„Wir sind sehr aufgebracht hier“, sagt Sylvio Wurmsee, Ortsvorsteher in Eichhorst. Aufruhr gibt es vor allem in Gaststätten, auf Zeltplätzen und bei anderen Urlaubsanbietern. „Keiner hat was gegen neue Straßen“, will Wurmsee gleich klargestellt wissen. „Aber der Zeitpunkt ist entscheidend.“ Der Zeitpunkt, das sind zwei Wochen mitten in der Hochsaison. Die lief aufgrund des Wetters schon nicht optimal an. Wie schnell im Baugeschehen aus zwei auch nur drei Wochen werden können, wisse man schon. „Und drei Wochen in der Saison sind tödlich“, spricht der Ortsvorsteher aus Erfahrung.
Im Sommer vor zwei Jahren gab es den großen Ärger, als die Bundesstraße mehrere Wochen lang wegen Bauarbeiten gesperrt war – damals ausgerechnet zur 300-Jahrfeier. Gewerbetreibende mussten fürchten, dass zum Jubiläum die Gäste ausbleiben. Der Tourismusverein Schorfheide-Chorin protestierte. Einige Unternehmer klagten schließlich sogar gegen die Vollsperrung.
Zum Fest war der Weg nach Eichhorst frei. Dennoch sprachen die Gewerbetreibenden von hohen Umsatzeinbußen über den Sommer hinweg. Nun fürchten sie eine Neuauflage des Streits. Als sich die neue Baumaßnahme herumsprach, kamen auch gleich etliche Beschwerden in der Schorfheider Gemeindeverwaltung an. „Manchmal sind wir es auch einfach leid, der Prügelknabe zu sein“, sagt Bauamtschefin Manuela Brandt dazu. Denn auch die Verwaltungsmitarbeiter seien „aus allen Wolken gefallen“, als in der vorigen Woche die Unterlagen kamen. „Wir haben erst einmal eine Woche Verschiebung erwirkt und eine halbseitige Sperrung gefordert.“ Anderenfalls wären diesmal die Klandorfer die Leidtragenden gewesen. Sie begehen ihre 200-Jahrfeier an diesem Wochenende. Der Landesbetrieb hat die Vollsperrung immerhin auf kommenden Montag verschoben. Aber nicht nur für die Informationspolitik steht er bei der Verwaltung in der Kritik. Auf Verständnis für die Arbeiten kann er generell kaum zählen, macht Brandt deutlich. „Aus unserer Sicht ist das auch Verschwendung von Geld. Wir haben viele Straßenschäden, aber da nun gerade nicht.“
Frank Buggert vom Landesbetrieb Straßenwesen zufolge handelt es sich um eine „ganz normale Erhaltungsmaßnahme“. Ausgenommen seien die Bereiche an der Kaiserwegbrücke und an der Eichhorster Zufahrt, die in der Tat vor zwei Jahren erneuert worden seien. Die tatsächliche Bauzeit werde, „wenn das Wetter mitspielt“, sechs Tage betragen. Im Plan stehen dennoch zwei Wochen.
Nur in der warmen Jahreszeit könne der Asphalt eingebaut werden. Eine halbseitige Sperrung komme bautechnisch nicht in Frage. Die Umleitung über Zerpenschleuse, Ruhlsdorf, Biesenthal und Eberswalde ist „weitläufig“, räumt Buggert ein. Für den Eichhorster Bereich ergäben sich minimale Einschränkungen, urteilt der Sachgebietsleiter. In Richtung Norden seien die Verbindungen aber frei.
Der Eichhorster Ortsvorsteher Sylvio Wurmsee sieht das jedoch anders. „Von Joachimsthal her kommt doch niemand“, sagt er. „Wir sind für die Zeit der Sperrung von der Außenwelt abgeschnitten.“