Im letzten Drittel des Eishockeyspiels bei den Berliner Eisbären waren die fast 80 Oberschüler endgültig aufgetaut. Minutenlang erklang aus Block 404, der fast komplett für die Bernauer reserviert war, "Eisbären Berlin, Eisbären Berlin". Selbst als die Anhänger im Fanblock ruhig waren, die Bernauer Teenager feuerten die Kufenflitzer weiter an.
Die gängigsten Kommentare zu der ungewöhnlichen Einladung waren "toll" und "sehr cool". Das freut Prokurist Steffen Seidler natürlich. Ganz selbstlos freilich war dieser Ausflug nicht. "Wir hatten im letzten Jahr schon einmal Schüler zum Eishockey eingeladen. Das kam so gut an, dass wir es in diesem Jahr wiederholt haben", erklärt er. "Natürlich brauchen wir als Firma aber auch jedes Jahr neuen Nachwuchs und wollen so bei den Schülern im Gedächtnis bleiben." Das dürfte gelungen sein, schließlich wird man selten vom Hallensprecher in der O2 World persönlich begrüßt. Die Bernauer Schüler beantworteten diesen Gruß mit großem Jubel, so dass wirklich jeder in der Arena wusste, wo sie zu finden waren.
Michelle Bietz findet, dass noch mehr Firmen diesem Weg der Nachwuchswerbung folgen sollten. "Es müssen ja nicht immer Eishockeykarten sein", sagt die Neuntklässlerin. Derselben Meinung ist Philippa Klauck. "Ich mache nach der zehnten Klasse erst mal mein Fachabitur", schaut sie voraus. "Es ist aber schon wichtig, dass man die Firmen kennt, die sich in der Umgebung befinden".
Die Zeiten, in denen stapelweise Bewerbungen für Azubistellen ankommen, sind vorbei, hat MRA-Prokurist Steffen Seidler schon vor einiger Zeit erkannt. Also galt es, neue Wege zu erschließen, um auf die eigene Firma aufmerksam zu machen. "Natürlich könnten wir auch einen Tag der offenen Tür veranstalten, aber die Jugendlichen wollen ja auch was erleben", ist sich Seidler sicher. Ganz begeistert ist auch Lehrerin Kathrin Ritter, die ihre Schüler begleitet. "Es ist natürlich auch für mich ein tolles Erlebnis, weil ich zum ersten Mal beim Eisbären-Spiel bin, aber hauptsächlich geht es um die Schüler. Viele tun sich schwer, nach der zehnten Klasse eine Entscheidung für ihr Leben zu treffen. Da hilft es natürlich, wenn man schon die ein oder andere Firma kennt."
Die Schüler haben oft keine Vorstellung, was sie in den verschiedenen Berufen erwartet, hat Lehrer Andreas Freitag erkannt. "Vielleicht hilft solch ein unkompliziertes Zusammenkommen, damit die Schüler Kontakt mit der Firma aufnehmen, um nachzufragen, was sie erwartet". Das wünscht sich auch Steffen Seidler. Allerdings gönnt er auch jedem Schüler den Spaß, den so ein Eishockeyspiel macht, auch wenn der nicht direkt in einem Ausbildungsvertrag mündet. Vielleicht sollten die Eisbären in diesem Jahr, wo es mal nicht ganz so gut läuft, öfter Schüler aus Bernau in der O2 World begrüßen. Wie im letzten Jahr gab es einen Kantersieg.
Stimmung super, Ziel erreicht: Auf Einladung einer Bernauer Firma feuerten 80 Oberschüler aus Bernau bei einem Eishockeyspiel die Berliner Eisbären an.Foto: René Matschkowiak
Bernauer Firma lädt 80 Neuntklässler zum Spiel der Berliner Eisbären ein