bis heute im Blut zu liegen, denn zu Hause spukte in der ganzen Vorweihnachtszeit ein Wichtel. „Heute hatte er meine Schuhe in Folie eingewickelt“, erzählt Niklas strahlend.
Insgesamt hatte der Weihnachtsmann 47 Kinder zu beschenken. Weil er auch nicht mehr der Jüngste ist, durfte er sich setzen, zur Seite standen ihm das Rentier (Tino Weser), das den guten Alten per BMW-Oldtimer, Baujahr 1936, chauffiert hatte und sein Wichtel (Manfred Weniger). Die örtliche Feuerwehr unter Leitung von Edwin Ziegler sorgte traditionell dafür, dass der Platz am See weihnachtlich geschmückt war. An einer noch am Vormittag herangeschafften und in den Boden eingelassene Tanne leuchteten die Kerzen, in der großer Schale loderte das Feuer, heißer Glühwein und Kinderpunsch wurden an die über 100 Gäste ausgeschenkt.
Die örtliche Feuerwehr sorgt für weihnachtliches Flair und heiße Getränke.
Die örtliche Feuerwehr sorgt für weihnachtliches Flair und heiße Getränke.
© Foto: Ruth Buder

Seit 22 Jahren gibt es in Diensdorf-Radlow die Bescherung am See

Nach einer knappen Stunde waren alle Geschenke verteilt. Aber der Weihnachtsmann war auch danach noch heiß begehrt. Die kleine Lina wollte ihn unbedingt drücken, ein kleiner Junge fragte, ob er denn auch nach Rudow fahre, dort, wo er eigentlich zu Hause sei. Und das Fotografieren mit dem Weihnachtsmann wollte gar nicht aufhören. Der Ungeübte war mit dem Ablauf der Bescherung durchaus zufrieden. „Vor Menschen zu reden, ist gar nicht meine Sache. Aber alles gut gegangen“, freute sich der Inhaber eines Planungsbüros in Fürstenwalde.
Schon seit 22 Jahren gibt es in Diensdorf-Radlow die Bescherung am See. Bürgermeister Stefan Petrick, normalerweise der Weihnachtsmann, hatte in den beiden Corona-Jahren dafür gesorgt, dass die Bescherung nicht gänzlich ins Wasser fallen musste und mit seinen Gehilfen die Pakete an die Haustüren gebracht.