Am Anbau in der Liebknechtstraße, direkt neben dem Frauenladen, weist ein unauffälliger Zettel an der Tür auf den Verein hin. Malerutensilien säumen den Weg hinauf in die großen Räume, die für Gebete vorgesehen sind. Eine selbstgebaute Holzkanzel steht für den Imam bereit, der mal aus Frankfurt, mal aus Fürstenwalde kommt. In einem hinteren Raum rattern dann Nähmaschinen und Bügeleisen glätten. 50 bis 60 Mundschutzmasken entstehen hier täglich für soziale Einrichtungen in der Stadt wie Bumerang-Verein, Beeskomm, Hüfnerhaus sowie Privatpersonen.
Die ganze Welt in einem Raum
Vor einem Jahr haben Alshash und Zreik im Rathaus ihre Ideen für einen interkulturellen Verein vorgestellt. Mit Hilfe der RAA (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie) stellten sie dann "Mosaik" auf die Beine. Das erste Treffen fand im Juni statt. Seit Februar 2020 haben sie die Räume von der Stadt bekommen, müssen nur Nebenkosten zahlen. 68 Mitglieder aus 14 Staaten zählt der Verein mittlerweile. Sie kommen unter anderem aus Syrien und Tschetschenien, dem Tschad und Albanien, dem Sudan und Afghanistan. Fast alle leben in Beeskow. "Ich habe einfach immer allen von meinen Ideen erzählt", lacht Alshash. Sie kann begeistern und mitreißen. "Alle wollten mitmachen – jeder, wie er kann."
Die Projekte-Liste des Vereins ist lang. Sie reicht von Sprachkursen in Deutsch und Arabisch über gemeinsames Kochen von Gerichten aus den Herkunftsländern der Mitglieder, Ausflüge mit Paddelboot und festliche Besuche in Pflegeheimen, Musik- und Bastelstunden bis hin zu regelmäßigen Festen und Gebeten. "Wir wollen auch Sport für Frauen anbieten", so Alshash, die selbst gern joggt. Freundin Zreik schlägt außerdem Tanzen wie Samba vor, eine weitere Frau ist für Yoga. "Etwas Neues zu probieren, ist ein tolles Erlebnis", sagt die Vorsitzende Alshash. Für Kinder soll es Mathe- und Englischstunden geben.
Razan Alshash ist selbst Mathematik-Lehrerin. Sie kam vor drei Jahren nach Beeskow, als ihr Mann Mohammmad Nasrullah, ausgebildeter Ton-Ingenieur und 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen, sie nachholen konnte. Er wartet nun auf Praktikum und anschließende Arbeit beim Radio "Multikulti" in Berlin, was wegen der Corona-Krise verschoben wurde. Solange hilft auch er, der Schatzmeister des Vereins, beim Maskennähen. Seine Frau hat in drei Jahren Deutschkurse bis zum Niveau C2, dem Muttersprach-Niveau, absolviert und schon als Vertretungslehrerin an einer Grundschule gearbeitet.
"Alle sollen Hilfe bekommen"
Leider haben sie und ihre Freundinnen nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Auch wenn sie es ungern erzählen, Anfeindungen und Diskriminierung – vom Bespucken oder Anrempeln auf der Straße bis zu vertreibenden Rufen von Balkonen – erleben sie alle immer wieder. "Wir haben uns daran gewöhnt", meint Freundin Samar Zreik, die vor viereinhalb Jahren aus Syrien kam und Alshash später über deren Mann und das Hüfnerhaus kennenlernte. Die Frauen stützen und beschützen sich hier.
"Ich habe auf diesem harten Weg viele Probleme gehabt, aber die Hilfe von einer deutschen Freundin hat mich sehr nach vorn gebracht", erinnert sie sich. "Jetzt wünsche ich mir, dass alle Menschen hier solche Hilfe bekommen können." Auch das will sie mit dem Verein: Vorurteile abbauen. "Wir können aus unseren Kulturen viel Schönes zeigen", ist sie überzeugt.
Sobald die Corona-Kontaktsperre aufgehoben wird, soll das volle Programm starten. "Momentan lernen wir Frauen über Internet zusammen für die theoretische Fahrschulprüfung", erzählt sie. Und das aus der Corona-Krise geborene Projekt "Miteinander füreinander" laufe gut: Mitglieder kaufen für ältere Menschen in Beeskow ein. Und im Vereinsraum rattern weiter die Nähmaschinen, die bunte Masken für die Stadt erstellen.