Vielleicht hätte man sie früher "Kräuterfrau" genannt. Ursula Krüger-Matthes kennt sich aus mit Pflanzen aller Art. Die Bernauerin ist Gartenplanerin und veranstaltet öfter Seminare rund um alles, was grünt und blüht. Ihr Wissen beschränkt sich aber nicht nur auf Pflanzen, die wir Menschen züchten und dann kultiviert im Garten anbauen. Schon immer haben es ihr auch Wildpflanzen und -kräuter angetan. Wie man sie nutzen kann, das weiß sie ganz genau. Und das will sie den Teilnehmerinnen der Kräuterwanderung näher bringen.
"Als Kinder haben wir Kastanien und Eicheln gesammelt, um mit ihnen zu basteln. Damals hieß es immer: Das dürft ihr nicht essen", erklärt die 47-Jährige. "Dabei ist vieles, das wild in der Natur wächst, sehr schmackhaft und vitaminreich."
Natürlich, warnt die Expertin, sollte man sich sicher sein, was man zu sich nimmt. Denn einige Pflanzen oder Beeren sind schädlich oder sogar giftig. "Die Menschen wussten früher ganz genau, was man essen konnte und was nicht. Dafür haben sie die Tiere beobachtet." Bis auf einige Ausnahmen vertragen Menschen in der Regel das, was Tiere essen können.
Inzwischen macht die Industrie viele natürliche Produkte künstlich nach, weiß Ursula Krüger-Matthes. Ein Beispiel ist die Weidenrute. Sie enthält Salicil, das im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird - dem Grundstoff von Aspirin.
Unter den Interessierten, die zum vereinbarten Treffpunkt in den Stadtpark gekommen sind, ist auch Elisabeth Siegert. Sie ist sozusagen "vorbelastet". "Meine Oma ist mit mir früher immer Kräuter sammeln gegangen. Im Alter von 106 Jahren ist sie gestorben. Ich habe mich schon öfter geärgert, dass ich früher nicht besser aufgepasst habe, was sie über die Kräuter und ihre Wirkung erzählt hat. Das möchte ich heute nachholen", sagt Elisabeth Siegert, die auch für bei ihrer Arbeit als Heilpraktikerin von dem Wissen profitieren möchte.
Schon am Eingang zum Stadtpark gibt es die erste essbare Pflanze zu sehen - eine Felsenbirne. Rötliche Beeren hängen an dem Gewächs. "Sie schmecken sehr angenehm, man kann zum Beispiel Marmelade daraus kochen", weiß Ursula Krüger-Matthes. Allerdings müsse man schnell sein. "Oft haben die Vögel die ganz schnell weggefuttert."
Weiter geht es zum Pflaumendorn. Im Frühjahr könne man die Blüten nutzen sowie die jungen Blätter, im Herbst trage der Strauch gesunde Früchte.
Am Boden entdecken die Teilnehmer eine Zierquitte mit den charakteristischen glänzend grünen Blättern. "Die Früchte schmecken recht herb, aber man kann sie wie ganz normale Quitten verwenden", verrät Ursula Krüger-Matthes. In der Kombination mit Äpfeln, in einem Apfel-Quitten-Gelee, schmecke die Quitte besonders lecker.
Beim weiteren Rundgang durch den Stadtpark kommt man sich fast vor wie in einem großen Restaurant. Erstaunlich, welche Pflanzen man hier so alles entdeckt, von denen man bislang nicht geahnt hat, das man sie essen kann. Es geht vorbei an Robinien, es gibt Esskastanien, aber auch Linden, aus deren Blüten sich sehr gesunder Tee kochen lässt. Und natürlich den sehr beliebten Holunder. Aus den Blüten lässt sich Sirup herstellen.
Am Ende hatten die Teilnehmer einige Ideen, was man aus dem eigenen Garten so alles auf den Tisch bringen kann.
Infos unter: www.inspirierende-gartenwelt.de
n Wildkräuter-Pesto
Löwenzahn
Giersch
Brennesseln
8 Blätter Gundermann
3 Handvoll Sonnenblumenkerne
4 Knoblauchzehen
Salz und Pfeffer
Muskat
Olivenöl
Die Blätter waschen und trocknen, anschließend zerkleinern. 4 Knoblauchzehen pressen , die Sonnenblumenkerne zerkleinern. Die Masse in eine Schüsel geben und so viel Olivenöl dazu, dass ein sämiges Pesto entsteht. Mit Salz und Pfeffer sowie Muskat abschmecken und dann in kleine Gläser füllen.
n Wildkräutertee
Je 25 Gramm
Huflattich
Lavendelblüte
Malvenblüte
Schafgarbe
Kräuter etwa eine Woche gut trocknen lassen, dann zerkleinern. Ein Esslöffel Kräuter mit einem Liter Wasser kochen und abseien. Wirkt gut bei Erkältungen.