Was bedeutet es, deutscher Jude zu sein? Diese Frage steht am Sonntag in den Vereinsräumen der Jüdischen Gemeinde Landkreis Barnim in Bernau im Mittelpunkt. Diana Sandler, Vorsitzende des Vereins, sagt: „Es geht um ein Gefühl.“ Von diesem Gefühl möchte sie Besuchern erzählen. Sie sagt auch: „Erst in Deutschland habe ich zu meiner jüdischen Identität gefunden.“
Geboren wurde die 50-Jährige in Dnipropetrowsk in der heutigen Ukraine. Eine russische Stadt, wie sie selbst erklärt. Ihre Mutter, eine Jüdin, – im Judentum wird der Glaube von der Mutter an die Kinder weitergegeben – verbrachte einen Teil der Kindheit und Jugend in Deutschland. Zu Schulzeiten wird Diana Sandler mit Hass konfrontiert, wegen ihrer jüdischen Wurzeln und der Verbindung nach Deutschland.
1995 wandert Diana Sandler mit Mann und Kindern aus. Ihre Annahme: In Deutschland sei die Familie sicher. In einem Land, in dem sich der Holocaust zugetragen hat, werde es so etwas nicht wieder geben. 1997 wird ihrem ältesten Kind eine kaputte Bierflasche an den Hals gehalten – für Diana Sandler ein Schock. Im selben Jahr gründet sie die Jüdische Gemeinde Landkreis Barnim. 497 jüdische Zuwanderer betreut der Verein heute. Er unterstützt sie in allen Belangen und vertritt jüdische Interessen nach außen.

Kampf gegen Antisemitismus als Kampf für Demokratie

Von der deutschen Gesellschaft hält Diana Sandler viel. „Ich bin stolz, eine deutsche Bürgerin zu sein“, sagt sie, „die deutsche Regierung macht viel für ihre Bürger.“ Die Vereinsvorsitzende sieht es als Tausch: „Die Regierung schützt uns und wir schützen sie.“ Denn der Kampf der Juden gegen Antisemitismus, sei auch ein Kampf für die Demokratie, findet sie. „Ein Antisemit ist kein Demokrat“, betont sie.
2007 gründet Diana Sandler das Zentrum gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Juden seien aufgrund von jahrelanger Erfahrung am eigenen Leib Experten auf diesem Gebiet, erklärt sie. Sie setzt sich für einen demokratischen Patriotismus ein. Über einen respektvollen Dialog möchte sie zum friedlichen Zusammenleben beitragen. Deswegen freut sie sich, dass auch andere Migrantenvereine sich im Barnim am Aktionstag beteiligen.
In Bernau will die Jüdische Gemeinde die Rolle der Juden in der Gesellschaft beleuchten. Auf großen Tafeln werden Bilder vom Wirken des Vereins im Landkreis zu sehen sein. Auch jüdische Bräuche und Feste, wie das Pessachfest und Jom Kippur, werden erläutert.

Blaue Erdbeeren sollen Kinder ansprechen

Und was hat es mit den blauen Erdbeeren auf sich, die auf den Plakaten zum Aktionstag zu sehen sind? Blau symbolisiere das jüdische Leben, erklärt Diana Sandler. „Und Erdbeeren sind was Gutes“, fügt sie an. Das Motiv soll die Kleinsten ansprechen. Über Märchen sollen sie an das Judentum herangeführt werden.
Wer Interesse hat teilzunehmen, kann eine E-Mail an jg-barnim@mail.ru schicken. Die Plätze sind stark begrenzt.