Im Ringen um den 10-Minuten-Takt für die S-Bahn-Linie S2 ab Bernau will die Landtagsfraktion BVB/Freie Wähler den Druck noch einmal erhöhen. „Uns reicht der Antrag der Brandenburger Koalitionäre nicht aus, wir werden einen Änderungsantrag vorbereiten“, sagt der Fraktionsvorsitzende Péter Vida gegenüber der MOZ. Er verlangt eine „spezifische Lösung“ für Bernau. Zudem soll eine konkrete Jahreszahl für die Prüfung der Taktverdichtung definiert werden.
Die Regierungsparteien aus SPD, CDU und Grünen hatten zu Wochenbeginn etwas überraschend einen Koalitionsantrag verabschiedet, der die Entwicklung der S-Bahn an allen Außenästen zum Ziel hat. Er sieht unter anderem vor, einen 10-Minuten-Takt „mit der vorhandenen Infrastruktur“ zu den Hauptverkehrszeiten prüfen zu lassen – darunter auch für die S2.

Nötige Infrastruktur sei bei S2 schon vorhanden

Nach Ansicht von Vida müsse dies für Bernau, wo der Abschnitt bis Buch bislang nur alle 20 Minuten bedient wird, nicht geprüft werden. Die nötige Infrastruktur sei bereits vorhanden, so Vida. „Wir brauchen kein zweites Gleis.“ Er verweist dabei unter anderem auf eine Antwort der Landesregierung im April. Darin hieß es: „Eine zweigleisige Strecke ermöglicht den unabhängigen Betrieb beider Richtungen, sie ist aber keine zwingende Voraussetzung für die Umsetzung eines 10-Minuten-Taktes.“

Abstimmung am 24. September im Landtag

Vida sieht in dem nun vorliegenden Koalitionsantrag vor allem „eine Reaktion auf unseren Antrag“. BVB/Freie Wähler hatten bereits Ende August eine Vorlage eingebracht, die die Regierung auffordert, im Jahr 2021 einen dreimonatigen Testbetrieb des 10-Minuten-Taktes bei der S2 zu starten.
Dass die Koalition nun selbst einen Antrag stelle, in dem es um Taktverdichtungen bei der S-Bahn geht, zeigt laut Vida, dass „der Druck größer wird“. Beide Anträge werden kommende Woche, am 24. September, im Potsdamer Landtag im Block diskutiert. Abgestimmt wird darüber jedoch einzeln.

Berliner Senat reagiert auf Pläne aus Brandenburg

Inzwischen hat sich auch die Berliner Senatsverwaltung zum Vorstoß der Brandenburger Koalitionäre zu Wort gemeldet. „Grundsätzlich werden Angebotsverbesserungen auf den S-Bahn-Abschnitten im Land Brandenburg durch das Land Berlin natürlich positiv bewertet“, teilt der Verkehrssenat auf Nachfrage der MOZ mit.
So könne das Angebot im Stadt-Umland-Verkehr weiter gestärkt werden, wodurch die Pendlerverkehre der gesamten Hauptstadtregion profitieren könnten. Es gibt allerdings eine wesentliche Einschränkung, nämlich: „Das Ziel einer Umsetzung ausschließlich mit der vorhandenen Infrastruktur müsste von Berlin und Brandenburg zunächst gemeinsam geprüft werden.“ Heißt: Ohne Berlin geht bei diesem Thema nichts.
Dass Brandenburg eine bessere Anbindung bei der S-Bahn im Sinn hat, ist grundsätzlich nichts Neues. Der aktuelle Landesnahverkehrsplan, der bis 2023 gilt, enthält die Zielsetzung, auf allen Außenästen der S-Bahn langfristig ein Angebot im 10-Minuten-Takt betrieblich zu ermöglichen. Dazu laufen im Rahmen des Schienenausbauplans „i2030“, den die Brandenburger und Berliner Regierungen gemeinsam verabschiedet haben, bereits seit Längerem Prüfungen durch die Deutsche Bahn.

Koalitionsparteien haben nicht nur S2 im Blick

Neu ist nun, dass geprüft werden soll, unter welchen Bedingungen und zu welchen Kosten eine Taktverdichtung schon kurzfristig möglich wäre. „Wir müssen langsam nach vorne kommen und die nächsten Schritte einleiten“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Nicole Walter-Mundt, dazu bei einem Ortstermin am Dienstag in Oranienburg. Betrachtet werden dabei nicht nur S1 und S2. Im Fokus liegen auch die Linien der S5 (Strausberg) und der S8 (Königs Wusterhausen). Laut Walter-Mundt gehe es letztlich darum, zügig in die Genehmigungsplanung einsteigen zu können.
Absehbar bleibt aber, dass am Ende das Geld nicht reichen wird, um alle Wünsche nach Investitionen ins Schienennetz und für Taktverdichtungen erfüllen zu können. Der Koalitionsantrag fordert deshalb von der Landesregierung auch, beim Bund mehr Geld für den Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs zu verlangen.

Sind genügend Züge vorhanden?

Eine wichtige Rolle neben der Infrastruktur dürfte auch die Frage spielen, ob für eine Taktverdichtung ausreichend Züge vorhanden sind. Und falls nicht, wie man an neue kommt. Denn Fakt ist: Auf die Fahrzeug-Lieferungen, die im Zuge der jüngst gestarteten Ausschreibung des Berliner Senats erwartet werden, muss man noch etliche Jahre warten. Die Betriebsaufnahme der neuen Züge soll frühestens 2027 erfolgen.