Seit wenigen Tagen ist eine junge Beeskowerin auf dem Weg ins ewige Eis. Julika Zinke ist Teilnehmerin der Mosaic-Summer-School, ein Projekt des Alfred-Wegener-Instituts. Die Doktorandin der Universität Stockholm hatte sich gemeinsam mit etwa 250 anderen Bewerbern um die Teilnahme an der Expedition beworben und ist nun eine von 20, die es tatsächlich geschafft haben.

Am Samstag legte ihr Schiff, der russische Eisbrecher Akademik Fedorov, im norwegischen Tromsø ab. Das Schiff begleitet den Forschungseisbrecher Polarstern etwa sechs Wochen lang auf dessen einjähriger Expedition in der Arktis.
Für die 24-Jährige ist es schon die zweite Polar-Expedition. 2018 fuhr sie an Bord des schwedischen Eisbrechers Oden zum Nordpol. Während Julika Zinke im vorigen Jahr den Polartag erlebte, wird sie dieses Mal die Polarnacht erleben. Das heißt, sie wird erleben, wie wochenlang die Sonne nicht aufgeht. Beim Polartag ist es genau umgekehrt: Die Sonne geht im Tagesverlauf nicht unter.

Dieses Mal ist das Vehikel der jungen Wissenschaftlerin der russische Eisbrecher Akademik Fedorov. Das Stahl-Ungetüm ist dem deutschen Forschungs-Eisbrecher Polarstern am Samstag gefolgt, nachdem dieser bereits am Vortag von Tromsø aus vorausgefahren war. Die Fedorov wird die Polarstern einholen und einige Wochen lang begleiten, bis das wissenschaftliche Personal von einem anderen Eisbrecher abgelöst wird. Am 1. November wird Julika Zinke wieder norwegisches Festland unter ihren Füßen haben, bis dahin ist sie wie die anderen Teilnehmer der Mosaic-Summer-School elektronischer Kommunikation abgeschnitten. "Das empfinde ich als sehr produktiv, weil man die ganze Zeit über nicht abgelenkt ist."

Neben zahlreichen Vorlesungen, die die Inhaberin des Masters der Meteorologie an Bord hört, wird Julika Zinke auch praktische Arbeiten erledigen. Zu den Tätigkeiten zählt die Errichtung eines Mess-Netzes auf einer riesigen Eisscholle. Ob sie sich für die Arbeit in arktischen Temperaturen mit spezieller Kleidung eingedeckt hat? "Nein, wir werden selbstverständlich komplett vom Alfred-Wegener-Institut ausgerüstet."

Julika Zinke hatte im Sommer ihren Master-Abschluss an der Universität Stockholm im Fach Meteorologie abgelegt. In ihrer Abschlussarbeit schrieb sie über Messinstrumente, die Wolkenwasser sammeln und auswerten können. Nun ist sie Doktorandin am Institut für Atmosphären-Chemie und Umweltwissenschaften der Universität Stockholm. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie Aerosole (kleine Partikel), die zur Wolkenbildung beitragen.

Gutes Rüstzeug erhalten

Offenbar hat sie in Beeskow ein gutes Rüstzeug für ihre wissenschaftliche Karriere erhalten. im Jahr 2013 erwarb Julika Zinke am Rouanet-Gymnasium ihr Abitur. Mehrmals hatte sie sich mit Erfolg an Matheolympiaden beteiligt. Im vergangenen Jahr hat sie vor dem Physik-Leistungskurs über ihre Expedition an Bord der Oden berichtet. Als Schülerin hatte sie sich auch in der Jugendredaktion des Oder-Spree Journals engagiert.
Forscher aus 19 Nationen werden im Rahmen der Mosaic-Expedition mehr als ein Jahr unterwegs sein, um Klimadaten zu sammeln. Die Projektkosten betragen rund 140 Millionen Euro, etwa die Hälfte zahlt Deutschland. Die Arktis ist für die Klimaforschung zentral, denn keine Region der Welt erwärmt sich schneller. Gleichzeitig gib es Wissenslücken, was die weitere Erwärmung angeht. Mosaic soll die Vorhersagen präzisieren. Und helfen, Umweltkatastrophen in unseren Breiten vorherzusagen, heißt es in einer Presseerklärung des Alfred-Wegener-Instituts.
Die genaue Position der Akademik Fedorov auf ihrer Reise in die Arktis findet man unter: https://www.marinetraffic.com/de/ais/details/ships/273412710
Weitere Infos zur Expedition gibt es hier: https://www.awi.de/expedition/schiffe/polarstern.html