Gewöhnlich fährt die S-Bahn-Linie der S2 von Bernau aus nur nach Blankenfelde (wenn sie denn fährt). Am heutigen Donnerstag ist es allerdings anders, da macht sie zusätzlich auch in Potsdam Station: im Brandenburger Landtag. Diskutiert wird dort nicht nur über einen Antrag der Landtagsfraktion von BVB/Freie Wähler, die für die S2 ab Bernau einen Testbetrieb fordert, um einen Zehn-Minuten-Takt zu erproben. Diskutiert wird zugleich über ein Koalitionspapier von SPD, CDU und Grünen. Worum es im Detail in den Anträgen geht, wie man die Debatte online live verfolgen kann und was es für mögliche Ausgänge gibt – wir geben die Übersicht.

Wann startet die Debatte und wo geht es zum Livestream?

Die Zeitpläne im Brandenburger Landtag sind streng durchgetaktet. Die S-Bahn ist als vierter Tagesordnungspunkt an der Reihe. Starten soll die Debatte um 13.10 Uhr. Insgesamt sind dafür 45 Minuten vorgesehen. Und wer nicht im Besucherbereich sitzt, kann die Diskussion auch live am Bildschirm verfolgen. Der Livestream ist über die Internetseite www.landtag.brandenburg.de abrufbar.

Was wollen BVB/Freie Wähler?

Der Titel des Antrages sagt schon fast alles: „10-Minuten-Takt für die S2 bis Bernau konkret angehen: Testbetrieb schon 2021 starten.“ Gefordert wird von BVB/Freie Wähler, dass bei der S2 zunächst ab dem ersten Quartal 2021 ein dreimonatiger Testbetrieb in den Stoßzeiten der Werktage erfolgen soll. Nach Auswertung dieser Phase soll die Landesregierung aufgefordert werden, ab Ende 2021 einen regulären 10-Minuten-Takt zu den Hauptverkehrszeiten zu ermöglichen. Zudem sollen bis 2026 weitere Züge erworben werden, damit spätestens zeitgleich zur Erstellung des neuen kommunalen Nahverkehrsplans ein regulärer und genereller 10-Minuten-Takt umgesetzt werden könne.

Was wollen die Koalitionsparteien aus SPD, CDU und Grüne?

Die Beschlussvorlage der Kenia-Koalition mit dem Titel „Pendlerland Brandenburg“, die man durchaus als Reaktion auf den Antrag von BVB/Freie Wähler verstehen kann, beschäftigt sich nicht nur mit der S2. Es geht um die Entwicklung aller Außenäste der S-Bahn – also auch der S1 (Oranienburg) und S5 (Strausberg). Von „schnellstmöglich“ ist hier die Rede. Der Antrag sieht unter anderem vor, einen 10-Minuten-Takt „mit der vorhandenen Infrastruktur“ zu den Hauptverkehrszeiten prüfen zu lassen.

In welche Richtung könnte die Debatte gehen?

Wenn die Koalitionäre selbst ein Papier ins Plenum einbringen, darf man davon ausgehen, dass es auch verabschiedet wird. Fest steht aber: In dem Antrag ist zwar von einer Prüfung des 10-Minuten-Taktes auf den Außenästen mit der vorhandenen Infrastruktur die Rede, es wird allerdings keine zeitliche Frist für die Prüfung genannt. Das ist auch der Grund, weshalb BVB/Freie Wähler einen Änderungsantrag planen, wie Fraktionschef Péter Vida der MOZ bestätigte. Man wolle empfehlen, beiden Anträgen zustimmen, betont Vida. Er fordert aber zugleich eine „spezifische Lösung“ für Bernau. Und das aus zwei Gründen: Zum einen, weil in Bernau keine Prüfung der Infrastruktur nötig sei, da ein 10-Minuten-Takt auch ohne Zweigleisigkeit möglich ist. Die Landesregierung selbst habe das bestätigt. Zum zweiten, weil es nach Angaben von Vida an „keinem eingleisigen Außenast der S-Bahn so viele Einwohner je Kilometer gibt wie hier in Bernau und Panketal“. Der Einzugsbereich der Brandenburger Bahnhöfe entlang der S2 liege bei etwa 100.000 Menschen.

Seit wann wird über den 10-Minuten-Takt in Bernau diskutiert?

Gefühlt ewig, konkret seit mehr als zehn Jahren. Konkrete Ergebnisse aber sind stets ausgeblieben. Vor fünf Jahren noch hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner erklärt, er könne sich eine Taktverdichtung bei der S2 zwischen Bernau und Buch gut vorstellen. Ermöglicht werden sollte das über die Verlängerung des Ausfahrtsgleises am Bernauer Bahnhof um 200 Meter. Doch Buchner betonte auch, dass dafür eine Bestellung der Leistung durch die Länder Brandenburg und Berlin Voraussetzung sei. Und die blieb aus.

Wie lautet die Prognose?

Dass der 10-Minuten-Takt ab Bernau realisiert wird, scheint nach aktuellem Stand nur eine Frage der Zeit zu sein. Praktisch wird er von keiner Seite strikt abgelehnt. Die Bürger wollen ihn, die Kommunen wollen ihn, selbst das Land Berlin will ihn. Und auch die Koalitionsparteien der Brandenburger Landesregierung signalisieren mit ihrem Vorstoß, dass er gewollt ist. Doch alles hängt weiter an der Zeitfrage. Im aktuellen Landesnahverkehrsplan ist zwar das Ziel enthalten, auf allen Außenästen der S-Bahn – einschließlich der S2 – ein Angebot im 10-Minuten-Takt zu ermöglichen. Ein Zieldatum gibt es aber nicht. Es ist lediglich von „langfristig“ die Rede. Ob nun auch kurzfristig etwas möglich ist, hängt nach Meinung von Bahn-Experten vor allem davon ab, wie es mit zusätzlichen Zügen aussieht. Denn diese werden für eine Taktverdichtung zweifellos benötigt.