Das Ende des Bayerngas-Engagements im Raum Beeskow-Friedland hatte sich mit der Schließung des Kontaktbüros auf der Spreeinsel Ende Oktober schon angedeutet, jetzt ist es offiziell: Wie Bayerngas-Sprecher Dirk Bartz auf Anfrage mitteilt, zieht sich seine Firma aus dem Erdgas-Förderprojekt komplett zurück. Man wolle sich auf die Kernkompetenzen konzentrieren: Den Vertrieb von Erdgas an Großabnehmer, Industrie und Stadtwerke. "Es ist zu viel Gas im Markt, das drückt die Preise", erläutert der Bayerngas-Sprecher. Somit sei eine Förderung in Deutschland nicht mehr notwendig und auch nicht mehr rentabel.
Das Projekt könnte in der Region dennoch eine Fortsetzung finden. Denn Bayerngas will die "Lizenz Reudnitz" an die Berliner Firma Genexco weiterreichen. Deren Mitinhaber Eckhard Oehms ist in der Region kein Unbekannter: Als Chefgeologe hatte er im Auftrag der Firma Bayerngas auf zahlreichen Bürgerversammlungen und Infoveranstaltungen das Vorhaben der Münchner erläutert. Der Antrag zur Übertragung der Lizenz an die Firma Genexco liegt beim Landesbergbauamt zur Prüfung", teilt der Bayerngas-Sprecher mit.
Oehms schwebt im Falle eines positiven Bescheids vor, das Projekt "im deutlich kleineren Maßstab" weiterzuverfolgen. Denkbar sei eine Pilotproduktion von Stickstoff und Methan. Dafür sei allerdings ein neuer Test am gesicherten Bohrloch notwendig, das sich zwischen den Ortschaften Beeskow, Oegeln Krügersdorf und Schneeberg befindet.Dort war von Juli bis Dezember 2014 der Bohrturm gestanden. Im Anschluss gab es eine mehrtägige Testphase, die sich optisch vor allem durch eine kilometerweit leuchtende Fackel bemerkbar gemacht hatte. "Gas ist da, es ist aber zu überprüfen, ob das wirtschaftliche Mengen sind", sagt der Geologe. Der Test würde stark vereinfacht so aussehen: In das Bohrloch wird ein Schlauch eingelassen. Mit dessen Hilfe wird der Zufluss des Gasgemisches gemessen. Als Zeitpunkt nennt Oehms die zweite Jahreshälfte 2018. Der Geologe bietet an, sämtliche gewonnenen Daten der Stadt Beeskow zur Verfügung zu stellen, und zwar unabhängig vom Ergebnis des neuen Tests. "Man kann damit viel machen, zum Beispiel ein Wärme-Projekt".
Mit dem Rückzug der Firma Bayerngas endet also vorläufig ein Projekt, das in das Jahr 2012 zurückreicht. Damals erwarben die Münchner 75 Prozent der Lizenz Reudnitz, 2013 erwarb Bayerngas die restlichen 25 Prozent. Dem Energieversorger wurde vom Landesbergbauamt die Betriebsführerschaft zugesprochen. Es folgten seismologische Erkundungen mit geländegängigen Fahrzeugen, die mit Rüttelplatten versehen waren. Im Januar 2013 tagte das erste Mal das Begleitgremium, in dem neben den Investoren auch Vertreter der beteiligten Kommunen organisiert sind. Im Februar 2013 eröffnete Bayerngas ein Informationsbüro auf der Spreeinsel. Im Oktober wurde der Standort der "Bestätigungsbohrung" festgelegt. Im Sommer 2014 begannen die Bauarbeiten am Bohrturm. Nach Beendigung der Bohrung folgte eine Testphase: Das Gasgemisch - es handelt sich ungefähr um 80 Prozent Stickstoff und 20 Prozent Methan - wurde kontrolliert ausströmen gelassen. Da das Gemisch nicht brennbar ist, wurde es mit Hilfe von Stützgas abgefackelt, was vor allem nachts weithin sichtbar war.
Seit Ende Januar 2015 ist am Bohrplatz Ruhe eingekehrt: Das Bohrloch ist gesichert, es folgte eine Auswertungsphase, die bis heute anhält.