"Ich will Weltmeister werden", erklärt Maximilian Mätzkow vom ESV Eberswalde ohne lange zu überlegen auf die Frage, wie weit er es im königlichen Spiel noch bringen will. Er fügt gleich hinzu, dass er den Titel dann zwei Jahre lang verteidigen will. Sein Vorbild ist der amerikanische Ex-Weltmeister Bobby Fischer.
"Max", wie ihn seine Freunde nennen, ist seit 1.Januar in den Schach-Bundeskader berufen worden. Daher ist diese Zielstellung in Richtung Weltmeister zu verstehen. Aber aus dem Mund eines zehnjährigen Schülers verwundert ein derart konkretes Ziel schon.
Mit viereinhalb Jahren fing der Eberswalder an, Schach zu spielen. Wer nun glaubt, dass die Mätzkows eine schachverrückte Familie sind, irrt gewaltig. "Bei uns hat früher keiner Schach gespielt", stellt Maximilian klar. Seine ersten Schritte lernte er im Schachteam des SV Motor Eberswalde. Trainerin Mandy Barna hatte ihn angesprochen, ob er es nicht einmal versuchen wolle.
"Das will ich mir erst einmal überlegen", war seine erste Reaktion. Nach einer Woche sagte er zu. "Mir hat es dort gefallen. Es waren viele Kinder da und es hat viel Spaß gemacht", erinnert sich der Zehnjährige. Da sei er dann "einfach dabei geblieben".
Bereits mit fünf Jahren gewann er sein erstes Turnier. Mit sieben Jahren war er der beste Deutsche bei den offenen Deutschen Meisterschaften seiner Altersklasse. "Von da an hat es mir richtig Spaß gemacht und ich habe immer weiter gespielt", sagt das Schachtalent aus dem Barnim. Weitere Erfolge blieben nicht aus: Unter 46Teilnehmern belegte er den dritten Platz bei den EU-Meisterschaften. Da war er gerade acht Jahre alt. Um so etwas zu erreichen, heißt es auch fleißig trainieren. Ein bis zwei Stunden pro Tag wird zu Hause geübt und zwei Mal in der Woche geht es in den Verein. Seit 1.Januar 2011 spielt er beim ESV Eberswalde mit, weil dort ein spielstarkes Üben möglich ist und er wettkampfmäßig in der Herren-Regionalklassen-Mannschaft mitspielen kann. Dort verlor er noch keine Partie.
Der Terminkalender für Maximilian sieht 2012 noch einiges vor: Ende Januar die Landesmeisterschaften, im Mai die Deutsche Meisterschaft und dann die EM- und WM-Titelkämpfe. Um richtig fit zu sein, hat er mit Holger Borchers nun einen Einzeltrainer, der ihn auch zu Turnieren begleitet. Seit 1.Januar wurde er in die Junioren-Prinzengruppe berufen. Dort betreut Bundesnachwuchstrainer Bernd Vöckler sechs Nachwuchsspieler, zwei Mädchen und vier Jungen. Er hat die Gruppe aus der Taufe gehoben. Anliegen ist es, die im Durchschnitt zehnjährigen Talente an das internationale Niveau heranzuführen.
Ob Max ein schlechter Verlierer sei? Mitnichten. Er ist zwar Angriffsspieler wie sein Vorbild Bobby Fischer, aber wenn er verliert, werde die Partie schnell abgehakt und es gehe weiter. Max erinnert sich aber auch an eine Partie, die fünf Stunden dauerte, sein Rekord. "Da hat mir der Kopf weh getan. Aber nächsten Tag ging es weiter." Ältere Schachspielern hatten den Kleinen früher oft unterschätzt. "Das ist vorbei, nun kennen sie mich alle", bemerkt er schmunzelnd.
Spanisch, Königs-Gambit, Vier-Springer-Spiel und viele weitere Eröffnungen gibt es beim Schach. Die Eröffnung ist das A und O des königlichen Spiels. Rund 1000 Eröffnungen mit den verschiedenen Nebenvarianten gebe es, klärt das junge Schachtalent auf. Und wie viele kann er? "25 aus dem FF, an zehn weiteren übe ich", sagt Maximilian. Rund 100 müsse man kennen, um in der Spitze mitzuspielen, ist sich der zehnjährige Schüler sicher.
Das Essen und Trinken sei sehr wichtig bei einem Turnier, klärt Maximilian Mätzkow auf. Seine favorisierte Speisen seien immer Nüsse in mehreren Variationen und weiße Schokolade. Hat ein zehnjähriger Junge bei so viel Engagement überhaupt noch Zeit zum Spielen? Lachend meint er: "Na klar, Zeit zum Spielen habe ich immer! "Auch in der Schule habe er keine Probleme, es laufe "ganz gut". Wie Vater Christian Mätzkow bestätigt, liege der Zensurendurchschnitt seines Sprößlings zwischen eins und zwei. Seine Schwester hat mit zwölf Jahren angefangen, Schach zu spielen. Zu Hause treten sie nie gegeneinander an. Warum, weiß er selbst nicht.
Und gegen seinen Vater? Verschmitzt gesteht Maximilian: "Ich gewinne immer gegen Vati." Den Beweis trat er sofort selbstbewusst an. Nach einer knappen Viertelstunde musste sich Senior Christian Mätzkow das "Schachmatt" gefallen lassen.