Im gesamten Bezirk Frankfurt (Oder) waren 2329 Männer und Frauen hauptamtlich für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig. Unterstützt wurden sie dabei von rund 7000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM).  Für den Kreis Bernau nannte Sielaff die Zahl von 56 Hauptamtlichen, hinzu kamen rund 500 IM´s aller Kategorien. Es gab 92 konspirative Trefforte.
Die "Überlieferungslage" bezeichnete Sielaff für Bernau als "relativ gut". So seien noch 77 laufende Regal-Meter Akten vorhanden sowie 17800 Karteikarten. "Außerdem haben wir noch drei Säcke handzerrissener Dokumente", so der Archiv-Leiter vor den rund 30 Zuhörern. Zum Vergleich: In der Oderstadt stehen 111 laufende Regal-Meter und 1550 Säcke, die handzerrissene Akten enthalten. Darüber hinaus gibt es für die Kreisdienststelle Bernau noch mindestens 1410 personengebundene Vorgänge. Diese waren vom Ministerium für Staatssicherheit in den Jahren 1976 bis 1989 bearbeitet und bereits archiviert worden. Alle Unterlagen, so Sielaff, sind personengebunden zugriffsfähig.
Betriebe im Blick
Sielaff räumte auch mit dem verbreiteten Irrtum auf, dass jeder DDR-Bürger eine Stasi-Akte hat oder wenigstens erfasst wurde. "Es gibt einfach Menschen, für die hat man sich nicht interessiert". Andere Bereiche hatte die "Firma" dafür genauer im Blick. Dazu gehörten beispielsweise die volkswirtschaftlich wichtigen Betriebe wie das Kabelwerk Schönow oder das Holzverarbeitungswerk Klosterfelde. So gibt es für das Schichtstoffpresswerk Bernau eine umfangreiche Foto-Dokumentation zu "Ordnung, Sicherheit und Brandschutz zur vorbeugenden Verhinderung von Vorkommnissen sowie anderer straftatbegünstigender Mängel und Missstände".
Auch für die Verbindungswege vom Postamt zur Kreissparkasse an der Leninstraße interessierte sich die Stasi. Ein Mitarbeiter mit dem Decknamen "Frieden" legte im März 1984 eine entsprechende Dokumention mit zahlreichen Fotos an. "Das Stasi-Ministerium wollte offenbar eine Analyse zur Vorbeugung von Überfällen erstellen", so der Leiter des Frankfurter Archivs.
Die Sicherung der Wohn- und Freizeitobjekte führender Repräsentanten der DDR spielte im ehemaligen Kreis Bernau eine besondere Rolle. Die Mitarbeiter der Kreisdienststelle waren sowohl in die Sicherung der Protokollstrecke F 109 als auch in die "operative Aufklärungs- und Abwehrarbeit im Staatsjagdgebiet Schorfheide" eingebunden. Sie mussten die Personen überprüfen, die in diesen Objekten (beispielsweise auf den Zeltplätzen E 18/E 19 am Liepnitzsee) arbeiteten, aber auch die Menschen, die entlang der Protokollstrecke wohnten. Dafür waren neben den hauptamtlichen Mitarbeitern insgesamt sieben "Inoffizielle" eingesetzt. Doch dies entsprach nicht unbedingt dem "Soll-Zustand". Noch im Juni 1989 sollten deshalb neue IM geworben werden – in der Autobahnmeisterei Bernau, in Lindenberg sowie in Neu-Schwanebeck. Ferner sollte der Anwohnerbereich an der Hauptfahrstrecke "neu politisch durchdrungen" werden. Dazu gehörten unter anderem die Anwohner an der Veilchen-, Astern- und Tulpenstraße sowie der Zepernicker Chaussee.
"Die größte Gefahr ging aber von den sowjetischen Truppen aus", berichtete Sielaff. Die schweren Kettenfahrzeuge beschädigten nämlich die Decken der Autobahnunterführungen. An einigen Stellen lagen deshalb schon Strom- und Gasleitungen frei.