Mit Marie-Luise von Harlem, bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag und Hans-Jürgen Kuhn von der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung der Partei hatten sich die Niederbarnimer Bündnisgrünen zwei Experten eingeladen, die mit ihren Gastgebern durchaus kontrovers diskutierten.
So stellte Moderator Thomas Kremling gleich zu Beginn die These auf, in Brandenburg seien die Schulen „ideologisch gleich“. Alles soll in die staatlichen Schulen fließen“, meinte er. Woran er das festmache, fragte Kuhn. „Weil in Brandenburg in diesem Jahr keine Schulen in freier Trägerschaft genehmigt wurden“, antwortete Kremling. „Das stimmt nicht“, widersprach Hans-Jürgen Kuhn. Zu 90 Prozent würden die Prüfverfahren mit einer Genehmigung enden.
Das wiederum wollte Bernd Kösters vom Verein Montessorischule Niederbarnim nicht unwidersprochen lassen. „Wir versuchen seit drei Jahren in Zepernick eine Schule zu etablieren“, erzählte er. „Die Anforderungen, die an freie Träger gestellt werden, werden von Jahr zu Jahr höher“. Es werde jetzt vielleicht stärker kontrolliert, räumte Kuhn ein. „Immerhin gehen in die freien Schulen jährlich zweistellige Millionenbeträge rein“, bemerkte er.
Relativ einig war man sich in der Runde darüber, dass man mit dem Umbruch in der Gesellschaft auch andere Erwartungen an Schule habe und in freier Trägerschaft Modelle möglich seien, die es an staatlichen Schulen nicht gebe. „Unser Anspruch muss aber sein, dass solche Modell auch an staatliche Schulen entwickelt werden“, wandte Marie-Luise von Harlem ein. Was wiederum die Frage nach der Qualität von Schule – ob frei oder staatlich – aufwarf. Hans-Jürgen Kuhn hatte dazu eine klare Ansicht. Er tritt für eine „Selbstevalutionskultur“ ein. Schulen sollten sich selbst kontrollieren, ob ihre Qualität stimme, sagte er. Dazu gebe es Projekte mit Befragungen der Eltern und der Schüler. „Die Lehrer und die Schüler müssen sich nur trauen – auch hinterher damit umzugehen.Letztlich, davon ist Kuhnt überzeugt, entscheidet die Personalzusammensetzung über die Qualität einer Schule. Und er hat arge Bedenken, was die nahe Zukunft anbelangt.
18 000 Lehrer gibt es zurzeit in Brandenburg. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren. In den nächsten fünf Jahren gehen 2000 in Rente, die durch 450 Neueinstellungen pro Jahr ersetzt werden sollen. „Bei insgesamt 750 Schulen im Land erhält jede Schule zwei junge Lehrer – vorausgesetzt, wir bekommen sie. Wir haben nämlich viel zu wenige ausgebildet.“