Mit den drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und auch nicht sprechen wollte Peter Liebehenschel (Bürger für Basdorf) am Mittwochabend klar machen, worum es ihm bei dem Thema Baumschutz geht. Auf einem Ast, der gerade mit einer Kettensäge abgesägt wird, hatte er sie auf ein Bettlaken gezeichnet und auf der Bühne des „Goldenen Löwen“ in Wandlitz befestigt. „Es ist ein Segen, in einer Landschaft leben zu dürfen, in der das Mikroklima durch reichlichen Baumbestand geprägt wird“, sagte er. Dieser Bestand dürfe nicht weiter gefährdet werden. „Dann sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen“, machte er deutlich.
Dass nicht alle Gemeindevertreter seine Sorge teilen, wurde bereits auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung im Dezember deutlich. Aus der Verwaltung war gar zu hören, dass man keine neue und vor allem schärfere Regelung benötige. (MOZ berichtete) Und auch am Mittwochabend hielt sich das Interesse aus der Gemeindevertretung und der Verwaltung in Grenzen – trotz persönlich verschickter Einladungen. Lediglich neun Gemeindevertreter, die meister aus der Fraktion Die Linke, zählte der Basdorfer Ortsvorsteher zu Beginn der Veranstaltung. Auch Bürgermeister Udo Tiepelmann (SPD), der nicht einmal dem Wunsch nachgekommen war, den Entwurf auf der Internetseite der Gemeinde zu veröffentlichen, oder ein Mitarbeiter der Verwaltung wollten sich nicht in den „Goldener Löwe“ verirren.
Doch so gering das Interesse bei den Entscheidungsträgern, so heftig wird das Thema von vielen Wandlitzer Bürgern diskutiert. Schließlich betrifft es die Belange unzähliger Grundstücksbesitzer direkt. Die waren es an diesem Abend dann auch, die den Saal füllten – und sich zu Wort meldeten.
Die Ansätze gingen dabei weit auseinander. Während die einen vor allem die positiven Seiten des Baumbestandes lobten, machten die anderen auch deutlich, dass zu viele und vor allem zu alte und zu hohe Bäume auch eine Gefährdung darstellten.
So beschwerte sich etwa ein Wandlitzer über eine 130 Jahre alte Birke vor seinem Haus. Seine Familie habe bei Sturm mittlerweile Angst, dass Obergeschoss zu betreten, weil sie befürchte, der Baum könnte dem Wind zum Opfer fallen, erklärte er. Das Fällen sei ihm jedoch untersagt worden.
Ein Basdorfer machte auf die Einschränkungen aufmerksam, die eine weitere Regulierung mit sich bringe. So gebe es beispielsweise im Nachbarschaftsrecht einige Paragraphen, die etwa die Abstände zu den Grundstücksgrenzen regelten. „Sollten jetzt noch weitere Einschränkungen hinzu kommen, können wir bald gar keine Häuser mehr bauen“, sagte er. Auch wollte er wissen, wer für den Schaden aufkomme, wenn ein Baum von seinem Grundstück auf das Nachbarhaus kippe und wer die Durchsetzbarkeit der Satzung überprüfe.
Marlinde Mißlitz, eigentlich Biesenthaler Bürgerin, erinnerte daran, dass man jahrelang darum gekämpft habe, Grundstücke aus der Baumschutzsatzung des Landes Brandenburger heraus zu nehmen. „Jetzt versuchen sie hier alles wieder rückgängig zu machen“, zeigte sie sich verwundert.
Viele der Anwesenden sprachen sich aber durchaus auch für eine Baumschutzsatzung aus. Das Hauptargument: Bäume bedeuten Lebensqualität – sie produzieren Sauerstoff, spenden Schatten, wirken geräuschdämpfend und „staubschluckend“.
Inwiefern sich diese realisieren lässt, konnte an diesem Abend jedoch nicht geklärt werden. Jörg-Peter Rosenfeld (SPD), der die Arbeitsgruppe „Baumschutz“ geleitet hatte, machte deutlich, dass eine rechtliche Prüfung des Papiers noch ausstehe.
Wenig Hoffnung auf eine hundertprozentige Durchsetzung machte auch Christian Ziegner von der Unteren Naturschutzbehörde. So seien viele Flächen bereits durch andere Gesetze geregelt. Für die Baumschutzsatzung gelte nur der Innenbereich der Gemeinde, sagte er. Und der höre nun einmal hinter den Häusern auf.
Die Fraktion Die Linke will nun zur nächsten Gemeindevertretersitzung einen Grundsatzbeschluss vorbereiten, in dem sich die Gemeinde für eine solche Satzung ausspricht. Zudem soll die Verwaltung darin aufgefordert werden, den rechtlichen Rahmen zu prüfen. In den zuständigen Ausschüssen könnte dann ein konkretes Papier ausgearbeitet werden. Mit einem Satzungsbeschluss, so rechnet Peter Liebehenschel, sei dann frühestens im April zu rechnen – insofern die Arbeit nicht wieder auf einem Schreibtisch liegenbleibe.