Kandidat Rolf Lindemann (SPD) ist der Mann, der als Dezernent und Beigeordneter bisher die größte Nähe zur und die besten Kenntnisse über die Kreisverwaltung hat. Auch Eberhard Sradnick (tritt für die Linke an) dürfte als langjähriger Abgeordneter einen guten Einblick haben. Über Erfahrungen in der öffentlichen Verwaltung verfügt auch Sascha Gehm (CDU), der als Jurist in der Stadtverwaltung Fürstenwalde tätig ist. Als Abgeordneter in Fürstenwalde dürfte auch Kai Hamacher (Piraten) sich in der Kommunalpolitik auskennen, ebenso Torsten Giesel, der Gastwirt aus Wellmitz, der im Ortsbeirat mitarbeitet.
Welche Aufgaben hat eigentlich ein Landrat? Er ist der Chef der Kreisverwaltung, Hauptverwaltungsbeamter und Repräsentant des Kreises. Die Bürger erwarten und haben ein Anrecht darauf, dass er ausreichend im Kreis präsent ist, sich auf wichtigen Veranstaltungen zeigt, auch Schirmherrschaften übernimmt.
Der Landrat als "allgemeine untere Landesbehörde", hat darauf zu achten, dass die Landesbehörden, wie zum Beispiel die Regionale Planungsgemeinschaft Oderland-Spree, in einer dem Gemeinwohl dienenden Weise zusammenarbeiten, er hat die Rechts-, Sonder- und Fachaufsicht über die Gemeinden und Ämter des Kreises, er hat Landesgesetze durchzusetzen und steht unter der Dienstaufsicht des Ministeriums des Innern.
In der Kreisverwaltung ist der Landrat nicht nur für die Abwicklung des Tagesgeschäfts zuständig, sondern in gewisser Weise auch für die Leitlinien der kommunalen Entwicklung verantwortlich. Die Beschlüsse fassen zwar die Abgeordneten des Kreistages, aber die zentralen Entscheidungen werden zumeist von der Verwaltung in das Gremium eingebracht.
Gewählt wird auch der jetzige Landrat für acht Jahre, so die Information aus dem Potsdamer Innenministerium. Was aber passiert, wenn mit den Kommunalwahlen 2019 auch die geplante Kreisreform umgesetzt wird und möglicherweise Frankfurt (Oder) und der Oder-Spree-Kreis fusionieren müssen? Die Frage: "Kann der neue LOS-Landrat automatisch auch der Landrat für den Großkreis Frankfurt/LOS sein?", bleibt offen.
Zum Forum mit den fünf Landratskandidaten lädt die Märkische Oderzeitung am Mittwoch um 19 Uhr in den Spreepark Beeskow ein


Warum wollen Sie Landrat werden und welche Erfahrungen können Sie dafür in die Waagschale werfen? Der zukünftige Landrat sollte über Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung verfügen. Durch meine Ausbildung und aus meiner Tätigkeit unter anderem in der Stadtverwaltung der Stadt Fürstenwalde/Spree weiß ich, welche Möglichkeiten und Herausforderungen mit der Führung einer Behörde verbunden sind. Darüber hinaus kann ich auch auf Erfahrungen aus der freien Wirtschaft zurückgreifen und habe mit dutzenden anderen kommunalen Verwaltungen zusammengearbeitet. Hierdurch kann ich mit frischem Blick auf die Probleme schauen, vor denen unser Landkreis steht und sie mit erprobten Methoden und neuen Ideen angehen. Was würden Sie als Landrat besser machen als Ihr Vorgänger? Ich denke, dass unser Landkreis an einigen Stellen noch mehr kann. Wir müssen dringend die Breitbandversorgung verbessern, damit unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und der ländliche Raum nicht abgehängt wird. Ich will die Vernetzung von Schulen und Unternehmen stärken, um einerseits die berufliche Orientierung zu erleichtern und andererseits dem drohenden Fach- und Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Der Kreis sollte sich stärker in der Frage des Ärztemangels im ländlichen Raum engagieren. Hier gibt es bereits gute Erfahrungen mit vom Kreis betriebenen Arztpraxen und angestellten Ärzten. Ich möchte mich für eine moderne und bürgerfreundliche Verwaltung mit hoch motivierten Mitarbeitern einsetzen. Schließlich möchte ich gegenüber dem Kreistag transparenter arbeiten und die Abgeordneten frühzeitiger in die wichtigen Entscheidungen einbinden, z.B. bei der Höhe der Kreisumlage. Was halten Sie von der Kreisgebietsreform und wo sollte die Kreisverwaltung Oder-Spree nach einer möglichen Fusion mit Frankfurt (Oder) ihren Sitz haben? Die Kreisgebietsreform halte ich für einen großen Fehler. Aktuelle Studien zeigen, dass die Kreisreform gerade nicht zu Einsparungen führt und damit unser Land zukunftsfähiger macht. Außerdem erhöht die Zwangsfusion von Kreisen und kreisfreien Städten die Politikverdrossenheit und schwächt das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt. Ich unterstütze daher die dagegen gerichtete Volksinitiative voll und ganz. Während die rot-rote Koalition im Landtag selbst über die zukünftigen Kreisstädte bestimmen möchte, läge die Frage des Sitzes der Verwaltung bei den neuen Kreistagen. Dabei sage ich ganz klar: Die Kreisverwaltung muss im heutigen Umfang mitsamt der Außenstellen in Beeskow erhalten bleiben. Ein Umzug wäre viel zu teuer, würde die Arbeit über eine lange Zeit lahm legen.

Warum wollen Sie Landrat werden und welche Erfahrungen können Sie dafür in die Waagschale werfen? Die Politik der etablierten Parteien ist an Willkür und Ermessensmissbrauch kaum noch zu überbieten. Sei es CO2-Verpressung, Fracking oder die Willkür des aktuellen Landrats, den Bürgern die Wahl ihres Kennzeichens nicht zu überlassen. Das sind nur einige Dinge, die hier gegen die Interessen der Bürger entschieden werden. Diese Art von Willkür beobachte ich nun seit 1996intensiv in der Kommunalpolitik und seit 2014 täglich selber in der Stadtverordnetenversammlung in Fürstenwalde. Ich möchte mich als Landrat dafür einsetzen, wichtige Entscheidungen weit im Vorfeld mit den betroffenen Bürgern zu diskutieren und sie darüber abstimmen zu lassen. Ermessensentscheidungen sind für den Bürger zu treffen. Ich trete für mehr Bürgernähe und Transparenz im Landkreis Oder-Spree an. Was würden Sie als Landrat besser machen als Ihr Vorgänger? Den Dialog mit den Bürgern verbessern, um Vertrauen in die Politik zurück zu holen. Es wird Zeit, dass sich Politik wieder in den Dienst der Bürger stellt. Drei Themen, die alle Bereiche berühren, sind:Bildung: Sie darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Die Ausbildungsbetriebe brauchen Auszubildende, die die Inhalte der Ausbildung verstehen und umsetzen können. In den Schulen muss das Lernen mit neuen Medien zum Schulalltag gehören und die personelle und materielle Ausstattung dafür muss gewährleistet sein.ÖPNV und Breitbandausbau: Nur durch gute Infrastruktur kann gegen die Abwanderung aus ländlichen Regionen im Landkreis Oder-Spree entgegen gewirkt werden. Betriebe und Arbeitnehmer werden nur dann in die ländlichen Regionen kommen oder dort bleiben, wenn sie eine gute Internetanbindung haben und ihre Mitarbeiter die Arbeitsstätten erreichen können. Transparenz und Bürgerbeteiligung: Ohne diese beiden wird es immer bei dem Kampf Verwaltung gegen die Bürger bleiben. Nur gemeinsam, Verwaltung und Bürger, können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.Was halten Sie von der Kreisgebietsreform und wo sollte die Kreisverwaltung Oder-Spree nach einer möglichen Fusion mit Frankfurt (Oder) ihren Sitz haben? Es kann nicht sein, dass über die Köpfe der Bürger derart wichtige Entscheidungen getroffen werden. Vergangene Kreisgebietsreformen zeigen, dass es keinerlei Vorteile für die Bevölkerung gab. In dieser Form ist eine solche Reform abzulehnen. Sollte es zu einer Zwangsfusion durch die Landesregierung von SPD und Linke kommen, sollte eine neue Verwaltung in Beeskow und Frankfurt verbleiben.

Warum wollen Sie Landrat werden und welche Erfahrungen können Sie dafür in die Waagschale werfen? Ein neues Gesicht bereichert die Kandidatenliste der bevorstehenden Landratswahl : Ich trete an, weil es zum ersten Mal die Möglichkeit gibt, von den Bürgern direkt gewählt zu werden. Unterstützt werde ich in meinem Entschluss auch von unserer Neißemünder Bürgermeisterin Ute Petzel und unseren ortsansässigen Kommunalpolitikern.Ich denke, der Landrat sollte jemand sein, der hier in der Region groß geworden ist und die Leute kennt. Auf der großen politischen Bühne bin ich bisher kaum in Erscheinung getreten. Doch ich bin bereits seit acht Jahren im Wellmitzer Ortsbeirat und als stellvertretender Ortsvorsteher tätig. Ich engagiere mich, weil ich zu meinem Ort und der Region stehe. Auch durch meine Arbeit als Gastwirt komme ich mit Menschen in Kontakt und erfahre ihre Sorgen und Probleme. Was würden Sie als Landrat besser machen als Ihr Vorgänger? Für den Fall meiner Wahl sind keine umwälzenden Veränderungen zu erwarten.Der Landkreis ist gut aufgestellt, denn der jetzige Landrat Manfred Zalenga macht sehr gute Arbeit. Als neuer Landrat würde ich eine Hallengebührenordnung erlassen wollen, sodass die Schulsporthallen des Landkreises auch durch die Vereine genutzt werden können. Zudem würde ich die finanzielle Unterstützung der Nicht-Stützpunktfeuerwehren anregen, wenn es darum geht, neue Löschgruppen und Tanklöschfahrzeuge anzuschaffen. Des Weiteren würde ich mich für mehr Investitionen in die Sozialarbeit an Grundschulen einsetzen. Ein letzter Punkt wäre die Wiedereinführung der alten Autokennzeichen für Eisenhüttenstadt (EH), Beeskow (BSK) und Fürstenwalde (FW), womit die Bürger ihre Heimatverbundenheit ausdrücken können. Was halten Sie von der Kreisgebietsreform und wo sollte die Kreisverwaltung Oder-Spree nach einer möglichen Fusion mit Frankfurt (Oder) ihren Sitz haben? Ich bin gegen die geplante Kreisgebietsreform und würde als Landrat auch dagegen steuern. Diese Reform würde mehr kosten als sie einsparen würde. Schon allein der Umzug der Ämter würde Millionen verschlingen. Zudem hätte die Kreisgebietsreform für viele Bürger längere Anfahrtswege zu den Ämtern und weniger Ansprechpartner zur Folge.

Warum wollen Sie Landrat werden und welche Erfahrungen können Sie dafür in die Waagschale werfen? Beim Rückblick auf 26 Jahre vielseitiger und interessanter Tätigkeit für unseren Landkreis - als Rechtsamtsleiter, Dezernent und Beigeordneter liegen die Motive wohl auf der Hand. Allein die Mitwirkung bei den wichtigsten Projekten wie dem Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung, der Kreisgebietsreform von 1994 und ihrer organisatorischen Umsetzung, der Arbeitsmarktreform Hartz IV oder der Flüchtlingsunterbringung hat mir die unterschiedlichsten Erfahrungen beschert. Wenn man dann mit Verweis auf das gemeinsam Erreichte aus dem Kollegenkreis, dem politischen Raum, aber auch von Bürgern angesprochen wird, für dieses Amt zu kandidieren, dann empfindet man einerseits eine wohltuende Resonanz, andererseits aber auch eine Verpflichtung.Was würden Sie als Landrat besser machen als Ihr Vorgänger? Vergleichende Werbung ist aus gutem Grund verpönt - und "besser" wäre in diesem Zusammenhang auch anmaßend. In den 15 Jahren unter Landrat Manfred Zalenga war mir jede gestaltende Freiheit eingeräumt und ich habe sie auch genutzt. Wir unterscheiden uns allerdings im Naturell und in der beruflichen Prägung. Deshalb werde ich viele Dinge selbstverständlich anders angehen und die Akzente anders setzen. Ich bin ein überzeugter Anhänger der kommunalen Selbstverwaltung. Denn diese eröffnet uns große Gestaltungsspielräume auf der lokalen und regionalen Ebene. Es liegt deshalb bei uns, ob wir eine Zuschauer- oder eine Mitmachdemokratie für erstrebenswert halten. Bürgerengagement bedarf aber der Unterstützung durch eine professionell aufgestellte Verwaltung, die schnelle und abgewogene Entscheidungen trifft, bei denen der Wille, Dinge zu ermöglichen, sichtbar werden sollte.Was halten Sie von der Kreisgebietsreform und wo sollte die Kreisverwaltung Oder-Spree nach einer möglichen Fusion mit Frankfurt (Oder) ihren Sitz haben? Der Landkreis Oder-Spree hätte diese Reform kaum nötig. Er ist mit Blick auf die Einwohnerwerte, die Haushaltswirtschaft und die Verwaltungskraft sehr solide aufgestellt. Wir sollten darauf achten, dass das so bleibt und am Ende ein fairer Interessenausgleich steht, ansonsten laufen Land und Landkreis Gefahr, jahrelang die Gerichte zu beschäftigen und sich selbst zu lähmen. An den guten strukturellen Gründen, die für Beeskow als Kreissitz sprechen: die Stärkung des ländlichen Raums, die zentrale Lage, die Aufwertung der Stadt durch die Kreisverwaltung, hat sich seit 1994 nichts geändert. Beeskow hat sich sehr gut entwickelt und der Kreisstadtverlust wäre eine Katastrophe.

Warum wollen Sie Landrat werden und welche Erfahrungen können Sie dafür in die Waagschale werfen? Ich bin der Meinung, dass der Landrat nicht direkt aus der Verwaltung kommen muss. Er muss bodenständig sein und Land und Leute kennen. Seit Jahren bin ich kommunalpolitisch aktiv - als Amtsausschuss-Vorsitzender, Fraktionsvorsitzender, Ausschussvorsitzender im Kreistag seit acht Jahren - und möchte nun meine beruflichen und gesellschaftlichen Erfahrungen in den Kreistag des Landkreises Oder-Spree einbringen.Was würden Sie als Landrat besser machen als Ihr Vorgänger? Der jetzige Landrat hat meiner Meinung nach eine sehr gute Arbeit geleistet. Zukünftig sollte mehr Transparenz in der Verwaltung das Ziel sein. Ich denke da besonders an das Kommunale Jobcenter, zum Beispiel bei der Berechnung der Kosten der Unterkunft. Der Landrat muss mehr Einfluss auf die Regionalplanung nehmen. Wir brauchen Fortschritte bei den erneuerbaren Energien (Windkraft und Solar). Der öffentliche Personennahverkehr muss rekommunalisiert werden, um die kommunale Infrastruktur zu stärken und den ländlichen Raum für Pendler und ältere Bürger attraktiver gestalten zu können.Für mich ist es sehr wichtig, dass sich die Mitarbeiter der Kreisverwaltung als Dienstleister für den Bürger verstehen und dementsprechend arbeiten. Was halten Sie von der Kreisgebietsreform und wo sollte die Kreisverwaltung Oder-Spree nach einer möglichen Fusion mit Frankfurt (Oder) ihren Sitz haben? Grundsätzlich werde ich mich für die Kreisgebietsreform aussprechen. Bedingung dafür ist allerdings, dass sie finanziell in allen Fragen abgesichert ist. Diese Reform muss mit allen Konsequenzen erfolgen. Die Teile der Verwaltung, die viel Bürgerkontakt erfordern (Jugendamt, Jobcenter oder KWU) sollten mit all ihren Außenstellen im Landkreis erhalten bleiben. Die demographischen Veränderungen im Land zwingen uns darüber nachzudenken, wie wir in 10 bis 20 Jahren eine handlungsfähige Verwaltung aufrechterhalten können. Ich sehe hier auch Reformbedarf und finde zudem eine teilweise Übertragung einiger Landesaufgaben auf die Kreisebene sinnvoll, um dem Landkreis mehr Einfluss auf politische Fragen zu geben. Die demokratische Kontrolle und Einflussmöglichkeit auf die Kreisverwaltung müssen ausgebaut werden.Zukünftig wird der Kreistag durch mehr Professionalität geprägt werden müssen. Zwar schlägt mein Herz für Beeskow, aber die Frage nach der zukünftigen Kreisstadt ist für mich nicht von besonderer Priorität. Wichtig ist, dass der Bürger durch fachlich gut besetzte und freundliche Bürgerbüros in Wohnortnähe beraten und betreut werden kann.