Jetzt gehe es daran, die Satzung in Sachen Straßenbau zu ändern. Wie genau, das müsse noch ausgelotet werden. "Man könnte beispielsweise den Bürgern mehrere Varianten eines Ausbaus präsentieren, aus denen sie eine auswählen können." Möglich sei künftig auch, dass eine Straße gar nicht ausgebaut wird, wenn die Mehrheit der Anlieger dagegen ist.
Dass sich künftig im Straßenbau gar nichts mehr tut, weil die Bürger die Kosten scheuen, sei aber nicht zu befürchten, denkt Vidá. "Wir haben im Vorfeld zahlreiche Gespräche geführt. Die meisten Anlieger wollen einen Ausbau, nur nicht in einer völlig überdimensionierten Form. Sie wünschen sich eine kostengünstigere Variante."
Das könnte jedoch in einigen Fällen schwierig werden, erklärt Elke Keil (SPD). "Wir müssen die gesetzlichen Vorgaben beachten, darüber können wir uns nicht hinweg setzen."
So sieht das auch Dagmar Enkelmann (Linke). "Es gibt Interessen, die höher zu bewerten sind als der Bürgerwille." Als Beispiel nennt sie Straßen, die als Schulweg dienen. Die Linken-Fraktionsvorsitzende sieht den Entscheid als Fortführung der Bürgerbeteiligung, die es bislang schon gebe. "Die Anwohner wurden ja bislang auch beteiligt. Die Schwachstelle war nur, dass die Bürger bislang nicht mitentscheiden konnten, ob überhaupt gebaut wird oder nicht."
Auch Frank Goral (CDU) sieht keine großen Konsequenzen aus dem Bürgerentscheid. "Wir haben in den Anliegerversammlungen ja bislang auch schon immer mögliche Varianten vorgestellt und die Anregungen der Bürger aufgenommen." Er befürchtet, dass der soziale Frieden innerhalb der Nachbarschaft gefährdet wird, wenn sich eine knappe Mehrheit gegen den Straßenausbau ausspricht und die anderen dafür sind. "Da prallen dann ja ganz unterschiedliche Meinungen aufeinander."
Für Bernaus Bürgermeister Hubert Handke (CDU) ist es nun Aufgabe der Verwaltung, "ein Verfahren zu entwickeln, das das Ergebnis dieses Bürgerentscheids konkret umsetzt". Trotz inhaltlich unterschiedlicher Auffassung finde er es grundsätzlich gut, dass der erste Bürgerentscheid positiv ausgegangen ist, so der Rathauschef.
"Wir haben erkannt, dass wir eine neue Art der Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft brauchen", betonte die Leiterin des städtischen Hauptamtes. Mit der Bürgerbeteiligung wolle man künftig die "Legitimität der politischen Vertretung in Bernau erhöhen".
Die Stadtverordneten müssen nach dem Entscheid nun erst einmal eine neue Satzung erarbeiten.