24000 Klinkersteine sind im Mühlentor verbaut. Sie wurden eigens für das jüngste Bernauer Bauwerk in einem alten Ringofen gebrannt, damit sie verschiedene Farbtöne haben. Bunt soll das Mühlentor sein, sagt Manfred Hübler vom Verein zum Wiederaufbau des Mühlentores. "Das Tor hat Symbolkraft", findet Bürgermeister Hubert Handke (CDU). "Wir wollen Vielfalt und Buntheit in Bernau". Das Stadtoberhaupt gibt sich weltoffen. Anders als das historische Mühlentor werde das Bauwerk der Neuzeit für jeden offen sein, betont Handke.
Noch allerdings versperrt die Baustelle den Bernauern den Weg. Und die Skeptiker befürchten, dass die Tordurchfahrt viel zu eng ist, um den Verkehr aus der Innenstadt abfließen zu lassen. Doch Manfred Hübler betont - wie auch schon bei der Grundsteinlegung -, dass das Tor bei einer Breite von drei Metern und einer Höhe von 3,45 Metern selbst große Fahrzeuge ungehindert passieren können, "wenn der Fahrer, wie er soll, Schritttempo fährt".
Manfred Hübler und seine Vereinskollegen gehen davon aus, dass im Sommer die ersten Autos wieder über die Mühlenstraße aus dem Stadtkern rollen können. Möglicherweise stehen dann schon die Stelen links und rechts neben dem Klinkerbau. "Geht man an der Stadtmauer entlang, soll der Eindruck entstehen, sie wäre komplett geschlossen", erklärt der Bauingenieur. Erst vor dem Tor werden Spaziergänger und Passanten erkennen, dass die Stelen den Wall "durchsichtig machen."
Fast zeitgleich mit dem Richtfest haben sich die Planer für diese Variante entschieden, die der Schlussstein im Kapitel Mühlentor sein soll. Gesetzt sein muss er spätestens Ende 2013, weil die EU-Fördergelder, die mit dem deutsch-polnischen Kooperationsprojekt "Tore, die verbinden", flossen, an diesen Termin gekoppelt sind.
Als 2007 das erste Mal die Rede von einem Fertigstellungstermin für das Mühlentor war, machte noch das Jahr 2010 die Runde. Später korrigierte man den avisierten Abnahmetermin auf 2012 und kurz nach dem Spatenstich im September des vergangenen Jahres war klar: Der Winter würde Planern und Bauarbeitern einen Strich durch die Rechnung machen.
Dass Ziel und Wirklichkeit zu den Fertigstellungsterminen beim Mühlentor fast ebenso weit auseinandergingen wie die Meinungen zu dessen Wiedererrichtung, findet Manfred Hübler nicht einmal schlecht. "Wir wollten Diskussionen hervorrufen", blickt er auf das Projekt zurück. "Wenn etwas nur Konsens hat, ist das gar nicht gut." Er meint damit die mitunter hitzige Diskussion um den Neubau des Tores.
Geldverschwendung wurde dem gemeinnützigen Verein darin unter anderem vorgeworfen. Nachdem klar war, dass die Bernauer Stadtkasse mit keinem Cent belastet werden würde, verstummten diese Einwände mehr oder weniger. Die ohnehin schwierige Verkehrssituation im Zentrum blieb bis zuletzt Streitthema. Manfred Hübler ist aber überzeugt: "Das Problem mit der Umleitung ist kein schönes, aber es ist endlich."
Gleichzeitig verweist er auf die Erfolge des Projektes, die mit der deutsch-polnischen Zusammenarbeit mit der Stadt Stargard losgetreten wurden. Um bauliche Dinge ging es bei diesem Austausch weniger. "Die können Klinker bauen wie wir und umgedreht", vergleicht Manfred Hübler die deutsche mit der polnischen Zunft. Viel wichtiger war dem Förderverein der Austausch mit den Polen. Das Hinreisen, das Vernetzen und das Kennenlernen der anderen Kultur. Daraus - so hoffen die Bernauer - könnten in Zukunft weitere länderübergreifende Projekte entstehen. Auch wenn Hübler zugibt, dass es sich bei "Tore, die verbinden" um ein Zweckbündnis handelt. Immerhin erhielt der Förderverein durch die deutsch-polnische Kooperation rund 365000 Euro an EU-Zuschüssen, den Bärenanteil des rund 430 000 Euro teuren Projektes.
Was sich in Zukunft innerhalb der roten Backsteinmauern abspielen soll, ist noch nicht klar. Fest steht nur, der zur Verfügung stehende Raum wird "keine Gaststätte, kein Klub und auch kein Kulturbetrieb, weil es keine Beheizung geben wird", sagt Manfred Hübler. Für möglich hält er, dass zumindest im Sommer Kunstausstellungen oder Teile der Stadtführungen hier stattfinden.
Der Wiederaufbau des Mühlentores ist für den Bauingenieur und seine Vereinskollegen eine Erfolgsgeschichte. Eine, der vielleicht noch weitere folgen: "Ich schließe nicht aus, dass wir ein neues Projekt anstoßen."
Den Nagel eingeschlagen: Mit einem eigens dafür gegründeten Verein hat der Bernauer Manfred Hübler den Aufbau des Mühlentores initiiert und Spenden gesammelt.Fotos (2): Micha Winkler
Spätestens ab Sommer wieder Fahrzeugverkehr durch das Bauwerk nach historischem Vorbild vorgesehen
Verein liebäugelt durchaus mit weiteren neuen Projekten in Bernau